im Albbote vom 24.2.2017

Neugierde für Geologie und Fossilien

Franz Falkenstein feiert heute seinen 80. Geburtstag. Mit zahlreichen Funden macht sich der Heimatforscher einen Namen

Dogern (lid) Seinen 80. Geburtstag feiert heute der Dogerner Franz Falkenstein.  Aufgrund seiner Forschungstätigkeit in den Bereichen Ur- und Frühgeschichte ist  der Jubilar eine weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Persönlichkeit.

Franz Falkenstein ist gebürtiger Dogerner, wo er zusammen mit einer Schwester  aufwuchs. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte er eine Maurerlehre, und  dieser Tätigkeit ging er auch nach der Gesellenprüfung nach. Anfang der 70er  Jahre erfolgte in Freiburg die Umschulung zum staatlich geprüften Bautechniker.  Eine Ergänzung erfuhr diese Ausbildung durch ein Studium im Fach  Betriebswirtschaft in Stuttgart. Bis zum Eintritt in den Ruhestand im Jahre 2000  arbeitete er bei der Außenstelle Waldshut des Staatlichen Hoch- und  Universitätsbauamt Konstanz, das für alle Landesbauten im Kreis zuständig war.  Im Jahre 1959 schloss Franz Falkenstein den Bund der Ehe mit Ehefrau Rita aus  Schmitzingen. Dem Paar wurden drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter,  geschenkt.

Schon früh entwickelte Franz Falkenstein ein lebhaftes Interesse für alle Dinge,  die mit Mineralogie, Fossilien, Geologie, Bergbau, Ur- und Frühgeschichte zu tun  hat. "Ich war neugierig auf alles, was sich unter der Erde befindet", bekennt er  heute. Als Autodidakt bildete er sich weiter und wurde bald zu einem anerkannten  Fachmann. Rund 125 Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und als Broschüren  und zahlreiche Ausstellungen in Rathäusern im Kreisgebiet zeugen von seiner  Fachkompetenz, und ein Ende ist nicht absehbar. Den bedeutendsten Fund machte er  1998, als er in einer Baugrube bei Waldhaus Skeletteile des ältesten
Landsauriers der Welt entdeckte. Von diesem waren bis zu diesem Zeitpunkt  lediglich Fußspuren bekannt.

Für seine Arbeit erhielt Franz Falkenstein zahlreiche Preise und Ehrungen. Die  wohl bedeutendste war die Überreichung des Bundesverdienstkreuzes am Bande im  Jahre 2004 durch den damaligen Landrat Bernhard Wütz.

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Seinen 80. Geburtstag feiert heute der bekannte Heimatforschen Franz Falkenstein  aus Dogern. Zahlreiche Funde hat er in den Vitrinen seiner Wohnung  zusammengestellt. Bild: Alfred Lins


im Albbote vom 23.2.2017

Tiengens unbekannter Künstler

Geschichtsverein Hochrhein stellt in einem Vortrag Leben und Werk des vergessenen Barockmalers Joseph Hartmann vor

Hochrhein (luk) Beim Thema Barockmaler denken viele Menschen an bekannte Maler  aus dem Bayerischen, etwa um Augsburg herum, doch auch in unserer Region gibt es  in der Geschichte Barockmaler. Einer davon ist Joseph Hartmann. Beim Monatstreff  des Geschichtsvereins Hochrhein informierte Vorsitzender Günter Hoffmann über  diesen, in unserer Gegend praktisch unbekannten Barockmaler. Dass dieser  Barockmaler sogar in Tiengen geboren wurde, fand Hoffmann heraus.

Joseph Hartmann wurde am 17. März 1721 als Sohn des Tiengener Stadtbaumeisters  Johannes Hartmann und dessen zweiter Ehefrau Maria Agnes Zwetschmann geboren. Es  ist anzunehmen, dass der junge Joseph in einer gutbürgerlichen Familie aufwuchs  und als Vierzehnjähriger, wie es damals üblich war, eine vierjährige Lehrzeit  als Maler und Freskant begann. Interessant ist, dass gerade zu dieser Zeit in  unserer Region zwei Konstanzer Maler, Franz Josef Spiegler (1691 bis 1756) und  Jacob Stauder (1694 bis 1750), einige Werke schufen. Es ist also gut möglich, dass der Vater Johannes als Stadtbaumeister die beiden Maler kennen gelernt hat  und einem von ihnen seinen Sohn in die Lehre gegeben hat.

Aus Joseph Hartmann wurde jedenfalls ein Barockmaler. Urkundliche Spuren gibt es  erst wieder im Jahr 1741, als er im Alter von 20 Jahren die Wittwe des Malers  Johann Michael Moy heiratete und damit das Meisterrecht und eine Werkstatt in  Augsburg erhielt. Die Festschrift „200 Jahre Barockkirche Tiengen" aus dem Jahr  1966 hat festgehalten, dass die Bilder des Altars vom Konstanzer Maler Hartmann  gemalt worden waren. Sicher war zu dem Zeitpunkt nicht bekannt, dass eben dieser  Hartmann aus Tiengen stammte.

Bekannt ist Hartmann auch als Schöpfer von Werlen in Kirchen des Pfarrverbunds  Burgheim in Dezenacker, Straß und Längloh. In der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt  in Tiengen befinden sich neben dem Hochaltar sechs Seitenaltäre, von denen vier  von Joseph Hartmann mit sakralen Altarblättern ausgestattet wurden und die aus  der mittleren Schaffensperiode des Malers aus dem Jahr 1758 stammen. Dies ist  zum einen der Sebastians-Altar, der den Heiligen in einem Stadium seines  Martyriums zeigt.

Der zweite Altar ist der Josefs-Altar, der in der Bildmitte im Vordergrund vom  hochaufragenden bärtigen Heiligen Joseph mit dem Jesuskind zeigt. Die beiden  anderen Altäre sind der Anna-Altar aus dem Jahr 1775 und der Altar der heiligen  Agatha, die, von Engeln und Putten umrahmt, auf einer Wolke schwebt. Vorsitzender Günter Hoffmann schloss seinen Vortrag mit den Worten: „Ich hoffe,  ich konnte Ihnen das Leben und Werk des Tiengener Bürgersohnes etwas  näherbringen und denke, dass Sie bei Ihrem nächsten Besuch der Kirche die Altargemälde mit anderen Augen betrachten werden.“

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Die Tiengener Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist ein Werk des Baumeisters Peter  Thumb. Sie birgt zudem viele barocke Kunstwerke. Bilder: Lucia van Kreuningen

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Der rechte Seitenaltar in der Kirche Mariä Himmelfahrt in Tiengen, von Joseph  Hartmann gemalt, ist dem heiligen Sebastian gewidmet und zeigt das Martyrium.


im Südkurier am 16.2.2017

Grundstückspläne wechseln Besitzer

Geschichtsverein erhält wertvolles Geschenk

Katastervermessung von 1887 als Ursprung

Kronenwirt lässt sich seinen Besitz kartieren

Hochsal – In manchen Schubladen und Schränken sind ungeahnt kostbare Schätze verborgen, die mitunter erst nach dem Tod des Inhabers zum Vorschein kommen. So geschah es jüngst in Hochsal, als ein Testamentsvollstrecker historische Pläne zu Gesicht bekam, die aufgrund eines Vermächtnisses dem Geschichtsverein Hochrhein zugedacht waren.

