im Alb Bote vom 27.07.2007

75. Geburtstag

Herbert Fuchs HohentengenHerbert Fuchs kann heute seinen 75. Geburtstag in Hohentengen feiern. Der Jubilar wurde als Sohn von Hermann und Ida Fuchs am 27. Juli 1932 in Hohentengen geboren. Er wuchs dort zusammen mit zwei Schwestern auf. Mit der Landwirtschaft groß geworden, die ihn von Kind an begeisterte, ließ er sich in diesem Beruf ausbilden. Herbert Fuchs wurde jedoch, wie viele andere seiner Kollegen auch, ein Opfer des Strukturwandels und musste den Hof aufgeben.
Herbert Fuchs hatte ein abwechslungsreiches Berufsleben. Zunächst als Hilfsarbeiter tätig, wechselte er zur Post, bis er 1970 als Gemeinderechner zur Gemeindeverwaltung Hohentengen kam. 27 Jahre war er hier tätig.
Lange blieb er Nebenerwerbslandwirt mit allen damit verbundenen Belastungen. Auch heute ist er oft auf seinem Traktor zu sehen, geht zum Holzmachen in den Wald, widmet sich seinem Fischweiher und dem in Hohentengen wohl allen Kindern bekannten Wildgehege mit bis zu 40 Hirschen. 1957 heiratete er Marie-Luise Mayer. Stolz ist er auf seine drei Kinder und sieben Enkelkinder.
Auch in seiner Freizeit war Herbert Fuchs aktiv: 25 Jahre war Herbert Fuchs in der Feuerwehr und 57 Jahre war er als aktives Mitglied im Musikverein Hohentengen, wo er auch Ehrenmitglied wurde. Außerdem engagierte er sich im Genossenschaftswesen und Gemeinderat. Heute widmet er sich besonders den mit der Historie beschäftigten Vereinen. So auch in Kaiserstuhl, wo er regelmäßig Stadtführungen abhält, in Zurzach und im Geschichtsverein Waldshut. Aus seiner Feder stammt die 380 Seiten umfassende Gemeindechronik, weiterhin ein Buch mit Geschichten aus der Nachkriegszeit sowie ein Werk zur Kirchengeschichte und ein Bildband über die Flurkreuze. Etwas Neues ist bereits in Vorbereitung.
Eine weitere Leidenschaft des Jubilars ist das Reisen. So war Herbert Fuchs nach der Pensionierung zusammen mit Hermann Kaiser mit dem Fahrrad quer durch Deutschland unterwegs, reiste in den Nahen Osten nach Israel, Ägypten, Jordanien und die Türkei. Der 75-Jährige erfreut sich guter Gesundheit, (gt)


im Alb Bote vom 07.07.2007

Stadt auf dem Hügel

Geschichtsverein im Mittelalterlichen Klingnau

Der Geschichtsverein Hochrhein in KlingnauWaldshut (eis) Klingnau mit seinen 2500 Einwohnern ist ein kleines Schweizerstädtchen am rechten Aareufer. Es ist die einzige urkundlich mit Datum belegte Stadtgründung im ganzen Aargau. Der Geschichtsverein Hochrhein informierte sich bei einem Rundgang mit einem einheimischen Kenner über die Historie dieses geschichtsträchtigen Ortes. Ulrich II. aus dem thurgauischen Freiherrengeschlecht derer von Klingen besaß umfangreiche Güter am Unterlauf der Aare. Zu ihrem Schutz wollte er eine befestigte Stadt bauen. Er entschied sich für einen langgezogenen Hügel an der Aare, der allerdings bereits im Besitz des Klosters St. Blasien war. Durch einen Vertrag vom 26. Dezember 1239 kam es zu einem Geländetausch. Dieser ermöglichte den Bau einer ummauerten Stadt. Die befestigte Siedlung erhielt den Namen Klingnau, und der Stadtgründer Ulrich von Klingen errichtete auf der Nordseite eine Burg als seinen Wohnsitz. Sohn Walther übernahm das Erbe und wohnte zeitweilig mit seinem Freund Bertold Steinmar auf der "freiherrlichen Burg". Nach dem frühen Tod seiner Söhne verkaufte Walther die Stadt Klingnau 1269 an den Bischof von Konstanz. In der Unterstadt baute sich St. Blasien auf eigenem Boden ein repräsentatives Propsteigebäude für die Verwaltung des klösterlichen Streubesitzes in der Schweiz. In die Propstei Klingnau flüchteten die Äbte von St. Blasien in Kriegszeiten, hierher wurden öfters auch Archiv und Kostbarkeiten des Klosters in Sicherheit gebracht. Mit dem Ende des Klosters St. Blasien 1806 wurde auch die Propstei Klingnau ihrer Funktionen enthoben. Der neue Besitzer, das Großherzogtum Baden, verkaufte das stattliche Gebäude 1812 an Moses und Josef Guggenheim aus Lengnau. Heute sind Rathaus und Schule darin untergebracht.

zu den Bildern von der Stadtführung am 14.Juni 2007 in Klingnau 


Im Alb Bote am 30.05.2007

Waldshuter Spuren in Basel

Geschichtsverein Hochrhein auf Frühjahrsexkursion am Rheinknie

Der Geschichtsverein Hochrhein besuchte bei seiner Frühjahrs-Exkursion die Altstadt von Basel. Im Vorfeld dazu ließ der Vorsitzende Manfred Dietenberger alte Verbindungen zwischen dem Hochrheingebiet und der Stadt am Rheinknie mosaikartig aufleben. Dabei wurde offensichtlich: Waldshut und Basel verbindet mehr als nur der Rhein und die 1856 in Betrieb genommene Bahnlinie.
So hatte als Lehen der Basler Bischöfe im 13. Jahrhundert der bekannte Minnesänger Walther von Klingen die Grafschaft Wehr im Besitz. An der Wehra gründete er 1265 das Kloster Klingental, das bald nach Kleinbasel verlegt wurde, wo die Gebäulichkeiten heute noch zu sehen sind.
Zum großen Städtebund Basel, Zürich, Schaffhausen und anderen Orten zählte 1333 auch Waldshut. Nach dem verheerenden Erdbeben von Basel Anno 1356 schickten die Habsburger "400 starke Bauern aus dem Schwarzwald"(Grafschaft Hauenstein) zu Aufräumungsarbeiten in die zerstörte Stadt. Nach der Gründung der Basler Universität 1464 erwarben zahlreiche Studenten aus der Region dort Wissen und Können.
Nach der Belagerung Waldshuts vier Jahre später tritt bei den Friedensverhandlungen in Dogern auch Basel als Vermittler auf und verhilft der Waldstadt zu einer milden Behandlung.
Sehr enge Beziehungen hatte das Kloster St. Blasien zu Basel. So gab es dort ein "Bläsitor" und einen baulich sehr geräumigen "Bläsihof", aber auch ein um 1300 erbautes "Haus zu Waldshut" als Absteigequartier vor allem der Waldshuter Kaufleute.
Der Schwaben- oder Schweizerkrieg, in dem 1499 Tiengen verbrannt wurde, endete mit dem Frieden von Basel.
Seine Jugendjahre verbrachte in Waldshut, wo sein Vater Schultheiss und Waldvogt der Grafschaft Hauenstein war, Johann Franz von Schönau, der 1651 zum Fürstbischof von Basel gewählt wurde.
Zum Stammvater eines bedeutenden Patriziergeschlechtes in Basel stieg der Waldshuter Heinrich Fröwler auf, der 1292 das Basler Bürgerrecht erworben hatte. Die Frau des Habsburger König Rudolf I., Anna von Hohenberg, starb 1281 und wurde auf ihren Wunsch im Basler Münster beigesetzt, wo heute noch ihr Grabdenkmal erhalten ist. Ihre sterblichen Überreste wie die ihres Sohnes Karl kamen 1770 in den Dom von St. Blasien.
Beim Auszug der Mönche 1807 wurden die Särge von 13 Habsburgern mitgenommen; sie befinden sich heute in St. Paul in Kärnten. In die Reihe der mit Basel verbundenen Persönlichkeiten zählt auch die 1504 in Säckingen geborene Wibrandis Rosenblatt. Sie war die Tochter des damaligen Bürgermeisters und heiratete mit zwanzig Jahren einen angesehenen Basler Gelehrten.
Zwei Jahre später war sie schon Witwe mit einem Kind. In der Folgezeit heiratete sie nacheinander drei bekannte Reformatoren, den Basler Oekolampad, den Elsässer Reformator Wolfgang Capito und schließlich den Straßburger Martin Butzer, mit dem sie auf eine Einladung nach England übersiedelte, da er an der Universität Cambridge die "Heilige Schrift" lehren sollte. Nach dem Tod Butzers kehrte sie an den Hochrhein zurück.
Wibrandis Rosenblatt, der in Bad Säckingen ein Weg gewidmet ist, war Mutter von elf Kindern. Ihre Grabstätte befindet sich im Münster in Basel an der Seite ihres zweiten Mannes Johann Oekolampad.

PAUL EISENBEIS

zu den Bildern


Quelle:
Aus dem Alb Bote vom 19.4.2007

Trümmer einstiger Ritterburgen

Diavortrag von Hans Bernhand beim Geschichtsverein Hochrhein über zerstörte Bauwerke 

Stolze Ritterburgen von einst gibt es in unserer engeren Heimat keine mehr. In vielen kriegerischen Auseinandersetzungen wurden sie meist zerstört. Ruinen blieben übrig (Küssaburg). Andere zerfielen, die Natur deckte sie zu. Doch gibt es im Kreis Waldshut noch rund 40 weniger bekannte Burgstellen, den Fachkundigen nur noch als Trümmerhaufen erkennbar. Meist von Gestrüpp, Dornen und Moos überwachsen.