Es handelt sich dabei um einen in Leder gebundenen Atlas der Gemarkung Hochsal aus dem Jahre 1887, der 15 Einzelpläne beinhaltet. Auf jedem von diesen Plänen sind zahlreiche Grundstücke abgebildet, deren Grenzpunkte mit Hilfe eines Koordinatengitternetzes und der Abtragung auf Messungslinien gestochen scharf kartiert wurden. Die Grenzpunktsignaturen und Grenzverläufe sind dabei fein säuberlich in Tusche ausgearbeitet. Außerdem wurden die Maße von Stein zu Stein, die Flächengrößen und die Namen der Grundstückseigentümer darin eingeschrieben.

Weiterhin sind auf dem maßhaltigen Zeichenkarton des Atlanten die dazugehörenden Gebäude farbig dargestellt und die Nutzungsarten wie beispielsweise Hofraum, Garten, Acker, Grünland und Wald sowie die betreffenden Gewannnamen in Schönschrift eingetragen. Die hochwertigen 130 Jahre alten Einzelpläne, deren Maßstab im Ortsetter 1:750 und in der Feld- und Waldlage 1:1500 beträgt, fertigte der Geometer K. Meyer. Den Auftrag erhielt er vom damaligen Kronenwirt Joseph Jehle (1817 bis 1895), der seine 60 Grundstücke mit einer Fläche von mehr als 30 Hektar wohl als kunstvolles Dokument und bleibende Erinnerung an sein Lebenswerk in seinen eigenen Händen halten wollte.

Die für das ganze Gebiet des Großherzogtums Baden bereits im Jahr 1852 gesetzlich angeordnete Katastervermessung war auf der Gemarkung Hochsal im Jahr 1887 gerade vollständig abgeschlossen. Die Grenzsteine waren alle gesetzt, ihre Abstände bis zum letzten Zentimeter gemessen und die auf den Quadratmeter berechneten Flächen der einzelnen Grundstücke lagen erstmals vor.

Dies war für den damals 70-jährigen Kronenwirt und Sägewerksbesitzer Joseph Jehle sicherlich der Anlass, in amtlicher, vermessungstechnisch und zeichnerisch brillanter Form einen besseren Überblick über sein Grundeigentum und die daran angrenzenden Parzellen zu erhalten. Ein Grund für die Beauftragung war wahrscheinlich auch, dass er in absehbarer Zeit sein gesamtes Hab und Gut seinem gerade 23 Jahre alt gewordenen Sohn, der mit Vornamen ebenfalls Joseph hieß (1864 bis 1907), überlassen wollte.

In früheren Jahren, als es noch keine amtlichen Flurkartenauszüge wie heutzutage gab, ließen sich manche Gutsbesitzer von Grundbuchhilfsbeamten ihre Grundstücke aus dem Gemarkungsatlas auf Transparentpapier hochzeichnen und die Grenzmaße darin einschreiben. Dies zum einen, um eine Übersicht über die eigenen Besitzstände zu haben, zum andern aber auch, um jederzeit die Grundstücksgrenzsteine auf ihre rechtmäßige Lage hin überprüfen zu können. Denn angrenzende Grundstücksbesitzer, die in einzelnen Fällen sogar den üblen Ruf eines „habgierigen Marksteinverrückers“ hatten, gab es schon immer. Der Grundbucheigentümer wollte demzufolge im Zweifelsfall die Richtigkeit seiner Grenzsteine selbst kontrollieren können.

Plan von seltener Qualität

Dass jedoch ein so bildschön und akkurat gezeichnetes Karten-Werk für eine Privatperson erstellt wurde, wie es mit dem betreffenden Atlas aus dem Jahr 1887 für Joseph Jehle, Gemeinderat und Wirt des Hochsaler Gasthauses „Zur Krone“ der Fall war, kam äußerst selten vor. Besitzerstolz und Wohlstand spielten dabei vermutlich eine Rolle. Vielleicht wohnte der damalige Geometer K. Meyer, der von 1882 bis 1884 die Hochsaler Gemarkung vermaß, während jener Zeit auch selbst in der „Krone“ und wollte mit seiner Arbeit Kost und Logis abverdienen.

Jedenfalls war kein anderer Geometer so prädestiniert dafür wie Meyer, der in gleicher bestechender Schönheit Jehles Pläne zeichnete, wie er einige Wochen zuvor die amtlichen Pläne der Katastervermessung herstellte, die im offiziellen Gemarkungsatlas von Hochsal aus dem Jahre 1887 zusammengefasst wurden. Dieser Atlas, in dem alle 1428 Grundstücke der 439 Hektar großen Gemarkung Hochsal enthalten sind, lagerte zuerst im Rathaus der ehemaligen selbstständigen Gemeinde Hochsal, seit einigen Jahrzehnten befindet er sich aber beim Vermessungsamt in Waldshut-Tiengen.

Dem Geschichtsverein Hochrhein ist es eine besondere Freude, den historisch wertvollen Jehle-Atlas zu verwahren. Dessen Vorsitzender Günter Hoffmann (Lauchringen) und weitere sachkundige Vereinsmitglieder wurden mit diesem Vermächtnis völlig überrascht. Es ist ihnen überdies ein Rätsel, wie sie zu dieser Anerkennung kamen. Man will das kostbare Werk indes nicht nur in Ehren halten, sondern es bei einer der kommenden Mitgliederversammlung zum Anlass nehmen, sich dem Thema Katastervermessung im Landkreis Waldshut am Beispiel der Gemarkung Hochsal zu widmen. In diesem Zusammenhang soll zudem ein wenig die Geschichte des ehemaligen Gasthauses „Zur Krone“ aufgearbeitet werden, dessen Anfänge auf den Bierbrauermeister Johann Jehle (1782 bis 1858), den Vater von Joseph Jehle, aus Hänner stammend, zurückgehen.

Bekannt ist, dass Johann Jehle 1806 in das Haus der Hochsaler Maria Gäng einheiratete und sogleich den Landwirtschaftsbetrieb übernahm, nachdem deren Vater Joseph Gäng wenige Monate zuvor verstorben war. 1807 beantragte Johann Jehle die Eröffnung einer Gastwirtschaft, erhielt aber keine Bewilligung. Jehle blieb jedoch hartnäckig und erhielt nach vielen Eingaben 1835 nicht nur die Genehmigung zu einer Schank- und Speisewirtschaft, sondern auch zu einer Bierbrauerei, die zwar nur einige Jahrzehnte existierte, das Gasthaus „Zur Krone“ hingegen rund 150 Jahre.

KOMMENTAR

Ehre und zugleich Verpflichtung

von Richard Kaiser

Wenn ein Vermächtnis hinterlassen wird, sind Vermächtnisgeber und -nehmer im Allgemeinen gut miteinander bekannt. Nicht so beim Geschichtsverein Hochrhein, dem aus einem Nachlass die wertvollen Grundstückspläne des vor mehr als 100 Jahren verstorbenen Hochsaler Land- und Gastwirtes Joseph Jehle zukamen. Das Ansehen des Geschichtsvereins muss bei den letzten Nachkommen von Joseph Jehle hoch gewesen sein. Ist die Geste der Schenkung an die Hobby- Historiker nicht schon bemerkenswert genug, so wurde sie mit dem Nachsatz gesteigert, dass die Pläne zu vernichten sind, sollte sie der Geschichtsverein nicht annehmen. Eindeutiger geht es nicht. Es ist zu erwarten, dass sich der Geschichtsverein Hochrhein dieser Wertschätzung bewusst ist und mit der Gabe vertrauensvoll umgeht.

Bildtext:

 Bild 1
Der ehemalige Gasthof „Krone“ in Hochsal war einst ein stattliches Anwesen. Der Wirt Joseph Jehle beauftragte in den 1880er Jahren einen Geometer, seine Güter zu vermessen und zu kartografieren. Bild: Reinhard Herbrig

Bild 2
Ein einzigartiges Kunstwerk sind die in einem Atlas zusammengefassten 15 Einzelpläne, die der Geometer K. Meyer 1887 anfertigte. Darin sind die Güter von Joseph Jehle enthalten. Ein Ausschnitt aus Plan 1 zeigt seine Hofstelle, sein Wohnhaus und die Gaststätte (rot) sowie die Brauerei- und Landwirtschaftsgebäude (braun). Repro: Richard Kaiser


in der Badischen Zeitung am 10.2.2017 

Historisches Schmuckstück

Geschichtsverein erbt Atlas von 1887 mit 15 Einzelplänen von Hochsal / 150 Jahre "Krone".

LAUFENBURG-HOCHSAL. In manchen Schubladen und Schränken sind kostbare Schätze verborgen, die mitunter erst nach dem Tod des Inhabers zum Vorschein kommen. So jüngst in Hochsal, als ein Testamentsvollstrecker historische Pläne zu Gesicht bekam, die per Vermächtnis dem Geschichtsverein Hochrhein zugedacht waren. Es handelt sich um einen in Leder gebundenen Atlas der Gemarkung Hochsal von 1887 mit 15 Einzelplänen.

Auf jedem von ihnen sind zahlreiche Grundstücke abgebildet, deren Grenzpunkte mit Hilfe eines Koordinatengitternetzes und Abtragung auf Messungslinien gestochen scharf kartiert, die Grenzpunktsignaturen und Grenzverläufe fein säuberlich in Tusche ausgearbeitet sowie die Maße von Stein zu Stein, die Flächengrößen und die Namen der Eigentümer darin eingeschrieben wurden. Weiterhin sind auf dem maßhaltigen Zeichenkarton die dazugehörenden Gebäude farbig dargestellt und die Nutzungsarten wie Hofraum, Garten, Acker, Grünland und Wald sowie die betreffenden Gewannnamen in Schönschrift eingetragen.

Die hochwertigen 130 Jahre alten Einzelpläne, deren Maßstab im Ortsetter 1:750 und in der Feld- und Waldlage 1:1500 beträgt, fertigte der Geometer K. Meyer. Den Auftrag gab ihm der damalige Kronenwirt Joseph Jehle (1817 bis 1895), der seine 60 Grundstücke von mehr als 30 Hektar wohl als kunstvolles Dokument und bleibende Erinnerung an sein Lebenswerk in Händen halten wollte.
Die für das ganze Gebiet des Großherzogtums Baden bereits 1852 gesetzlich angeordnete Katastervermessung war in der Gemarkung Hochsal 1887 gerade beendet. Die Grenzsteine waren alle gesetzt, ihre Abstände bis zum letzten Zentimeter gemessen und die auf den Quadratmeter berechneten Flächen der einzelnen Grundstücke lagen erstmals vor. Dies war für den damals 70-jährigen Kronenwirt und Sägewerksbesitzer sicherlich der Anlass, in amtlicher, vermessungstechnisch und zeichnerisch brillanter Form einen besseren Überblick über sein Grundeigentum und die daran angrenzenden Parzellen zu erhalten; wohl auch, weil er Hab und Gut bald seinem gerade 23 Jahre alt gewordenen Sohn Joseph (1864 bis 1907) überlassen wollte.

Als es noch keine amtlichen Flurkartenauszüge gab, ließen sich manche Gutsbesitzer von Grundbuchhilfsbeamten ihre Grundstücke aus dem Gemarkungsatlas auf Transparentpapier hochzeichnen und die Grenzmaße darin einschreiben. Dass jedoch ein so bildschön und akkurat gezeichnetes Werk für eine Privatperson erstellt wurde, wie es 1887 für Joseph Jehle, Gemeinderat und Wirt des "Gasthauses zur Krone" der Fall war, kam äußerst selten vor. Besitzerstolz und Wohlstand spielten vermutlich eine Rolle. Vielleicht wohnte der damalige Geometer Meyer, der von 1882 bis 1884 die Hochsaler Gemarkung vermaß, in jener Zeit auch in der "Krone" und wollte Kost und Logis abverdienen.

Jedenfalls war kein anderer Geometer so prädestiniert wie Meyer, der in gleicher bestechender Schönheit Jehles Pläne zeichnete, wie er Wochen zuvor die amtlichen Pläne der Katastervermessung hergestellt hatte, die im offiziellen Gemarkungsatlas von Hochsal von 1887 zusammengefasst wurden. Dieser Atlas, der alle 1428 Grundstücke der 439-Hektar- Gemarkung Hochsals aufführt, lagerte zuerst im Rathaus der ehemaligen selbständigen Gemeinde Hochsal, seit einigen Jahrzehnten befindet er sich aber beim Vermessungsamt in Waldshut-Tiengen.