Der Waldshuter Hans Bernhard hat sie in jahrzehntelanger Forschungsarbeit erkundet und in beeindruckenden Dias erstmals beim jüngsten Treffen dem Geschichtsverein Hochrhein vorgestellt. Bekannt sind die ehemaligen römischen Wachttürme auf der linken Rheinseite. Aber auch am Südrand des Schwarzwaldes gab es solche. Der Referent erkannte Spuren dazu in Bürglen bei Gurtweil und an einer Burgstelle im Gewann Dörnen bei Nöggenschwiel. Spuren einer ehemaligen Burg Blumpenbach finden sich bei Schmitzingen. Minimale Reste der Burg der Edelfreien von Almuth kann der Schwindelfreie hoch über der Schlücht beim genannten Ort noch entdecken, "fast unzugänglich, ungepflegt und ohne Hinweise, also naturbelassen", so Bernhard.

Im Bereich der Schwarza liegen die Trümmer der Burgstellen Leinegg und Tombrugg; letztere einst ein zwölf Meter im Quadrat messender starker Turm, erst St. gallischer, später St. blasianischer Besitz. Altkrenkingen 1 und 2 an der Steina sind nur schwer zugänglich. Gutkrenkingen und Isnegg (Wallgrabenburg) bei Dietlingen waren wohl zum Schutz der Straße bei Witznau angelegt.

Auf manchen früheren Burgstellen stehen heute Nachfolgegebäude. So die Oswaldkapelle bei Detzeln und der Jägerhof bei Untermettingen, die heutige Kirche in Schwerzen sowie das Kloster Marienfried bei Ofteringen. Die einstige Edenburg, das Untere und das Obere Schloss in Jestetten weisen heute stattliche Nachbauten auf. In Bonndorf (Lindenbuck), Lausheim, Dillendorf, aber auch Erzingen, Grießen, Balm am Rhein sowie im Bereich der Alb Tiefenstein und Bildstein sind ehemalige Burgstellen ohne markante sichtbare Spuren, Sicher haben auch die umliegenden Ortsbewohner nach dem Auflassen der Burgen die besten Mauersteine zum Bau ihrer eigenen Häuser geholt.

kuessaburgDer von knapp 200 Dias unterstützte zweieinhalbstündige Vortrag war das Ergebnis einer jahrzehntelangen Spurensuche, für die der Referent von den über 50 Besuchern reichen Beifall ernten durfte. Wichtig für manche Interessierte war auch die kartografisch genaue Ortsangabe der Burgstellen und die Information über mögliche Zugänge.

 

 

 

Die Küssaburg ist das Wahrzeichen des Klettgaus. Die Anlage, die im 11. Jahrhundert erbaut wurde, fand im 30-jährigen Krieg ein Ende. Seitdem liegt sie in Trümmern. Die Anlage ist die größte Burgruine im Landkreis Waldshut. Aufgrund der mächtigen Mauerreste und des herrlichen Rundblicks ist sie zu allen Jahreszeiten ein beliebtes Ziel für Ausflügler.

Paul Eisenbeis


Quelle:
Aus dem Alb Bote vom 15.2.2007

Trauer um Claus-Peter Hilger

Im Alter von 65 Jahren stirbt der engagierte Bürger und Journalist aus Häusern

Der Journalist und weit über die Grenzen der Region hinaus bekannte Heimatforscher, der seit 1975 in Häusern lebte, starb nach langer Krankheit am Montagabend in einer Klinik in St. Blasien. Er wurde 65 Jahre alt. Claus-Peter Hilger ist gebürtiger St. Blasier. Nach seiner Schulzeit machte er eine kaufmännische Lehre. 1969 nahm er eine Tätigkeit als Verlagskaufmann auf und wechselte anschließend ins journalistische Fach. Ab 1971 bis zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand 2001 war er Redaktionsleiter des "Schwarzwälder Boten" in St. Blasien.
Mit seinem feinen Gespür für Geschichten - und für die Geschichten hinter den Geschichten, die sich in den von ihm betreuten Gemeinden ereigneten - verstand er es, seine Leser immer wieder aufs Neue zu fesseln. Sein journalistisches Gespür und sein großes Engagement für die Heimat und für die Menschen, mit denen er lebte, kamen bis vor wenigen Wochen auch der Badischen Zeitung zugute, für die er seit seinem "Ruhestand" als freier Mitarbeiter tätig war.
Im Laufe seines Lebens hatte sich Claus-Peter Hilger ein schier unerschöpfliches Wissen über die Heimatgeschichte der Region angeeignet, das er immer wieder großzügig an andere weitergab. Unzählige Texte stammen aus seiner Feder. Immer wieder stand dabei das Kloster St. Blasien im Mittelpunkt seiner Betrachtungen; seine Klosterführungen begeisterten viele Menschen und waren geradezu berühmt. Das Konzept und der komplette geschäftliche Hintergrund in der Entstehung des Klosterweges von St. Blasien bis Klingental/Schweiz stammen von ihm. Für den Landkreis arbeitete er regelmäßig am Jahrbuch mit. Er hat zahlreiche Texte in alemannischer Sprache verfasst, darunter auch Gedichte und Erzählungen sowie Theaterstücke und Sketche.
Hilger engagierte sich in Vereinen und Institutionen; so war er Gründungsmitglied im Heimatverein Häusern und Mitbegründer des Geschichtsvereins Hochrhein. Claus-Peter Hilger war auch ein politischer Mensch. Seine politische Heimat war die SPD, in der er sich seit 1961 im Ortsverein St. Blasien engagierte. Seine persönliche Solidarität mit den Bedürftigen und den Schwachen der Gesellschaft war nicht nur in seinen Taten, sondern immer wieder auch zwischen den Zeilen seiner Texte zu erspüren.
Von der Stadt St. Blasien wurde Hilger 1997 der Fürstabt-Gerbert-Preis verliehen; vom Land bekam er die Heimatmedaille. Im Oktober 2006 wurde er für seine außerordentlichen Leistungen für das Gemeinwesen mit dem "Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" (Bundesverdienstkreuz) geehrt.
Seit vielen Jahren lebte Claus-Peter Hilger unter dem Damoklesschwert seiner schweren Erkrankung. Er war einer, der sich davon nicht unterkriegen ließ; seine Tatkraft und sein breit gefächertes Engagement waren bis zuletzt ungebrochen. Claus-Peter Hilger hinterlässt seine Frau und seine beiden erwachsenen Kinder.
Das Requiem ist am Freitag, 16.Februar, um 14 Uhr im Dom in St. Blasien, die Beisetzung findet im Anschluss auf dem Friedhof in Häusern statt. 

Susanne Filz 


Quelle:
Aus dem Alb Bote vom 8.2.2007

Zwei Klöster und ein Papstsekretär

Patrick Burger erzählt beim Geschichtsverein Hochrhein über die Vergangenheit und Gegenwart von Riedern am Wald

Riedern am Wald ist kein x-beliebiges Dorf. Welcher Ort hat schon eine alte Burg in seiner Gemarkung? Und gleich zwei ehemalige Klöster in seiner Geschichte? Vor zweitausend Jahren siedelten bereits Römer zwischen Riedern und Ühlingen. Heute wohnt der bekannteste Bürger des Dorfes in Rom. Darüber und über die wichtigsten Daten des Ortes informierte in einem packenden "Streifzug durch die Geschichte von Riedern a.W." Patrick Burger die 50 Teilnehmer des Geschichtsvereins Hochrhein. 
Über die heute verfallene Burg Mandach, ursprünglich Burg Weiler genannt, fehlen aus der Frühzeit urkundliche Belege. 1352 ist ein Heinrich von Erzingen auf der Burg, 1501 kommt sie in den Besitz des Klosters St. Blasien und 1610 wird die schon ruinöse Burg an das Kloster Riedern beziehungsweise an das Kloster Kreuzlingen abgetreten.
Die Urzelle der Klostergemeinschaft des Augustinerchorherrenstiftes Riedern lag bei Detzeln. Die Umsiedlung liegt im Dunkeln. Doch in einer Papsturkunde vom 20. Juli 1214 ist bereits von einem Abt in Riedern die Rede. Später steht diesem Kloster mit seinen fünf bis zehn Konventualen nur noch ein Propst vor. Diese Propstei endet 1812 mit der Säkularisierung. 1838 erwarb die Gemeinde Riedern die noch stehenden Gebäude für Schul- und Rathaus. Große Teile der einstigen Propstei sind heute renoviert. Ein Museum ist im Aufbau und den schönen Treppenaufgang schätzen viele Musikliebhaber bei klangvollen Konzerten.
Am Rande des Dorfes siedelte sich auch ein Frauenkonvent an, urkundlich schon 1247 belegt. Den rund 20 Chorfrauen stand immer eine Pröpstin vor. Weihnachten 1813 wurde das Frauenkloster endgültig geschlossen, die Ordensschwestern hatten das Haus sofort zu verlassen, weil man die Gebäude dringend für ein Feldlazarett benötigte. Hierher überbrachte man viele an Typhus Erkrankte der Schwarzenbergischen Armee. Von diesen starben rund 700 in Riedern und wurden im Gewann Vogelwies bei der alten Kapelle begraben. 1848 brannte die Anlage des einstigen Frauenklosters samt Kirche ab, nur das ehemalige Gästehaus steht heute noch.
Markante Gebäude
Patrick Burger ließ aber auch die stillen Ortsteile Riederns aufleuchten, so Mühle und Säge in Riedersteg und die wenigen Häuser in Muckwies und Weiler. Aber auch markante und geschichtsträchtige Gebäude in Riedern selbst bis zum Denkmal an die 1813/14 verstorbenen österreichischen Soldaten, zu deren Gedächtnis eine "Friedenslichtkapelle" erstellt werden soll.
Nicht zuletzt erinnerte der Referent an bekannte Persönlichkeiten aus dem Dorf. So an den 1851 ausgewanderten Dorus Kromer, der als Goldgräber in Kalifornien sein Glück suchte und fand sowie an seinen Sohn, den Künstler Heinrich E. Kromer, der die Tagebuchnotizen seines Vaters in dem 1935 erschienenen Buch "Die Amerikafahrt" veröffentlichte.
In dem mit viel Beifall bedachten, mit zahlreichen Farbbildern unterstützten Vortrag vergaß der Referent nicht den derzeit bekanntesten Sohn Riederns, Prälat Georg Gänswein, Privatsekretär des Papstes, der mit seiner schlanken 33-knöpfigen Soutane auch Eingang in die aktuelle Herrenmode in Rom gefunden hat.

Paul Eisenbeis


Quelle:
Aus dem Alb Bote vom 5.1.2007

Heimatforscher aus Leidenschaft

Der ehemalige Stadtarchivar Konrad Sutter stirbt im Alter von 86 Jahren - Mitbegründer des Geschichtsvereins

Konrad SutterKonrad Sutter, der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Waldshuter Heimatforscher, starb am Mittwoch im 86. Lebensjahr an den Folgen einer mit großer Gelassenheit ertragenen Erkrankung. Von 1973 bis 1989 war der Träger des Bundesverdienstkreuzes ehrenamtlicher Stadtarchivar in Waldshut. Neben seiner Tätigkeit als Heimatforscher war Sutter seit Jahrzehnten durch seine Beiträge in den Heimatzeitungen Alb-Bote und SÜDKURIER bekannt. 
Am 11. April 1921 in Freiburg geboren, wuchs Sutter bei Pflegeeltern in Dogern auf. Bei der einstigen Maschinenfabrik Mann in Waldshut legte er 1939 seine Gesellenprüfung als Schlosser ab. Im Sommer 1941 erhielt er die Einberufung zur Wehrmacht. Nach amerikanischer Kriegsgefangenschaft 1946 zurück in der Heimat, nutzte er seine in der Gefangenschaft erworbenen Fertigkeiten als Graveur und arbeitete in einem Waldshuter Uhren- und Schmuckgeschäft. Im selben Jahr lernte er seine spätere Frau Lilly Güntert kennen. Im Herbst 1947 wechselte Sutter zur Polizei. 1949 bekam das junge Paar Tochter Ilse Johanna, die 2002 starb. 
Seine Freizeit widmete Sutter ausgedehnten Urlaubsreisen und der Heimatgeschichte. Am 6. März 1965 erschien im Alb-Bote sein erster geschichtlicher Aufsatz mit dem Titel "Die Mühle in Unteralpfen". Schon bald genügte es Sutter nicht mehr, nur schon vor längerer Zeit Gedrucktes wiederzugeben. Zusammen mit seiner ebenfalls historisch interessierten Frau begann er, sich in alte Urkunden und Akten, die er sich anfangs hauptsächlich im Generallandesarchiv Karlsruche besorgte, einzulesen und nach bislang unbearbeitet gebliebenen Themen zu suchen. Bald kristallisierte sich dabei heraus, dass das Kloster St. Blasien zwar in der Geschichte unserer Region eine herausragende Stellung einnahm, aber bis dahin noch ungenügend erforscht war. Konrad Sutter sammelte jetzt alles, was es zu diesem Themenkomplex gab. 
1973 kam für Sutter die Pensionierung aus Gesundheitsgründen. Nun konnte er sich ganz seiner Leidenschaft Heimatgeschichte widmen. Noch im gleichen Jahr übernahm er ehrenamtlich das Stadtarchiv Waldshut und betreute es bis 1989. 
Als Autodidakt arbeitete er sich intensiv in die für die Heimatforschung unerlässliche Archivarbeit ein. Er besuchte einen Lehrgang beim Staatsarchiv in Freiburg und nahm noch als 53-Jähriger ein Jahr lang am Lateinunterricht im Waldshuter Gymnasium teil. Zusammen mit Fritz Schächtelin und anderen an der Heimatgeschichte interessierten gründete er 1974 den Geschichtsverein Hochrhein und war dessen erster Schriftführer. 
Konrad Sutter nahm sich aber auch der vielen weißen Flecken in der Erforschung der Stadtgeschichte Waldshut an. Aus seiner Feder stammen 40 größere Arbeiten in Büchern und Heften und über 300 Beiträge in Tageszeitungen. Zuletzt schrieb er noch einen Beitrag für das gerade erst erschienene Jahrbuch 2006 des Geschichtsverein Hochrhein. Daneben drehte er Filme zur Heimatgeschichte, die er in über 150 Veranstaltungen selbst vorführte. 
1966 wurde Sutter erstmals in den Aufsichtsrat des Bauverein Waldshut gewählt. Insgesamt 15 Jahre lang war er in diesem Gremium tätig, davon drei Jahre als Aufsichtsratsvorsitzender. 
Konrad Sutters unermüdliche, erfolgreiche Arbeit als Heimatforscher blieb nicht ohne öffentliche Anerkennung. Allen heimatverbundenen und geschichtsliebenden Menschen der Region wird er fehlen. Konrad Sutter hinterlässt seine Frau Lilly und seine Enkeltochter Simone. 

 

Auszeichnungen:

Öffentliche Auszeichnungen für Konrad Sutter: 
1984 in Stuttgart Landespreis "In Würdigung der zahlreichen Beiträge zur Heimatgeschichte von Waldshut und St. Blasien", 
1991 Verdienstmedaille in Gold der Stadt Waldshut-Tiengen; 
1996 Fürstabt-Gerbert-Medaille in Gold der Stadt St. Blasien; 
1997 Fürstabt-Gerbert-Preis der Stadt St. Blasien; 
1999 Bundesverdienstkreuz am Bande.

Manfred Dietenberger 


Quelle:
Aus dem Alb Bote vom 21.12.2006

Streifzug durch Geschichte im Landkreis

Geschichtsverein Hochrhein stellt Jahresband 2006 vor - Interessantes auf 136 Seiten - Werk von 13 Autoren

Der Geschichtsverein Hochrhein hat seinen Jahresband 2006 vorgestellt. In 16 meist bebilderten Aufsätzen von 13 Autoren birgt die 136 Seiten starke Schrift viel Interessantes aus der Geschichte des Kreisgebietes oder gibt Einblicke in historische Begebenheiten, die mit dem Landkreis in Verbindung stehen.
In einem Beitrag stellt Professor Gustav Oberholzer das historische Hotzenwälder Bauernhaus von Niederhof-Zechenwihl vor. Im "Hirschen" in Dogern, in dem sich früher Redmann und Einungsmeister der Grafschaft Hauenstein zu ihren Sitzungen trafen, ist eine "Historische Einungsmeister-Stube" eingerichtet, über die Konrad Lüthy berichtet. 
In einem weiteren Aufsatz geht es um bekannte Einungsmeister der ehemaligen Einung Görwihl. Richard Kaiser bringt in seinem Beitrag wissenswerte Details aus dem Leben des berühmten Basler Kosmographen und Kartographen Sebastian Münster (1488-1552), dem wir die älteste gedruckte größere Schwarzwaldkarte von 1545 verdanken.
Über "Berühmte Waldshuter Kunsthandwerker" schreibt Konrad Sutter, so über die Altarbauer und Bildschnitzer Hans Ulrich Glöckler, Johann Christoph Feinlein, Mathias B. Zeyer und Jakob Glanz. Manfred Dietenberger erinnert an die schillernde Persönlichkeit des vor genau 800 Jahren verstorbenen Diethelm von Krenkingen, der 1169 Abt des Klosters Reichenau und zwanzig Jahre später auch Bischof von Konstanz, der damals größten deutschen Diözese wurde. Mit dem im weiteren Aufbau befindlichen Museum in der ehemaligen Propstei in Riedern am Wald befasst sich Patrick Burger. "100 Jahre Steinbruch bei Detzeln" schildert Franz Falkenstein, der auch über die frühere Seidenraupenzucht am Hochrhein Erinnerungen weckt. Er weiß dazu auch, wo der einzige Maulbeerbaum im Kreis Waldshut steht (bei Hohentengen). 
Im 18. Jahrhundert standen viele junge Männer aus unserer Heimat als Söldner im Dienst fremder Herren. Werner Vökt geht in seinen "Erinnerungen an das Regiment Allemand" dem Schicksal solcher Soldaten im piemontesisch-sardinischen Königreich nach. 
Über Herkunft und Schicksal der 26 Flur- und Wegkreuze im Gemeindegebiet Hohentengen berichtet als Kenner seiner Heimat Herbert Fuchs senior, und Eugen E. Sigg zeichnet die Geschichte des 1844 auf Gemarkung Lienheim erbauten Sandhofs mit vielen Belegen nach. Die 1938 errichtete Fridolin- oder Schanzenkapelle bei Eggingen stellt Lucia van Kreuningen vor, und Manfred Emmerich weckt Erinnerungen an seine vor genau 50 Jahren verstorbene Lehrerin Elisabeth Walter, die einst mit der "Abenteuerlichen Reise des kleinen Schmiedledick" vor allem die jungen Leser im Badnerland begeisterte. Schließlich begibt sich Dominik Rimmele in die Ansichtskartensammlung des Klosters Einsiedeln, in der er schöne Exemplare von Alt-Waldshut findet und erklärt.

Erhältlich ist der Band 2006 des Geschichtsvereins in den Buchhandlungen Fleck in Waldshut, Kögel in Tiengen und "Gallusturm" in Bad Säckingen. 