Dem Geschichtsverein Hochrhein ist es eine Überraschung und besondere Freude, den historisch wertvollen Jehle-Atlas zu verwahren. Dem Vorsitzender Günter Hoffmann aus Lauchringen und weiteren kompetenten Mitgliedern ist es ein Rätsel, wie sie zu dieser Anerkennung kamen. Man will das kostbare Werk indessen nicht nur in Ehren halten, sondern es in einer zum Anlass nehmen, sich dem Thema Katastervermessung im Landkreis Waldshut am Beispiel der Gemarkung Hochsal zu widmen, und in diesem Zusammenhang ein wenig die Geschichte des ehemaligen "Gasthauses zur Krone" aufarbeiten, dessen Anfänge auf den Bierbrauermeister Johann Jehle (1782 bis 1858), den Vater von Joseph Jehle, aus Hänner stammend, zurückgehen.

Johann Jehle heiratete 1806 in das Haus der Hochsaler Maria Gäng ein und übernahm sogleich den Landwirtschaftsbetrieb, nachdem deren Vater Joseph Gäng wenige Monate zuvor verstarb. 1807 beantragte Jehle zunächst ohne Erfolg die Eröffnung einer Gastwirtschaft, er blieb jedoch hartnäckig und erhielt nach vielen Eingaben 1835 nicht nur die Genehmigung für eine Schank- und Speisewirtschaft, sondern auch für eine Bierbrauerei. Die existierte zwar nur einige Jahrzehnte, das einstige "Gasthaus zur Krone" hingegen rund 150 Jahre.

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Ein einzigartiges Kunstwerk sind die 15 Einzelpläne von Hochsal im Atlas von 1887. Sie belegen auch die 150-jährige Geschichte der „Krone“ (links unten rot eingezeichnet und rechts anno 2007). Foto: Werner Probst


im Albbote vom 6. 12. 2016

Ein Blick auf die Geschichte des Landkreises Waldshut

Das Leben zwischen Rhein und Südschwarzwald: Es ist die Geschichte, die den Landkreis prägt und die seinen Werdegang erzählt. Der Geschichtsverein Hochrhein lässt Interessierte an der wechselhaften Vergangenheit der Region teilhaben.

von Guy Simon

„Es ist schön, sich mit Geschichte zu beschäftigen“, sagt Günter Hoffmann. Er ist Vorsitzender des Geschichtsvereins Hochrhein. Der Verein besteht aus etwa 110 Mitgliedern, richtet regelmäßig Vortragsabende aus, unternimmt Ausflüge, publiziert Beiträge in einem Jahrbuch und arbeitet stetig daran, die Lokalgeschichte der Region „grob zwischen Basel und Schaffhausen“, so Hoffmann, zu entschlüsseln.

„Von uns hat niemand Geschichte studiert, wir sind Hobby-Historiker“, beschreibt Hoffmann und ergänzt: „Dennoch nimmt die Wissenschaft uns wahr.“ Von Universitäten erhalte der Verein hin und wieder Anfragen. „Wenn jemand eine Forschungsarbeit zu einem ganz speziellen, lokalen Thema schreibt, dann bekomme ich schon mal Post von den Unis. Wir schauen dann, ob wir selbst weiterhelfen können oder zumindest jemanden kennen, der es kann.“

Die Jahrbücher beinhalten von den Vereinsmitgliedern verfasste Artikel zu unterschiedlichen Themen: „Jeder hat da sein Fachgebiet. Einer kennt sich in Archäologie sehr gut aus, ich beschäftige mich mit Malerei, speziell mit vergessenen Künstlern“, erklärt der Vorsitzende. So entdeckte er den Tiengener Barockmaler Josef Hartmann wieder, den in der Region niemand kannte: „Sein Vater war der Stadtbaumeister Tiengens. Hartmann hatte im 18. Jahrhundert beruflich in Augsburg zu tun und bekleidete eine hohe Position. Dort ist er auch bekannt.“ Den Druck des Jahrbuchs mit einer Auflage von 300 Exemplaren finanziert der Verein durch seine Mitgliedsbeiträge selbst. Etwa zehn Bücher gehen auch an verschiedene Institutionen des Landes, wie beispielsweise die Württembergische Landesbibliothek.

Die Arbeit an der lokalen Geschichte sei enorm aufwendig. Viele historische Quellen seien bereits vernichtet, ein Zugang daher nur sehr schwer möglich: „Oftmals gibt es lediglich kleine Hinweise, eine Fußnote etwa. Texte, die eigentlich keiner liest, die schauen wir uns an und entwickeln Stück für Stück ein Bild der lokalen Geschichte“, sagt Hoffmann.


im Albbote vom 27.10. 2016

Auf den Spuren der Fasnacht

Hauptversammlung des Geschichtsvereins Hochrhein mit Besuch im Schloss Bonndorf. Kosten für Jahrbuch schwer zu stemmen

Hochrhein (rvk) Auch wenn der Fasnachtsbeginn noch nicht stattgefunden hat, so beschäftigte sich der Geschichtsverein Hochrhein mit den heimischen Brauchtümern, wie sich bei der Hauptversammlung im Gasthaus Adler in Bettmaringen gezeigt hatte. Wie es schon Tradition ist, wird die Hauptversammlung mit einem Besuch oder einer Exkursion verbunden.

In diesem Jahr ging es zu den Narrenstuben im Schloss Bonndorf, wo die interessierten Mitglieder des Geschichtsvereins in den Genuss einer hervorragenden Führung und zahlreicher Erklärungen zum fasnächtlichen Brauchtum in der Region und dessen Geschichte kamen.

Veronika Rendler hatte es an diesem Tag übernommen, die Geschichtsfreunde in die Welt der Narren einzuführen und ihre jahrhundertealte Tradition zu erklären. Natürlich lag der Schwerpunkt immer auf den heimischen Gefilden. So konnten sich auch einige als Bonndorfer Pflumeschlucker fühlen und das G‘schell anlegen und erklingen lassen. Anschließend traf man sich zum gemeinsamen Mittagessen mit anschließender Hauptversammlung. Dort konnte Vorsitzender Günter Hoffmann auch die Nachzügler begrüßen.

Schriftführerin Lucia van Kreuningen erinnerte in ihrem Bericht an die vergangene Saison mit ihren zehn Monatstreffen und der Jahresexkursion, die zu den Barockschanzen bei Gesbach geführt hatte. Diese Exkursion war derart erfolgreich, dass bereits darüber nachgedacht wird, eine Fortsetzung im kommenden Jahr auf der französischen Seite anzugehen. Die Schlussworte der Schriftführerin riefen Nachdenken bei den Anwesenden hervor. Denn sie erklärte, im kommenden Jahr für ihre Ämter nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

In diesem Jahr musste die Kasse, wie bereits im vergangenen Jahr, wieder mit einem satten Minus abgeschlossen werden. Zwar stehen noch einige Einnahmen aus, trotzdem hat sich wieder herausgestellt, dass auch in diesem Jahr die Zahl wieder rot bleiben wird. Eine der Hauptursachen, so Günter Hoffmann, sind dabei die Kosten für das Jahrbuch. So kostet der Druck bei der Firma Huber in Rickenbach im Durchschnitt 4200 Euro bei einer Auflage von 300 Exemplaren.