Paul Eisenbeis


Quelle:
Aus dem Südkurier vom 15.11.2006

Gute und schlechte Zeiten im Judenstädtchen

Ein exzellenter Kenner der Geschichte der Tiengener Juden ist Manfred Emmerich.
In jahrzehntelanger Arbeit hat er sich aus mündlichen Überlieferungen, Zeitzeugenberichten und Akten verschiedener Archive ein großes Wissen über die ehemalige israelitische Kultgemeinde Tiengen erworben. In einem spannenden Vortrag ließ er den Geschichtsverein Hochrhein an seinem Wissen in Wort und Bild teilhaben.
Warum wurde gerade Tiengen ein so genanntes "Judenstädtchen"? Die Grafen von Sulz und die Fürsten von Schwarzenberg gestatteten den Juden schon früh die Aufnahme in ihrer Stadt. Allerdings nur gegen ein alljährlich zu zahlendes "Satzgeld" - eine gute Einnahmequelle der Stadtherren. So durften die Juden eine eigene Religionsgemeinde bilden, erhielten eine Synagoge, einen eigenen Friedhof, Schule und ein Frauenbad für die vorgeschrieben religiösen Waschungen.
Eine jüdische Metzgerei und eine Bäckerei sorgten für koscheres Fleisch und ungesäuerte Brote. In einem noch bestehenden Gebäude in der Priestergasse befand sich schon vor 1560 die älteste Druckerei, die in Deutschland Bücher in hebräischer Schrift herstellte. Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte der Anteil der Juden in Tiengen mit 215 den höchsten Stand mit 14 Prozent der Gesamtbevölkerung; im Jahre 1900 waren es noch 4,5 Prozent.
Das Jahr 1862 brachte den Juden die völlige Gleichberechtigung mit allen gemeindlichen und staatlichen Rechten und Pflichten. Bis zum 3.Reich war es in Tiengen selbstverständlich, dass auch jüdische Mitbürger in den Vereinen mitmachten.
In Tiengen erhielt das Zusammenleben eine neue Qualität mit dem Entwurf einer Ortssatzung vom 26. August 1935, in dem wörtlich steht: "Juden und Judenstämmlingen ist der Zuzug nach Tiengen untersagt. Beamte, Angestellte und Arbeiter der Gemeinde, die bei Juden kaufen, können aus dem Dienst entlassen werden". Doch das Bezirksamt hatte juristische Bedenken dagegen, auch der Deutsche Gemeindetag lehnte diese Satzung ab.
Doch in der Reichsprogromnacht vom 9. November 1938 wurde der "Volkszorn" auch in Tiengen brutal. SA und SS-Leute dringen in Häuser ein, in denen Juden wohnen, Möbel werden auf die Straße geworfen, 14 jüdische Frauen und fünf Männer auf Lastwagen getrieben und ins Gefängnis nach Waldshut gebracht. Die Einrichtung der Synagoge wird zerschlagen und mit Büchern auf dem Marktplatz verbrannt, der jüdische Friedhof geschändet, alle Grabsteine umgerissen. Einige Tiengener Juden konnten sich ins Ausland retten, andere starben im KZ Dachau oder im Internierungslager Gurs; nur drei überlebten. Eine schreckliche Bilanz. "Die Folgen des 3. Reiches reichen bis in die Gegenwart. Wir wissen um unsere Verantwortung, und dazu kann Erinnerung Versöhnung stiften", so Emmerich. In diesem Sinn will auch der Freundeskreis zur Darstellung jüdischer Geschichte in Tiengen einen Beitrag leisten. 

Paul Eisenbeis


Quelle:
Aus dem Südkurier vom 3.11.2006

Demokratische Bewegungen im Vergleich

Ein Vergleich der Hauensteiner Einungen mit der ursprünglichen Schweizer Eidgenossenschaft stand beim jüngsten Treffen des Waldshuter Geschichtsvereins auf dem Programm. Dazu konnte der Dogerner Markus Kistler gewonnen werden. Der sah das Resümee seiner Doktorarbeit zu diesem Thema weniger als Historiker, denn als Jurist. Rund 60 Zuhörer verfolgten gespannt die interessante Gegenüberstellung dieser im Mittelalter unabhängig voneinander beginnenden demokratischen Bewegungen.
Die im 14. Jahrhundert fassbaren Hauensteiner Einungen waren im Grunde bäuerliche Selbstverwaltungsgenossenschaften. Anfangs fußten sie sicher auf Zusammenschlüssen der privilegierten Tiefensteiner Freibauern. Diese besorgten große Teile der inneren Verwaltung selbst und treten in den acht Einungen schon früh als Selbstschutzorganisation gegen äußere Feinde auf (Landfahnen). Redmann und Einungsmeister, alljährlich neu gewählt, galten als Vertrauenspersonen des Bergvolkes. Neben Geistlichkeit und Adel saßen die Einungsmeister als einzige Bauern mit den städtischen Delegierten bei den Tagungen der Landstände in Freiburg.
Die größte Freiheit besaßen die Hauensteiner auf dem Finanzsektor. Die auf ihr Gebiet anfallenden Steuern legten sie eigenständig auf die Bewohner um und zogen die Gelder auch selbst ein - noch nach 1806. Reichsunmittelbar und mit der Hohen Gerichtsbarkeit ausgestattet wurde die Grafschaft Hauenstein aber nie, was die Salpeterer immer wieder behaupteten. Doch erreichte man mit dem Loskauf aus der Leibeigenschaft am 15. Januar 1738 ein wichtiges Ziel. So wurde Hauenstein danach das erste Territorium in Deutschland, in dem es keine Leibeigenen mehr gab.
Uri, Schwyz und Unterwalden waren ursprünglich abgelegene Orte, Talvogteien, Waldstätte, aber keine Urkantone an sich; den Namen erhielten sie später. Schon früh kauften sie in ihrem Gebiet Feudalrechte auf und wurden reichsunmittelbar. Auch sie wählten bei den Landsgemeinden für ein Jahr ihren Landamann als Vorsitzenden und Räte für die vielfachen Verwaltungsaufgaben, auch der Rechtsprechung. Wie im Hauensteinischen stets am 23. April, dem St. Georgstag, fand die Landsgemeinde in den genannten drei Bezirken der Innerschweiz am ersten Maisonntag "auf freiem Feld und unter offenem Himmel" statt. Wichtig war für Schwyz, Uri und Unterwalden 1291 der Zusammenschluss als "Ewiges Bündnis" gegen Raub und Schädigung von außen und für Frieden in den drei Orten.
Für Hauenstein war neben dem Zusammenschluss mit den angrenzenden Tälern Todtnau und Schönau der Gedanke nach Frieden im Innern und Abwehr der Ansprüche St. Blasiens wichtiger als außenpolitische Interessen. Interessant auch, dass gerade diese demokratischen Einigungsbewegungen und Bündnisse in Bergregionen, Schluchten oder abgelegenen Talschaften hüben wie drüben ihren Anfang nahmen, also unter gleichen schwierigen geografischen Verhältnissen und zu gleichen Zeiten.
Bei seinem gelungenen "Versuch, geschichtlichen Ballast abzuwerfen und Hintergründe und Strukturen herauszustellen" - so der Referent - ergab sein rechtshistorischer Vergleich der drei alten eidgenössischen Orte und der Hauensteiner Einungen überraschend viele Parallelen, aber auch eigene Strukturen und Weiterentwicklungen. Für die Grafschaft Hauenstein bedeutete das Schicksalsjahr 1806 aber auch ihr politisches Ende.

Paul Eisenbeis


Quelle:
Aus dem Alb Bote vom 27.10.2006

Blick in die Vergangenheit

Geschichtsverein tagt

Laufenburg (chy) Wenn ein Geschichtsverein seine Mitgliederversammlung in einer Stadt abhält, die im nächsten Jahr ihr 800-Jähriges feiert, liegt es mehr als nahe, dass die Historie dieser Stadt in irgendeiner Form mit in die Versammlung einfließt. So geschehen am vergangenen Sonntag, als der Geschichtsverein Hochrhein im Hotel "Alte Post" nicht nur das zurückliegende Vereinsjahr Revue passieren ließ, sondern sich in historischen Kurzreferaten auch der Jubiläumsstadt annahm.
Paul Eisenbeis aus Görwihl, Schriftführer des Geschichtsvereins, präsentierte zum Beispiel eine Kopie jener Urkunde, die der Dreh- und Angelpunkt des Laufenburger Stadtjubiläums ist. Die Urkunde, im Original aus Pergament und im Landesarchiv in Karlsruhe verwahrt, ist mit dem 4.September 1207 datiert und erwähnt in seiner Niederschrift erstmals den Namen Laufenburg. "Es ist keine eigentliche Stadtgründungsurkunde, aber ein wichtiges Dokument für die Weiterentwicklung Laufenburgs", so Paul Eisenbeis.
Die Urkunde hält in lateinischer Sprache das Ergebnis jenes Schiedsgerichts fest, das damals im Münster in Säckingen tagte, um den schwehlenden Machtkampf zwischen der Äbtissin des Stiftes Säckingen und ihrem weltlichen Schutzherrn, dem Reichsvogt Rudolf II. von Habsburg, zu schlichten. Zwar besiegelte das Schiedsgericht die Rechte des Klosters, das im Gegenzug den Habsburgern die beiden Burgen Laufenburgs auf Lebzeit zu Lehen gab, aber de facto besiegelte diese Urkunde die Herrschaft von Rudolf II. von Habsburg in Laufenburg. 
Weitere Referate befassten sich mit dem Salmenfang und den Eisenschmelzen in Laufenburg und reihten sich somit nahtlos ein in den Reigen der Vorträge im zurückliegenden Vereinsjahr. Insgesamt zehn Vorträge standen bei den monatlichen Treffen an jedem ersten Donnerstag auf dem Programm, hinzu kamen verschiedene Exkursionen und Besichtigungen. Auch das traditionelle Jahrbuch fehlte im Programm des Geschichtsvereins nicht. Es ist dies alljährlich der "größte Brocken" für die Kasse des Vereins, zu dem sich jüngst die Ausgaben für einen Laptop gesellten. 
Nächstes Jahr ist ein Beamer eingeplant: Um unseren Vereinszweck, die Vermittlung von Geschichte, zu verbessern, meinte Vorsitzender Manfred Dietenberger. Der Albbrucker äußerte sich auch zum Deal Kulturgüter zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem Hause Baden: "Das ist hanebüchen. Das können wir als engagierter Geschichtsverein auf keinen Fall gutheißen."
Der Geschichtsverein Hochrhein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der Region Hochhrein/Südschwarzwald zu erforschen und das Wissen in Form von Vorträgen, Exkursionen, Zeitungs- und Buchartikeln weiterzugeben. 

Der Verein hat 250 Mitglieder.
Vorsitzender ist Manfred Dietenberger/Albbruck.
Weitere Infos im Internet:
www.geschichtsverein-hochrhein.de


Quelle:
Aus dem Alb Bote vom 13.6.2006

Besuch in der Propstei

Geschichtsverein unterwegs

Waldshut (eis) Die jüngste Zusammenkunft führte den Geschichtsverein Hochrhein nach Riedern am Wald. Die 50 Teilnehmer besichtigten unter sachkundiger Führung die renovierte Pfarrkirche St. Leodegar und die noch vorhandenen Räume der ehemaligen Propstei der Augustiner-Chorherren. 
Im bestens renovierten kreuzgewölbten Refektorium (Speisesaal) der Augustiner gab der Ortsvorsteher von Hürrlingen, Ekkehard Blank, seit 28 Jahren auch Mesner in Riedern, eine Einführung in die wechselreiche Geschichte der Propstei. Diese taucht Anfang des 13. Jahrhunderts urkundlich erstmals in Riedern auf. Bald bildete sich im unteren Teil des Dorfes ein von frommen Frauen gegründeter Konvent. Die Propstei, die durchschnittlich nur fünf Chorherren besaß, wurde bei der Säkularisation aufgehoben, der Frauenkonvent im Dezember 1813. 
Unter Führung von Ekkehard Blank und der Betreuerin des neu aufgebauten Museums, Irmgard Blatter-Kramhöller, besichtigte man die nach dem Großbrand von 1740 neu gestaltete Propsteikirche St. Leodegar mit den hervorragenden Altarblättern des Konstanzer Barockmalers Jacob Carl Stauder. Nach der umfassenden Renovation von 2001 zeigt sich die Kirche innen mit dem eleganten Spiegelgewölbe und den frisch gefassten Statuen wieder in festlichem Glanz. Die Prälatenwohnung, die drei kostbare Kachelöfen aus der Barockzeit besitzt, wurde zu einem Museum umgestaltet, das hauptsächlich dem einheimischen Maler und Poeten Heinrich Ernst Kromer (1866-1948) gewidmet ist. Nicht vergessen wurde bei der Führung der derzeit berühmteste Sohn des Dorfes, der Privatsekretär des Papstes Benedikt XVI., Monsignore Georg Gänswein.
Im zweiten Teil des Abends berichtete Manfred Dietenberger über den in Blütezeiten mit 28 Chorfrauen besetzten Frauenkonvent in Riedern, der bereits 1339 dem Kloster Kreuzlingen unterstellt wird. 1350 lösten sich die Frauen aus der bis dahin gemeinsamen Verwaltung mit den Chorherren. Aber bis ins 16. Jahrhundert hatten die nach der Regel des hl. Augustinus lebenden Frauen - unter ihnen viele Adlige- das Vorschlagsrecht bei der Wahl eines neuen Propstes oder bei dessen Abwahl. 1813 mussten die Schwestern ihren Konvent, zu dem auch eine eigene Kirche gehörte, verlassen. In den Tagen danach wurden die Räume belegt mit an Typhus erkrankten Soldaten der österreichischen Armee. Rund 700 davon starben in Riedern und fanden ihr Grab im Gewann "Vogelwiese" Zu ihrer Erinnerung soll demnächst auf diesem Soldatenfriedhof die "Friedenslichtkapelle" gebaut werden.


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Aus dem Alb Bote vom 30.5.2006

Tagesfahrt in die Vergangenheit

Frühjahrs-Exkursion des Geschichtsvereins Hochrhein mit 55 Teilnehmern in die Schweiz

Kreis Waldshut (eis) Die Frühjahrs-Exkursion des Geschichtsvereins Hochrhein hatte dieses Jahr drei Ziele in der Schweiz auf dem Programm: Luzern, Sempach und Heidegg. Die von Ute Beck und Manfred Dietenberger vorbereitete Fahrt wurde für die 55 Teilnehmer zu einem großen Erlebnis.
Schon bei der Ankunft in Luzern gab es eine Überraschung: Auf dem Vierwaldstättersee formierte sich ein Corso der weißen Flotte zum 100. Geburtstag des Raddampfers "Schiller" zu einer Ausfahrt auf dem See.
Mit zwei sachkundigen Führerinnen erlebte man das geschichtsträchtige Luzern mit der Kapell-Brücke und der Spreuerbrücke. In der "minderen Stadt" besuchte man die Barfüßerkirche, einst die Ruhmeshalle der Stadt. Hier hingen früher an den Wänden alle erbeuteten Fahnen vieler Kriegszüge. Heute erinnern noch Fresken an sie, darunter auch das wieder aufgefrischte Bild der im Schweizerkrieg 1499 bei Schwaderloh von den Luzernern eroberte Hauensteinerfahne, eine bewurzelte Tanne mit vier Eichhörnchen.
Am Nachmittag fuhr man zu einem der bedeutendsten Schlachtplätze der Schweiz nahe bei Sempach. Hier standen sich am 9. Juli 1386 bei einem blutigen Waffengang ein Habsburger Ritterheer unter Herzog Leopold III. den Eidgenossen von Schwyz, Uri, Unterwalden und Luzern gegenüber. 
In der nahegelegenen Schlachtkapelle erlebten die Fahrtteilnehmer an einem riesigen Wandgemälde nochmals anschaulich das Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten. Diese für die Eidgenossen siegreiche Schlacht fand in den Chroniken des Abendlandes große Beachtung, hatte doch erstmals (nach Morgarten 1315) ein Fußvolk ein überlegenes Ritterheer vernichtend geschlagen. Der tote Herzog Leopold III. wurde im Kloster Königsfelden bestattet.
Unter den nach Schweizer Angaben rund 1800 Gefallenen auf der Habsburger Seite waren auch zahlreiche Edle vom Hochrheingebiet. So allein vier Mannen aus dem Geschlecht der Freiherren von Schönau, ein Egloff von Stühlingen, ein Heinrich von Erzingen, ein Jost von Küssenberg. Namentlich nicht genannt werden 15 erschlagene Knechte des Grafen Hans von Habsburg-Laufenburg.
Letzte Station war dann das Schloss Heidegg hoch über dem Baldegger See im Kanton Luzern. Der sehr gut erhaltene festungsähnliche Wohnturm war die Heimat mehrerer Ritter von Heidegg, die in Habsburger Diensten standen und die in Waldshut das Amt des Waldvogtes wie des Bürgermeisters in Personalunion bekleideten. Auf dem alten Gottesacker in Waldshut finden wir noch ihre Grabplatten; der "Heideggersche Hof" befand sich früher an der Stelle der heutigen Hansjakob-Schule.


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Aus dem Alb Bote vom 25. April 2006

Aufständische Bauern zahlen hohen Blutzoll

Im November 1525 besiegt Ritter Fuchs von Fuchsberg bei Grießen schlecht gerüsteten Haufen - Vortrag im Geschichtsverein

Ein bedeutendes Ereignis des Bauernkrieges war 1525 die furchtbare Niederlage der Klettgauer Bauern bei Grießen. Ursachen und Hintergründe darüber erfuhren die Mitglieder des Geschichtsvereins beim jüngsten Treff in einem fast zweistündigen mit Bildern belegten Vortrag von Walter Bernhart aus Klettgau.
Unter dem Oberbefehl des Ritters Christoph Fuchs von Fuchsberg wurden bei Grießen am 4./5. November 1525 etwa 500 Bauern von kriegserprobten Söldnern erschlagen, das Dorf selbst niedergebrannt. Die Klettgauer mussten unter dem Druck der Sieger wieder den katholischen Glauben annehmen, den sie, veranlasst durch Zürcher Reformatoren, kurze Zeit zuvor abgelegt hatten.
Mit großer Sachkenntnis ließ der Referent die Jahre von Reformation und Bauernaufstand im Klettgau lebendig werden. Die Landgrafschaft Klettgau war sehr früh nach Zürich ausgerichtet. Graf Alwig war selbst Bürger dort und erneuerte 1488 einen Vertrag auf gegenseitige Hilfe für "ewige Zeiten" mit der Limmatstadt. Die Vorgänge in Waldshut, wo seit 1521 Pfarrer Balthasar Hubmaier wirkte und am 15. Mai 1524 die Reformation offiziell einführte, waren den Klettgauern wohl bekannt. Ebenso jene am 23. Juni 1524 in Stühlingen, wo sich die Untertanen gegen den Grafen Siegmund von Lupfen erhoben, was allgemein als Beginn des Bauernkrieges gilt. Die Klettgauer selbst waren eigentlich zufrieden mit ihrer Obrigkeit.
Hauptmann der aufständischen Bauern im Schwarzwald wurde Hans Müller von Bulgenbach. Die Klettgauer sollten auch mitmachen. Diese aber sprachen sich mit Zürich ab, von dem sie Schutz und Schirm erwarteten. Sie wurden jedoch enttäuscht: Die Zürcher veranlassten den Klettgau, die Reformation anzunehmen und Gottes Wort als einzige Richtschnur ihres Handelns anzusehen. Anführer der radikalen Grießener wurde Klaus Mayer. Man vertrieb den Pfarrer Rudolf Hatenbach; Zürich schickte für ihn den zwinglianischen Prediger Hans Rebmann. Um die Jahreswende 1524/25 hielt sich der große Reformator Thomas Müntzer einige Wochen in Grießen und im Klettgau auf, um den aufständischen Bauern seine Vorstellung vom künftigen Reich Gottes nahe zu bringen
Nach der Niederlage der Schwarzwälder Bauern unter Hans Müller bei Radolfzell waren auch die Klettgauer bereit, die Artikel eines diktierten Friedensvertrages anzunehmen, außer der Forderung, den Gottesdienst nach der alten Ordnung zu halten. Als es ernst wurde, lehnte Zürich eine Unterstützung ab. So standen die 1000 schlecht Bewaffneten aus dem Klettgau unter dem Befehl des Klaus Mayer auf verlorenem Posten zum Kampf bei Grießen, wozu auch Waldshut einige Leute und ihre Geschütze geschickt hatte. Das gut ausgerüstete Heer des "Bauernjörg", wie der Ritter Fuchs von Fuchsberg auch genannt wurde, machte kurzen Prozess an jenem 4. November 1525 vor Grießen. Mehrere Hundert der Bauern wurden erstochen oder erschlagen. 
Die Überlebenden wurden grausam bestraft: Dem Anführer Klaus Mayer wurden die Augen ausgestochen und die Finger abgehackt, und er musste schwören, sein Leben lang das Dorf Grießen nicht mehr zu verlassen. Der Prädikant Hans Rebmann wurde ebenfalls geblendet; zwei gefangenen Waldshutern schlug man die Schwurfinger ab und zwang sie, Rebmann nach Waldshut zu führen, damit der dort noch amtierende Balthasar Hubmaier sehe, was ihm bevorstehe. 
Am 6. Dezember 1525 wurde Waldshut von österreichischen Truppen besetzt, zuvor gelang Hubmaier die Flucht in die Schweiz. Zu Weihnachten wurde die katholische Religion in der Waldstadt wieder eingeführt. 