Dass dieser Betrag nur schwer zu stemmen sei, wurde an diesem Tag allen klar. Günter Hoffmann kündigte an, dass für die Ausgabe 2017 über einen Anbieterwechsel nachgedacht werden müsse. Ein weiteres Bauchgrimmen beschert dem Vorsitzenden derzeit die Vereinslokalsituation im Schützenhaus in Waldshut. Dort ist seit 2015 der Geschichtsverein mit seinen monatlichen Treffen zu Gast. Leider kollidiert dieser Termin am Mittwoch um 19 Uhr immer wieder mit dem Schießbetrieb. Die einzige verbleibende Lösung scheint eine zeitliche Verschiebung des Termines nach hinten zu sein. Die Anwesenden signalisierten Zustimmung. Auch der traditionelle Termin zur Hauptversammlung an einem Sonntag wurde vom Vorsitzenden angesprochen und zur Disposition gestellt. So wird die nächste Hauptversammlung mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht mehr an einem Sonntag stattfinden.

Bildtext: Wissenswertes über die Geschichte der Fasnacht erfuhren die Mitglieder des Geschichtsvereins Hochrhein bei ihrem Besuch der Schloss-Narrenstuben in Bonndorf anlässlich ihrer jüngsten Hauptversammlung in Bettmaringen. Bild: Rheno van Kreuningen


im Albbote vom 27.5. 2016

Ausflug in die Vergangenheit

Exkursion des Geschichtsvereins Hochrhein

Barockschanze in Gersbach im Fokus

Hochrhein – Auf die kriegerischen Spuren der spanischen Erbfolgekriege begaben sich die Mitglieder des Geschichtsvereins Hochrhein bei ihrer Frühjahrsexkursion. Vorsitzender Günter Hoffmann war es gelungen, den kompetenten Kenner sowie Motor der Restaurierung der Barockschanze in Gersbach, Werner Störk, für eine Führung vor Ort zu gewinnen und so machten sich die Mitglieder auf den Weg nach Gersbach. Dort erfuhren sie, dass sich die Schanzen oder Erdwälle über eine Länge von über 200 Kilometer über den gesamten Schwarzwald hinweg zogen.

Doch was kann oder soll man sich unter einer solchen Schanze vorstellen. Die Geschichte dieser Schanzen ist sehr vom kriegerischen und Machterhaltungsgedanken der damaligen Zeit geprägt und führt zurück in die Zeit zwischen 1688 und 1714. Diese Zeit in der der habsburgische Kaiser in Wien hier in unserer Heimatgegend, dem damals Vorderösterreichischen Gebiet, ein Bollwerk zum Schutz seines Hoheitsgebietes gegen den französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. errichtet hatte.

Den Oberbefehl übertrug er dem Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, der im Volksmund wegen seiner militärischen Erfolge gegen die Osmanen auch „Türkenlouis" genannt wurde. Eben grade dieser Markgraf war es, der für die Linie von Verteidigungsanlagen mit Erdwällen und Stein- Geäst- und Wegeverhauen sorgte. Die Linie zog sich vom Hochrhein bei Bad Säckingen bis nach Heidelberg am Neckar. Auch von dort führen weitere Linien bis nach Mainz. Wichtig hierbei war, den „Feind“ möglichst lange aufzuhalten, wenn nicht gar zu stoppen und zum Rückzug zu zwingen. Aus den Ausführungen von Werner Störk war die ganze Bandbreite dieser umfangreichen Arbeiten zu erfahren. Angefangen von den Fronarbeiten, die von der Bevölkerung verlangt wurden, auch dann, wenn zu Hause das Feld oder die Waldarbeit für die Familie liegen gelassen werden musste.

Darauf wurde keine Rücksicht genommen und manch ein Bauer oder Familienvater versuchte wieder nach Hause zu den Seinen zu kommen, was sehr oft mit drakonischen Strafen geahndet worden war. Werner Störk konnte dies aufgrund seiner Recherchen für diese Zeit anschaulich erklären, sodass einigen Teilnehmern buchstäblich der Schauer über den Rücken lief. Sehr imposant zeigte sich dann die im Jahr 2008 für Geschichtsfreunde achteckige Schanze. Diese wurde ganz in der Nähe der tatsächlichen Schanze von Werner Störk zusammen mit seiner Schularbeitsgemeinschaft errichtet und zeigt heute als Anschauung wie das Leben damals war. Die Teilnehmer konnten hier erfahren und fast fühlen, wie sich die Soldaten oder Bewacher der Anlage in ihrem Dienst gefühlt hatten und wie sie sich gegenseitig verständigen konnten. Eine weitere sehr imposante Schanze ist die sternförmige Schanze am Böllener Eck.

Auch diese Schanze wurde von den Teilnehmern besichtigt und auch dort bekamen die Mitfahrer einen Einblick in die damalige Geschichte. Das alles gab natürlich viel Gesprächsstoff auf der Heimfahrt.

Bildtext:
Die Barockschanze in Gersbach gab den Mitgliedern des Geschichtsvereins Hochrhein einen umfangreichen Einblick in die Geschichte des Mittelalters mit seinen vielen Kriegerischen Vorkommnissen. Werner Störk (Bild Mitte mit Buch) konnte mit tiefgreifenden Geschichtlichen Ereignissen lehaft die Geschichte vermitteln Bild Lucia van Kreuningen

zu den Bildern


im Albbote vom 12.4. 2016

Ein fast allgegenwärtiges Symbol

Der Geschichtsverein Hochrhein hört einen Vortrag zum Thema Kreuze. Referentin Gisela  Maier zeigt dazu Dias mit Darstellungen des Symbols aus aller Welt.

Waldshut (avk) Das Kreuz, Ursymbol seit Jahrtausenden, stand im Fokus des Dia-Vortrags beim Monatstreff des Geschichtsvereins Hochrhein. Dieses Thema mag auf den ersten Blick etwas banal anmuten, doch wer diesem ausführlichen Dia-Vortrag beiwohnte, wurde eines Besseren belehrt. Gisela Maier aus Weilheim hatte es mit ihrem Vortrag geschafft, genau eineinhalb Stunden die gesamte Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer des  Geschichtsvereins zu fesseln. Die 125 vorgestellten Dias hatten die gewaltige Vielfalt dieses Symbols aufgezeigt.

Schon bei Höhlenmalereien aus einer längst vergangenen Zeit sind Kreuze zu sehen, wobei diesen damals eine andere Bedeutung zugekommen war als im christlichen Kulturkreis. Für uns gelten Kreuze in der Hauptsache als Symbol für den religiösen Bereich. Seit der Kreuzigung Jesu ist dieses Symbol für die Christen gleichbedeutend mit Tod, jedoch nach der Osterzeit auch für Auferstehung und neues Leben.

Das Wort Kreuz ist in vielen Wörtern, wie beispielsweise Kreuzschmerzen oder Hohlkreuz oder sogar in Ortsnamen wie Kreuzlingen und vielen mehr, zu finden. Täglich begegnen wir diesem Symbol, wie die Dias von Gisela Maier zeigen, die übrigens noch im Alter von 84 Jahren einen solchen Vortrag hielt. Aber wer beachtet schon ein profanes Fensterkreuz, es ist halt einfach da. Die umfangreichen Recherchen über dieses Thema, die Gisela Maier dazu gezeigt hat, zeugten von intensiver Arbeit, die fast ein ganzes Leben ausfüllten.

Dabei hat sie auch auf ihren Reisen in ferne Welten die Kreuze entdeckt, fotografiert und damit die breite Vielfalt auch in Ländern mit anderen Religionen festgehalten. In Pakistan konnte sie bei einem alten Haus als Schmuck ein Hakenkreuz fotografieren, aber mit einer etwas anderen Ausrichtung. Viele der Dias beschäftigten sich mit Kreuzen aus der Hochrhein-Region. Das Besondere daran waren neben der Fülle von verschiedenen Ausführungen die präzisen Erklärungen für jedes Dia.

Die Zuschauer bedankten sich mit kräftigem Applaus. Vorsitzender Günter Hoffmann bedankte sich mit einem Präsent und erinnerte die Anwesenden, dass beim Monatstreff am Mittwoch, 4. Mai, die Glasfenster des Klosters Königsfelden auf dem Programm stehen. Zudem wird die Frühjahrsexkursion am 18. Mai zum Thema die Wacht am Rhein nach Schopfheim ins Museum und ins Wiesental zur Besichtigung von ehemaligen Verteidigungslinien sowie zum Waldglaszentrum führen.

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Mit herzlichen Dankesworten bedankte sich der Vorsitzende des Geschichtsvereins Hochrhein, Günter Hoffmann, bei Gisela Maier für den umfassenden Dia-Vortrag über das Kreuz. Bild: Abraham van Kreuningen


im Albbote vom 29.3.2016

Geschichte des Steinatals

Historiker Franz Falkenstein überzeugt

Monatsversammlung des Geschichtsvereins

Von Lucia Van Kreuningen

Hochrhein – Die Geschichte des unteren Steinatales war das Thema des Monatstreffs im März beim Geschichtsverein Hochrhein. Zwar ist die Steina, der Fluss, der auch dem gleichnamigen Tal seinen Namen gegeben hat, den meisten als ganz gewöhnliches fließendes Gewässer bekannt, das in trockenen Sommern mit vielen Steinen aus dem Flussbett glänzt, doch birgt gerade dieser untere Teil der Steine viele geschichtliche Inhalte.

Und keiner kennt sich besser aus als Franz Falkenstein, der auch aufgrund seines Berufes viel mit Steinen zu tun gehabt hat. Sein Referat begleiteten Dias, die vielen der Anwesenden unbekannt waren.

Dabei zeigte sich ganz deutlich, wie sich allein in den vergangenen 20 Jahren die Gegend der unteren Steina verändert hat. Wie es hier ursprünglich ausgesehen hat, wissen viele nicht mehr, denn vor allem beim Bau des Teilstücks der A 98 hat sich ein großer Teil des unteren Steinagebietes verändert. Dabei waren die Fotos von der Eisenbahnbrücke, die im Jahr 1862 von Robert Gerwig geplant worden war, ein echter Hingucker. Das Gebiet drum herum sieht heute ganz anders aus. Bäume sind in die Höhe gewachsen, und viel Gebüsch verdeckt dem Wanderer die Sicht auf diese Brücke. Man muss schon genau suchen, will man einen Blick darauf werfen. Franz Falkenstein wusste genau, woher die Steine für diese Brücke hergeholt worden waren. Erinnerungen weckten auch die Dias vom Bau der A 98, ganz besonders vom Heidecker Tunnel und der Einweihung am 14. Januar 1997.

Außerdem sprach er die Tatsache an, dass sogar Ministerpräsident Erwin Teufel mit Gattin bei der Einweihung dabei war. Einen ganz großen Erfolg konnte Franz Falkenstein beim Bau gerade dieses Abschnitts der A 98 verzeichnen, er fand eine Höhle im Kalkstein und darin sogar einen Saurierknochen.Viel Applaus begleitete die vorgestellten Fotos von dieser Höhle und galt auch den Männern vom Hasler Höhlenverein, die diese Höhle vermessen hatten. Franz Falkenstein war bei diesen Vermessungen dabei. Auch die Bilder vom Steinbruch des Porphyrwerkes und die Geschichten fanden die Zuhörer sehr interessant. Vorsitzender Günter Hoffmann bedankte sich bei Franz Falkenstein für diesen besonderen Bericht und kündigte an, dass beim nächsten Monatstreff, am 6. April, ein Referat über das Kreuz, Ursymbol seit Jahrtausenden, von Gisela Maier aus Weilheim gehalten wird.

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Einer der interessantesten Punkte des Referats von Franz Falkenstein beim Monatstreff des Geschichtsvereins Hochrhein war die aus dem Jahr 1862 stammende Eisenbahnbrücke, über die noch immer die Bahn zwischen Basel und Schaffhausen fährt. Bild: Lucia van Kreuningen


im Albbote vom 15,12. 2015

Zeitrechnung einmal anders

Referat über Osterdatum beim Geschichtsverein

Neuer Band ist in Büchereien erhältlich

Kreis Waldshut. Zur Bestimmung des Osterdatums in Geschichte und Gegenwart lautete der Titel des Referats, das von Hermann Sacher aus Waldshut beim Geschichtsverein-Monatstreff vorgesehen war. Das Datum steht doch im Kalender, mögen daher viele gedacht haben, doch wie das in den Kalender kommt, was Ostern eigentlich bedeutet und seit wann es dieses Fest eigentlich gibt, die Antwort darauf gab Hermann Sacher umfassend und verständlich, sodass die anwesenden Mitglieder und erfreulicher Weise auch einige Gäste konzentriert zuhörten.