Paul Eisenbeis


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Aus dem Alb Bote vom 16. Februar 2006

Aufgebrachte Männer zerschlugen Bilder und Statuen

Bildersturm in Waldshut in der Zeit der Reformation - Pfarrer Balthasar Hubmaier sucht Kontakt zu Schweizer Reformatoren

Als der Geschichtsverein Hochrhein im vergangenen Jahr die Themen für die Vorträge 2006 festlegte, ahnte er nicht, wie aktuell gleich das erste Thema im neuen Jahr sein würde: "Der Waldshuter Bildersturm 1524 und sein kulturhistorischer Hintergrund." Gerade erlebt die Welt die Unruhen von Muslimen nach der Veröffentlichung von Karikaturen über Mohammed. Auch für ihn gilt im Islam ein Bildverbot.
Referent war der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Manfred Dietenberger. Ausgehend vom zweiten der Zehn Gebote "Du sollst dir kein geschnitztes Bild machen und es nicht anbeten" (2. Mose 20, 4-5) legte er dar, wie sich die Israeliten und später die ersten Christen durch dieses Gebot von der heidnischen Welt abhoben, die sie umgab. Als erste christliche Symbole tauchten der Hirt mit einem Lamm, Fisch und Anker auf. Später erschienen Kreuze und die Darstellung des Gekreuzigten wie auch Bilder von Heiligen in den Kirchen und Büchern. Doch schon im 8. Jahrhundert kam es zum ersten Bildersturm in der christlichen Kirche, als Kaiser Leo III. in Konstantinopel die Ikonen zerstören ließ.

Kritik an der Bilderflut

In der Zeit der Reformation übte Martin Luther Kritik an der Bilderfülle der Kirchen, am Reliquienkult, an wundertätigen Statuen und Bildnissen. Davon wurde auch der damalige Seelsorger der Oberen Kirche in Waldshut erfasst, Balthasar Hubmaier. Der promovierte Theologe, Domprediger und Förderer von Wallfahrten in Regensburg war 1521 auf die freigewordene Pfarrstelle nach Waldshut gekommen. In seiner Einsamkeit in der kaum tausend Einwohner zählenden Waldstadt nahm Hubmaier Verbindung auf zu führenden Reformatoren in Basel und Schaffhausen. Als einziger Nichtschweizer nahm er an einer Glaubensdisputation mit 900 Vertretern in Zürich unter Zwingli teil.
An Pfingsten 1524 ordnete der Züricher Magistrat die Abschaffung der heiligen Messe und die Entfernung der Bilder in den Kirchen der Stadt an. Das und das zweite Gebot des Dekalogs waren auch für Hubmaier Anlass zum Handeln in Waldshut. Dort war ihm die Bürgerschaft - vor allem die Frauen - treu ergeben. Am 28. Oktober 1524 war es soweit: Aufgrund der Predigten Hubmaiers drangen aufgebrachte Männer in die beiden Kirchen ein, zerschlugen mit Äxten Tafeln, Bilder und Statuen, schmolzen Kelche und Monstranzen ein, zerschnitten Kirchenfahnen und Altartücher und machten Hosenbändel daraus.

Hilfe aus Zürich

Auch ungefähr 200 Züricher beteiligten sich. Sie waren nach Waldshut gekommen, um die Stadt gegen die drohende Einnahme durch die Habsburger zu verteidigen. Da diese gerade in andere kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt waren, verzögerte sich die Erstürmung Waldshuts, die Verhaftung Hubmaiers und die Bestrafung der "vom Glauben abgefallenen" Bürger. Im folgenden Jahr war es soweit: 1525 besetzte eine kaiserliche Truppe Waldshut. Hubmaier konnte verkleidet in einem Weidling über den Rhein entkommen und sich in Zürich für kurze Zeit in Sicherheit bringen. Die Bürger Waldshuts mussten unter den Österreichern schwer büßen, sie verloren das Recht, einen eigenen Bürgermeister zu wählen. Hubmaier musste auch aus Zürich fliehen. Er gelangte nach Mähren, wurde dort verhaftet und nach Wien gebracht, wo er als Ketzer am 18. März 1528 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

Paul Eisenbeis


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Aus dem Alb Bote vom 30. Dezember 2005

Mit Feuer und Gebeten gegen Reben-Killer 

Franz Falkenstein referierte beim Geschichtsverein über die Geschichte des Weinanbaus in der Umgebung von Waldshut 

Für uns ist es heute kaum mehr vorstellbar, dass einst zwischen Waldshut und Dogern ein durchgehendes Rebgelände lag. Wo an den Südhängen früher Weinbau betrieben wurde, sind heute bevorzugte Wohngebiet entstanden. Noch 1844 wies die Stadt Waldshut auf ihrer Gemarkung 55,8 Hektar Reben aus. Durch die Geschichte des Weinbaues am Hochrhein führte Franz Falkenstein in einem interessanten Vortrag beim jüngsten Treff des Geschichtsvereins.
Dem Referent wurde das Thema gewissermaßen in die Wiege gelegt: Sein Haus im Eschbacher Tal steht nämlich an der Stelle, an der sein Großvater 1908 die "Äußere Dogerner Trotte" (Kelter) aufkaufte.
Als Kulturpflanze kam die Rebe von den Sumerern über Ägypten zu Griechen und Römern. Mit der Ausdehnung des Römischen Reiches verbreitete sich der Weinbau über Europa. So fand man 1992 bei Kiesenbach den Bronzegriff eines römischen Weinsiebes aus dem 3. Jahrhundert. Die von den Römern angepflanzte Rebsorte war vor allem der bis in jüngere Zeit verbreitete Elbling. "885 gibt es für die Region Waldshut die erste urkundliche Erwähnung eines Weinberges in Kuchelbach bei Birkingen, der dem Kloster St.Gallen als Geschenk vermacht wurde" so Falkenstein.
Schon im 14. Jahrhundert lag Waldshut "mitten in den Reben", und selbst in höheren Lagen wie in Nöggenschwiel und Waldkirch gab es Weingärten. Vermutlich war es damals wärmer als heute, so dass auch Heuschreckenschwärme bis nach Mitteleuropa vordrangen, die auch die Reben kahl fraßen. Widrigkeiten waren aber auch die gefürchteten Maifröste, gegen die man in den Reben öfters Feuer entfachte, aber auch zu Betstunden aufrief, wie 1819 in Dogern und zwar in aller Frühe von 4 bis sieben Uhr. 
Der Referent verstand es geschickt, das große Zahlenmaterial aus alten Chroniken und Schriften mit passenden Dias zu belegen und aufzulockern. Er gab Einblicke in das "Schönen des Weines", über dubiose Praktiken bei der verpflicheten Abgabe des Weinzehnten an Klöster und Pfarrer wie auch die Weinsteuern an die Herrschaften. In den Reben zwischen Waldshut und Dogern standen nach einem Plan von 1778 insgesamt 16 Trotten. In jenen Jahren hatte Dogern eine Rebfläche von 58 Jucharten, das sind 20,9 Hektar in 260 Parzellen. 1844 hatte Dogern im Amtsbezirk mit 91 Jucharten die zweitgrößte Rebfläche.
Als 1856 die Eisenbahn Waldshut erreichte, traf dies auch den einheimischen Weinbau schwer. Bessere und billigere Weine kamen an den Hochrhein, auch neue Getränke. Als 1860 mit Rebsetzlingen aus Amerika die Reblaus nach Europa eingeschleppt wurde, vernichtete dieser Schädling auch in unseren Regionen ganze Rebflächen. Nach dem 2. Weltkrieg schrumpften die Rebstücke zusammen. Man war auch nicht mehr interessiert an der schweren Rebarbeit für einen Haustrunk. So verkauften die einstigen Landwirte und Winzer ihre Grundstücke zu guten Preisen für die neuen Baugebiete. (eis)


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Aus dem Alb Bote vom 20. Dezember 2005

Streifzug durch historische Ereignisse 

Der Geschichtsverein Hochrhein konnte Anfang Dezember den Jahresband 2005 vorstellen. In 15 meist reich bebilderten Aufsätzen von zwölf Autoren birgt die 127 Seiten starke Schrift viel Interessantes aus der Geschichte des Kreisgebietes oder gibt Einblicke in historische Ereignisse, die mit dem Landkreis in Verbindung stehen.
In seinem Beitrag erinnert Manfred Emmerich an den 1756 geborenen Krenkinger Bauernbub Ferdinand Fechtig, der in Anerkennung seiner treuen Dienste für Österreich vom Kaiser in den Adelsstand erhoben und Staatsminister und Ehrenbürger der Stadt Wien wurde. Die "Alte Bibliothek" im Waldshuter Pfarrhaus besteht aus 664 Bänden, darunter auch Frühdrucke aus den Jahren 1515 und 1520. Dominik Rimmele ging der verschlungenen Geschichte dieser Jahrhunderte alten Bücher nach. Bruno Feige widmet sich den Pflanzennamen im Hotzenwald, ihren mundartlichen Eigenheiten und der Deutung der Dialektausdrücke.
Über den Bauernkrieg 1524/25, vor allem über den Anführer der Aufständischen Hans Müller von Bulgenbach und dessen blutiges Ende in Laufenburg berichtet Konrad Sutter. Die beiden farbigen Wappenscheiben von 1532, die die Stadt Waldshut und die Grafschaft Hauenstein dem seinerzeit neuerbauten Rathaus Rheinfelden/Schweiz stifteten, stellt Manfred Dietenberger vor. Wissenswertes bringt der Aufsatz von Richard Kaiser über den Bergsee bei Bad Säckingen, der mit seinem nachgewiesenen Alter von 30000 Jahren der älteste See in weitem Umkreis ist.
Franz Falkenstein, schreibt über ehemalige Eis- und Bierkeller sowie über Brunnenstollen und Stollenbrunnen im Hotzenwald, wo einst Wasser eine bedeutende Rolle spielte. Er weiß aber auch Bescheid beim Bier, das zeigt sein Beitrag "Wie das Waldshuter Gasthaus Löwenbräu zu Bilgerbräu wurde".
Die wechselvolle Geschichte des Waldshuter Hauses, in dem heute die St.Marien-Buchhandlung untergebracht ist, steuert Peter Fleck bei. Über die wohl einzigartigen Beziehungen zwischen der Stadt Kaiserstuhl in der Schweiz und dem Dorf Thengen (Hohentengen) in Deutschland berichtet Herbert Fuchs senior. Im 18. Jahrhundert standen viele junge Männer aus unserer Heimat als Söldner im Dienst fremder Herren. Werner Vökt geht in seinen "Erinnerungen an das Regiment Royal Allemand" dem Schicksal zweier Harpolinger nach, die Soldaten im piemontesisch-sardinischen Königreich waren. In einem ausführlichen Kapitel befasst sich Eugen Sigg mit dem bereits 1419 erwähnten Dorfgericht zu Lienheim. 
Weitere Beiträge befassen sich mit der 1755 erfolgten Deportation von 27 Salpeterern samt ihren Familien ins Banat sowie mit der Exkursion des Geschichtsvereins nach Liechtenstein. 

Paul Eisenbeis

Erhältlich in den Buchhandlungen Fleck in Waldshut, Kögel in Tiengen und "Gallusturm" in Bad Säckingen.


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Aus dem Alb Bote vom 15. Oktober 2005

Vom Römerbau bis zum Caritas-Wohnheim

Geschichtsverein Hochrhein hört Vortrag über das ehemalige Gurtweiler Schloss - Heute beschützende Werkstatt

Waldshut (eis) Der ortsbildprägende Bau des ehemaligen Gurtweiler Schlosses hat eine wechselvolle Geschichte: Einst Römerbau, später Hofgut, Schloss der Herren von Heidegg, Propstei des Klosters St. Blasien, Kriegslazarett, Mädchenheim und heute Caritas-Wohnheim mit beschützenden Werkstätten für Behinderte. Manfred Emmerich aus Tiengen hielt vor dem Geschichtsverein Hochrhein einen interessanten bebilderten Vortrag über die nahezu zweitausendjährige Geschichte dieses Platzes mit seinen Bauten.
    Fundstücke belegen das schon von den Römern bewohnte strategisch wichtige Areal vom Übergang über die Schlücht bei Gurtweil. 873 wird Gurtwila erstmals urkundlich bezeugt. 894 erhält das Kloster St. Gallen hier ein großes Hofgut. Mitte des 13. Jahrhunderts wird Gurtweil habsburgisches Lehen, und als Lehnsherren wohnen und walten hier u.a. die Herren von Krenkingen, Küssaburg und Grießen. 1502 kommt Gurtweil als Pfandlehen an das Kloster St. Blasien. Dieses verkauft den Verwaltungssitz und das Dorf an die aus der Nähe von Luzern stammenden Herren von Heidegg. Über vier Generationen amten die Heidegger und bauen um 1600 nach einem Brand ihr stattliches Haus zu einem Schloss mit Ringmauer, Wassergraben, Zugbrücke und Kapelle aus. Kurz vor Ende des 30-jährigen Krieges verkauft Martin von Heidegg Schloss und Herrschaft an das Kloster St. Blasien. Doch bald darauf brennt die Anlage mitsamt 13 Häusern des Dorfes ab (13.Mai 1660). Beim Räumen des Brandplatzes wird der Wassergraben eingeebnet, und von St. Blasien werden die Gebäulichkeiten etwa im heutigen Aussehen als Amtssitz eines vom Kloster bestellten Propstes ausgebaut. Im Propsteigebäude fand am 15. Januar 1738 die Unterzeichnung des Loskaufvertrages der Hauensteiner aus der Leibeigenschaft des Klosters St. Blasien statt. 1807 wurde die Propstei aufgelöst, das leerstehende Gebäude nach der Völkerschlacht bei Leipzig als Militär-Lazarett für an Typhus und Ruhr erkrankte österreichische Soldaten benutzt. Der Überlieferung nach starben hier rund 3000 Soldaten. Aber auch in Gurtweil selbst wurden über 250 Personen, mehr als die Hälfte des Dorfes, durch diese Seuchen krank. (Anm.)
    Nach verschiedenen Versteigerungen der Räumlichkeiten zogen 1857 Ordensschwestern in das Gebäude ein, in dem der Gurtweiler Pfarrer Kessler ein Kloster und eine sog. Rettungsanstalt für Mädchen eingerichtet hatte. 1897 bis 1980 wurde daraus das erzbischöfliche Kinderheim St. Elisabeth, in dem in diesen Jahrzehnten über 2000 Mädchen Hilfe und Heimat fanden. Heute ist das ehemalige Schloss und Kloster Caritas-Verwaltungssitz für rund 550 behinderte Menschen, die soweit sie dazu in der Lage sind- an verschiedenen Plätzen hier und in der Umgebung in beschützenden Werkstätten arbeiten können. 

Anm.: Dieser Satz, "271 Personen sind gestorben", wurde hier richtig gestellt.


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Aus dem Südkurier vom 17. September 2005

Vertrauen für Dietenberger

Vorsitzender des Geschichtsvereins Hochrhein für weitere zwei Jahre im Amt

Kreis Waldshut/Hohentengen (ub) Vorsitzender Manfred Dietenberger wurde in der Hauptversammlung des Geschichtsverein-Hochrhein in Hohentengen einstimmig für weitere zwei Jahre in seinem Amt bestätigt.

Der Hauptversammlung des Geschichtsvereins ging eine zweistündige Exkursion durch das dem Tagungsort gegenüberliegende Städtchen Kaiserstuhl, das gegenwärtig sein 750-jähriges Stadtjubiläum feiert, voraus. Geführt wurden die rund 50 Teilnehmer von Herbert Fuchs senior aus Hohentengen. Am historischen Stadtrundgang durch die Gassen dieses mit der Geschichte Hohentengens so eng verwobenen malerischen Städtchens nahm auch die Vorsitzende der Kulturvereinigung "Pro Kaiserstuhl" teil. Anschließend ging es gemeinsam zum Mittagessen in das Tagungshotel "Wasserstelz" in Hohentengen/Guggenmühle.
I    m Anschluss ließ Schriftführer Paul Eisenbeis die Vereinsaktivitäten des letzten Jahres Revue passieren. Er verwies auf die zahlreichen, stets sehr gut besuchten Monatstreffen mit ihren interessanten heimatgeschichtlichen Referaten. Auf große Resonanz stieß auch die Frühjahresexkursion mit dem Bus nach Vaduz/Lichtenstein. Unter den zahlreichen weiteren Aktivitäten des Vereins war die Führung auf dem römischen Ausgrabungsareal in Zurzach unter der Leitung von Grabungsleiter Wechele/Zurzach einer Attraktion.
Vorsitzender Manfred Dietenberger hob besonders die Tatsache hervor, dass alle Referate und Beiträge in den 150 Seiten starken Jahrbüchern des Geschichtsvereins von den eigenen Mitgliedern geleistet werden. Er danke allen seinen Vorstandsmitgliedern für die kollegiale Zusammenarbeit und den Mitgliedern für ihr Interesse an der Arbeit des Geschichtsvereins.
Nach dem Kassenbericht von Manfred Gallmann und dem von Günter Heller vorgetragenen Bericht der Revisoren wurde dem Vorstand einstimmig die Entlastung erteilt.
    Bei der von Hermann Oesterle geleiteten Vorstandswahl wurden alle bisherigen Vorstandsmitglieder einstimmig und ohne Enthaltung wiedergewählt. Gewählt wurden Manfred Dietenberger (Vorsitzender), Ute Beck (Stellvertreterin), Paul Eisenbeis (Schriftführer), Manfred Gallmann (Kassierer) sowie die Beisitzer Franz Falkenstein, Manfred Emmerich und Franz Leber.
Nach den Wahlen gab es noch einen interessanten Vortrag von Herbert Fuchs über die Geschichte der drei Wasserstelz-Schlösser am Hochrhein.