Hermann Sacher führte die Zuhörer zurück in eine Zeit, in der es noch keine genauen Zeitrechnungen im heutigen Sinn gab. Zwar wurden schon vor den Römern die Jahre gezählt, diese richteten sich jedoch eher nach den Jahreszeiten oder der Thronbesteigung der jeweiligen Regenten. Allenfalls gab es Wasseruhren, Sand- oder Sonnenuhren. Die Erfindung der Räderuhr war besonders in den Klöstern ein Bedürfnis zur Einhaltung der Stundengebete. Für die allgemeine Bevölkerung jedoch waren ganz andere Aspekte von Bedeutung, wie etwa Aussaat des Getreides oder der Frühjahrsbeginn. Viele Astronomen der frühen Zeit befassten sich mit der Zeitrechnung und vor allem mit der Beobachtung der Sterne. Aus periodisch auftretenden Himmelserscheinungen, besonders des Mondes und der Planeten, konnten die Astronomen die Jahreszeiten berechnen. Erinnern wir uns an Johannes Kepler, der ein bekannter Astronom war. Besonders die Klöster unterhielten Sternwarten, um Kalender zu entwerfen. Eine große Rolle spielte die biblische Variante des Kalenders der Juden, der zurückreicht bis zur babylonischen Gefangenschaft. Dieser Kalender ist eigentlich ein Mondkalender, jedoch berücksichtigt er die Jahreszeiten. Die Tag- und Nachtgleiche im Frühjahr, 21. März, stellt dabei das Bindeglied zwischen einem reinen Mondkalender und einem reinen Sonnenkalender her.

Dem religiösen Gebrauch der Juden folgend ist Nisan der erste Monat des Jahres. Er zählt von Neumond bis Neumond 30 Tage und beginnt beim letzten Neumond vor der Frühjahrs Tag- und Nachtgleiche. Der 14. Nisan ist der Tag des höchsten jüdischen Festes, Pessach genannt, dies als Gedenken des Auszugs der Juden aus Ägypten.

Für die ersten Christen war das Osterfest als höchstes Fest daher selbstverständlich und vollzog sich im direkten Anschluss an den Pessach. Dies änderte sich nach dem Apostelkonzil etwa 40 nach Christus, als aus den Judenchristen Heidenchristen wurden. Erst das Konzil von Nicaea zur Zeit Kaiser Constantins des Großen bestimmte, dass Ostern in allen Kirchen an demselben Tag gefeiert werden muss und Ostern nach Frühlingsbeginn zu feiern ist. Alles in allem ist das Osterfest eng mit den kalendarischen Berichten der Bibel verknüpft. Einige Diafolien mit Rechenbeispielen rundeten dann die Ausführungen von Hermann Sacher ab und die Anwesenden dankten mit einem kräftigen Applaus.

Bildtext:
Das Jahrbuch des Geschichtsvereins Hochrhein ist seit Anfang Dezember wieder erhältlich in den Büchereien in Waldshut, Tiengen und Bad Säckingen oder beim Vorsitzenden Günter Hoffmann, Telefon 07741/68 43 32.     Bild: Lucia van Kreuningen


m Albbote vom 30.11. 2015

Auf den Spuren der Geschichte

Hochrhein (avk) Keine Veränderungen im Vorstand gab es bei der Hauptversammlung des Geschichtsvereins Hochrhein, die in diesem Jahr in Laufenburg-Luttingen stattfand. Da die Stadt Laufenburg in diesem Jahr das 700-jährige Bestehen feiert, hatte der Vorstand des Geschichtsvereins beschlossen, die Geschichte der Stadt etwas genauer in Augenschein zu nehmen. Der Tag begann mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der Kirche Heilig Geist in Laufenburg. Nach der Messe gab Stadtarchivar Martin Blümcke eine Führung durch die Altstadt und hinüber in die Schweiz. Vor der Grenzregulierung durch Napoleon waren beide Laufenburg eine Stadt und gehörten zum vorderösterreichischen Gebiet. Ein großer Leckerbissen für die Mitglieder war die Besichtigung des Gerichtshauses in Laufenburg/Schweiz, dessen Räumlichkeiten im Normalfall nur Leuten, die etwas mit dem Gesetz zu tun haben vorbehalten ist.

Bei der anschließenden Hauptversammlung hielt Vorsitzender Günter Hoffmann einen kurzen Rückblick auf das vergangene Vereinsjahr. Insgesamt hatten sich die Mitglieder seit dem Februartreffen im Gasthaus Schützenhaus in Waldshut zehn Mal getroffen. Das neue Domizil wurde von den Mitgliedern gut angenommen und die Teilnehmerzahl hielt sich konstant.

Kassiererin Carmen Behringer konnte ein kleines Plus in ihrem Bericht vermelden. Die größten Ausgaben des Vereins liegen beim Druck des Jahrbuches. Hierzu gab es unter den anwesenden Mitgliedern eine Diskussion. Diese endete damit, dass von Seiten des Vorstandes sondiert werden soll, ob und wie hier Abhilfe geschaffen werden kann. Bei den Neuwahlen, die von Norbert Rüde geleitet wurden, konnten alle bisherigen Vorstandsmitglieder in ihren Ämtern bestätigt werden.


im Albbote vom 6.11. 2015

Trauerfall

Patrick Burger aus Riedern am Wald ist wenige Wochen vor seinem 40. Geburtstag gestorben. Sein Tod hat über das Dorf hinaus Trauer und Bestürzung ausgelöst. Patrick Burger hat nach dem Abitur Geschichte, Englisch und Bildende Kunst studiert und unterrichtete diese Fächer seit April 2006 an der Realschule in Tiengen. Er betreute auch die Öffentlichkeitsarbeit der Schule. Darüber hinaus war Patrick Burger seit mehr als sieben Jahren für das Medienhaus SÜDKURIER als freier Mitarbeiter tätig und berichtete über das Geschehen in Ühlingen-Birkendorf und Grafenhausen. Kompetent und mit viel Leidenschaft begleitete er kirchliche und kulturelle Anlässe in seinem Heimatort. Für das Freichlichtspiel anlässlich der 1200-Jahrfeier Ühlingens im kommenden Jahr hat Burger umfangreiche historische Recherchen gemacht. In seiner Freizeit hat er sich außerdem im Geschichtsverein Hochrhein sowie bei der Hans-Müller-von-Bulgenbach-Gruppe Staufen und beim Kellertheater Grafenhausen engagiert. (raf)

 


im Albbote vom 29.10. 2015

Anekdoten über Rudolf I. von Habsburg

Geschichtsverein Hochrhein hört Vortrag zum Münzrecht der 700-jährigen Stadt Laufenburg. Staunen über geringe Größe

Waldshut (luk) Die Laufenburger Münzgeschichte war Thema beim Oktobertreffen des Geschichtsvereins Hochrhein. Manfred Dietenberger hatte dieses Referat passend zum Jubiläumsjahr der Stadt Laufenburg gewählt. Laufenburg erhielt im Jahr 1315 das Stadtrecht und war bis zur Teilung durch Napoleon im Jahr 1802 eine Stadt, nur getrennt durch den Rhein. Sie feiert in diesem Jahr das 700-jährige Bestehen des Stadtrechts. Die Geschichte der Laufenburger Münzen ist ein Teil der Geschichte. Diese ist eng mit den Habsburgern verknüpft.