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Aus dem Alb Bote vom 15. September 2005

Neue Ordnung in alter Bibliothek 

Theologiestudent und ehemaliger Oberstudienrat erstellen Verzeichnis - Vortrag vor dem Geschichtsverein

Die alte Bibliothek des katholischen Pfarrhauses Waldshut wurde neu geordnet und die 661 Werke in einem Verzeichnis festgehalten. Die Arbeit übernahmen der Theologiestudent Dominik Rimmele und Oberstudienrat i. R. Wolfgang Wolpert. Wem haben diese Bücher einmal gehört und wie sind sie in diese wertvolle Sammlung gekommen? Wer sind die Verfasser der Werke und wo wurden die hauptsächlich aus dem 16. bis 19. Jahrhundert stammenden Bände gedruckt? Fragen über Fragen.
    Die Antworten und die Ergebnisse der Nachforschungen stellte Dominik Rimmele in einem spannenden Vortrag den Mitgliedern des Geschichtsvereins Hochrhein vor. Die Bücher gehörten zum großen Teil der früheren Bibliothek des Dekanats Waldshut. Sie wurden am jeweiligen Sitz des Dekans aufbewahrt, so in Unteralpfen, Görwihl oder Dogern. Aber auch einzelne Pfarrer und Privatpersonen vermachten ihre Bücher dieser Bibliothek.
    Zur Altersstruktur: Die Sammlung weist zwei Wiegendrucke aus der Zeit um 1500 auf. 30 Werke stammen aus dem 16. Jahrhundert, darunter das seltene Buch "Utopia" des Thomas Morus. Unter den besonderen Schätzen ist auch ein lateinisch geschriebenes Neues Testament in der Übersetzung von Erasmus von Rotterdam, gedruckt 1583 in Basel. Als Druckorte kommen vielfach vor Basel, Straßburg, Mainz, Ingolstadt, Freiburg und Konstanz, aber auch Paris.
    Die zum Teil dicken Lederbände sind zu 50 Prozent in Deutsch geschrieben, zu 38 Prozent in Latein verfasst, meist theologische Schriften. Darunter auch Werke, die im Kloster St. Blasien geschrieben und dort gedruckt wurden und über Pfarrer in die Dekanatsbibliothek kamen. Eine         Rarität ist das Buch mit den Faksimile-Unterschriften sämtlicher Konzilsväter des 1. Vatikanischen Konzils.
Interessant für den jungen Referenten wie für die Teilnehmer der Versammlung war auch die Geschichte der aufgefundenen Werke selbst, die persönlichen Einträge der einstigen Besitzer, ihre Lesezeichen, Stempel und Siegel, die exemplarisch auch im Lichtbild aufleuchteten. Die größte zusammenhängende Werksnummer umfasst das "Archiv für die Pastoralkonferenzen in den Landkapiteln des Bistums Konstanz" mit nicht weniger als 85 Bänden der Jahre 1807 bis 1827. Diese vom damaligen Konstanzer Generalvikar Ignaz Heinrich von Wessenberg angeregten Schriften dienten zur Weiterbildung des Klerus in den einzelnen Kapiteln (Dekanate), ehe 1827 das Erzbistum Freiburg gegründet wurde.

Paul Eisenbeis


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Aus dem Alb Bote vom 11. August 2005

Manfred Dietenberger: " Der Boss" im Geschichtsverein Hochrhein

"Geschichte ist wie ein Krimi"

 "Ich bin gar nicht der ,Boss im Verein'", sagt Manfred Dietenberger und bringt fast das Konzept für unsere neue Serie ins Wanken. Wir einigen uns auf Anlaufstelle und "Motor", der den Geschichtsverein Hochrhein am Laufen hält. Damit kann der Vorsitzende leben.

Bildunterschrift: "Bild"
Manfred Dietenberger, Vorsitzender des Geschichtsvereins Hochrhein, ist fast jeden Morgen in der Waldshuter Kaiserstraße anzutreffen. 
foto: Martin

Waldshut - Hierarchiedenken ist ihm ein Gräuel. "Wir haben ein tolles Vorstandsteam mit sechs Mitgliedern", lobt der 52-Jährige seine Mitstreiter. "Bei uns gibt es keine Eifersüchteleien." 250 Mitglieder hat der Verein, 40 bis 50 kommen zu den monatlichen Treffs im "Schwanen" in Waldshut. "Seit zwölf Jahren bestreiten Referenten aus den eigenen Reihen die Vorträge bei den Treffen. Dass einige Mitglieder ein "klassischeres" Geschichtsverständnis haben als er, gibt Manfred Dietenberger gern zu. Das tut der Harmonie im Verein keinen Abbruch. "Bei uns spielen Herkunft, Beruf und Stand keine Rolle. Entscheidend ist die Liebe zur Geschichte."
Der Großvater hat in Manfred Dietenberger das Interesse an historischen Ereignissen geweckt. "Er war ein großer Geschichtenerzähler von Geschichte", erinnert sich der Enkel. Die breit gefächerte humanistische Bildung, die der gebürtige Friedrichshafener bei den Salvatorianern in Lochau genoss, tat ein Übriges und "legte die Grundlage für alles", sagt Dietenberger. "Bei der heutigen Bildung kommt es mir so vor, als sei Verwertbarkeit das Wichtigste", merkt er kritisch an. Nach der Schule folgte eine Lehre als Großhandelskaufmann, auf dem zweiten Bildungsweg ein Studium der Sozialpädagogik und eine Dreherlehre. Dann begann seine Laufbahn als Gewerkschafter, die ihn nach Waldshut brachte. Manfred Dietenberger schloss sich 1969 der Friedensbewegung an, war in der Arbeiterbewegung aktiv tätig. Bei der Arbeiterwohlfahrt ist er Mitglied. 
1980 veröffentlichte er das Buch "Geschichte der Arbeiterbewegung in Oberschwaben." Eine ganze Reihe von Publikationen, auch in heimischen Zeitungen, beleuchten Aspekte der Geschichte vom Hochrhein. Manfred Dietenberger führt zusammen mit einem Partner den Kleinstverlag "Forum Rhenanum". Das Jahrbuch des Geschichtsvereins mit Beiträgen von Mitgliedern - das zwölfte ist in Vorbereitung - bearbeitet und publiziert Manfred Dietenberger mit Vereinsmitgliedern in Eigenregie.
"Wenn Sie sich für Geschichte interessieren, müssen Sie alles machen", so Dietenberger, der den Lauf der Historie nicht auf Regierungsdaten, auf Schlachten und Feldherrn reduziert sehen mag. Für ihn gehört Musik dazu und Kunst, "solange ich sie verstehe". Sechs Griffe auf der Gitarre hat er sich für den Eigengebrauch beibringen lassen und damit zu Gewerkschaftszeiten manchen Abend gerettet.
"Geschichte ist wie ein Krimi", sagt Manfred Dietenberger. "Langweilige Dinge würden mich nicht interessieren!" Deshalb gräbt der Rentner in Archiven und Literatur nach Fakten und Themen, die noch nicht abgearbeitet sind. Er hat den Ehrgeiz, Neues herauszufinden. Wenn er auf etwas gestoßen ist, "dann kann ich es nicht für mich behalten, dann muss ich es einfach publik machen." Die Auseinandersetzung mit der Geschichte gehöre zu seinem Leben, doch auch die aktuelle Politik sei ihm wichtig. 
"Die Region ist so geschichtsträchtig" - Manfred Dietenberger kommt ins Schwärmen. "Ich habe Geschichte immer als schicksalshaft empfunden, von Menschen gemacht und von Menschen gestaltbar." Bei seiner Analyse des Vergangenen bevorzugt er die Sicht "von unten". Ihn interessiert der Moment, wenn Menschen aus der Rolle des Objekts heraustreten und selber handeln. Wie in den Bauernkriegen oder den revolutionären Bewegungen 1848 und 1918.
Das Archiv, das der Geschichtsverein seit zehn Jahren in Bechtersbohl unterhält, sieht er als "neues Gedächtnis der Region". Dort gibt es Sekundärliteratur zu heimatgeschichtlichen Themen, Ortschroniken beispielsweise oder Kirchenführer, Zeitungsausschnitte, Bücher von einheimischen Autoren. 
Etwas ist Manfred Dietenberger noch wichtig: "Wir alle sind zu sehr damit beschäftigt, im Hier und Heute unsere Zukunft zu gestalten. Dabei ist man oft in Gefahr zu vergessen, dass bei allem, was wir tun und sind, wir aufbauen auf dem, was unsere Vorfahren erarbeitet, erstritten und erträumt haben. Geschichte ist nicht bloß Nostalgie." 


Quelle: 
Aus dem Alb Bote vom 14. Mai 2005

Tour durch nationales Kuriosum

Geschichtsverein auf Exkursion in Liechtenstein - Aufschlussreicher Museumsbesuch

Waldshut (eis) Das Geschlecht der Grafen von Sulz beherrschte lange Zeit den Klettgau. Ihre Residenz war in Tiengen. Weniger bekannt ist, dass die Sulzer 1510 durch Kauf auch Herren von Vaduz, Schellenberg und Blumenegg wurden, dem heutigen Fürstentum Liechtenstein. Grund genug für den Geschichtsverein Hochrhein, in seiner Frühjahrs-Exkursion Liechtenstein, das mit einer Fläche von nur einem Siebtel des Landkreises Waldshut und mit seinen 35 000 Einwohnern (darunter ein Drittel Ausländer) zu den kleinsten Nationen Europas zählt, einen Besuch abzustatten.
Bei einer Rundfahrt durch Ländchen lernte man das "Unterland" (ehemals Grafschaft Vaduz) und das "Oberland" (Herrschaft Schellenberg) kennen. Liechtenstein ist heute eine Konstituelle Monarchie auf demokratischer Grundlage mit 25 Abgeordneten in einem Landtag. Nur die Hauptstadt Vaduz mit 5000 Einwohnern hat einen Bürgermeister; die übrigen elf Dörfer kennen nur Ortsvorsteher. Vaduz selbst ist übrigens autofrei. Täglich kommen 12 000 Pendler aus der Schweiz, Österreich und Deutschland nach Liechtenstein.
Geschichtsverein Hochrhein Frühjahrsexkursion nach LichtensteinU. a. besichtigte der Geschichtsverein das Liechtensteiner Landesmuseum, in dem Natur, Kultur und Geschichte des Landes in eindrucksvollen Exponaten belegt sind. Hauptaugenmerk galt einer Wappenscheibe von 1604 mit dem Allianzwappen derer von Sulz-Brandis. Auf der linken Seite steht in blauem Gewand eine genaue Nachbildung des Dürerschen Kupferstiches von 1516 "Maria mit der Sternenkrone", das Stadtwappen von Tiengen, das heute auch hälftig das neue Stadtsiegel von Waldshut-Tiengen ziert. Die über diesem Madonnenbild gemalte stark befestigte Stadt gilt als die älteste bisher bekannte Ansicht von Tiengen. Die Wappenscheibe fertigte der bekannte Rapperswiler Glaskünstler Wolfgang Breny.

Foto: Paul Eisenbeis