Im Jahr 1315 erhielt Laufenburg nicht nur die Stadtrechte, sondern auch das Münzrecht. Das heißt, sie durfte eigene Münzen prägen. Es war die Zeit von Rudolf I. von Habsburg-Laufenburg. Wie Dietenberger erklärte, geht die Geschichte der Münzen schon in das zweite Jahrhundert vor Christus zurück. Dafür gab es eigene Münzprägereien. Es galt als ein großes Privileg, wenn eine Stadt diese Erlaubnis hatte. Rudolf I. von Habsburg-Laufenburg erhielt bei der Teilung des Hauses Habsburg die Laufenburger Besitzungen mit dem Sitz auf der Burg Laufenburg, von der jedoch heute nur noch wenig vorhanden ist.

Im Jahr 1388 erhielt er die Erlaubnis, neue Münzen zu schlagen, das ist durch eine Urkunde belegt. Dies war jedoch mit einigen Bestimmungen verbunden, etwa über die Menge Silber, die diese Münzen enthalten mussten. Dies hatte Rudolf I. nicht immer so korrekt eingehalten und seine mit zwei Löwenköpfen verzierten Münzen erreichten nicht immer den nötigen Wert, sodass ihm das Münzrecht wieder abgesprochen wurde.

Erst seinem Nachfolger Kaiser Maximilian ist es gelungen, das Münzrecht wieder zu erhalten. Dies galt dann bis zum Jahr 1823, als die Laufenburger Münzen aus dem Verkehr gezogen wurden. Einige Exemplare gab Manfred Dietenberger den Anwesenden als Anschauungsobjekte in die Hand. Die Mitglieder waren erstaunt, wie klein diese Münzen waren.

Zum Monatstreff stellte der Vorsitzende Günter Hoffmann auch das langjährige Mitglied Herbert Fuchs aus Hohentengen vor. Fuchs hatte ein neues Buch über seine Lebensgeschichte mitgebracht. Auch den Termin für die Hauptversammlung des Geschichtsvereins gab Günter Hoffmann bekannt. Sie wird am 8. November um 14 Uhr im Gasthaus Kranz in Laufenburg stattfinden. Zuvor wird es um 9 Uhr einen Kirchenbesuch geben und anschließend eine Führung mit dem Stadtarchivar aus Laufenburg. Diese wird auch in den schweizerischen Teil der Stadt führen.


im Albbote vom 30.4. 2015

Blick hinter Klostermauern

Interessiert: Bei ihrer Frühjahrsexkursion tauchten die Mitglieder des Geschichtsvereins Hochrhein in die Geschichte von zwei Klöstern in der Schweiz ein. Zum einen besuchten sie das Kloster Mariastein im Baselgebiet und am Nachmittag wurde ein Abstecher zum Stift Ohlsberg gemacht. Eindrucksvoll wurde die Kirche im Wallfahrtsort Mariastein von den Mitgliedern des Geschichtsvereins bei der Frühjahrsexkursion betrachtet.

 Bild: Lucia van Kreuningen

 

 

 

 

 

 

 

 


im Albbote vom 9.12.2014

168 Seiten voller Heimat

Der Geschichtsverein Hochrhein ruft in seinem Jahrbuch fast vergessene Traditionen und historische Ereignisse in Erinnerung. Zwölf Autoren wirken im Band zum 40-jährigen Bestehen mit.

Waldshut (eis) Der Geschichtsverein Hochrhein wurde vor 40 Jahren gegründet. Alljährlich gibt der Verein ein Jahrbuch mit Beiträgen zur Geschichte der Region heraus. Beim jüngsten Treff wurde der 168 Seiten starke Band zum 40-jährigen Bestehen den Mitgliedern vorgestellt. Der Band beinhaltet 19 reichbebilderte Aufsätze von zwölf Autoren. Der Vorsitzende des Geschichtsvereins Hochrhein, Günter Hoffmann, erinnerte an das Werden des von Fritz Schächtelin 1974 in Grießen gegründeten Vereins. Lucia van Kreuningen rief nochmals die Frühjahrs-Exkursion des Vereins in Erinnerung. Franz Falkenstein entreißt in seinem Aufsatz die ehemals von 1918 bis 1934 bestehende Drahtseilbahn der Lonza der Vergessenheit. Sie führte vom Weilergraben bei Bergöschingen über 17 Kilometern die erforderlichen Kalksteine bis Waldshut. Weiter berichtet er vom heimischen Granit und seiner Herstellung zu Mühlsteinen sowie das frühere Mosten mit ausgedienten Mühlsteinen. Günter Hoffmann erklärt das Wallfahrtskreuz in der Heilig-Kreuz-Kapelle in Tiengen und die von Simon Göser gemalten Altarbilder in der Martinskirche von Luttingen.

Wissenswertes erfährt der Leser von Paul Mark über die Patrone der Kirche von Unteribach (Neuenzell). Die von Manfred Emmerich vorgestellten Denkmäler in Tiengen erinnern an die Gefallenen der beiden Weltkriege. Konrad Lüthy lässt die Ehrenchronik der Gemeinde Murg aufleben und über die beiden Gemeinden Murg am Hochrhein und Murg am Walensee in der Schweiz berichten Werner Vökt und Annemarie Gätzi.

Über Aufstieg und Fall der adligen Herren von Erzingen und Grießheim sowie über die Heilige Notburga von Bühl und als Wilchingen und Trasadingen noch zur Pfarrei Erzingen gehörten schreibt Hubert Roth. Zur Feldmesskunst der früheren Geometer trägt Richard Kaiser bei. Über die „große Sterbet“ (Pest) am Hochrhein, im Wutachgebiet und im Hotzenwald berichtet Konrad Müller. Weitere Beiträge kommen von Herbert Fuchs Senior/Hohentengen, Günter Hoffmann/Lauchringen und Paul Eisenbeis/Görwihl.


im Albbote vom 17.11.2014

Mittelpunkt in alter Zeit

Walter Bernhard referiert beim Geschichtsverein Hochrhein über die 400 Jahre alte Tradition von Grießen als Marktgemeinde

VON LUCIA VAN KREUNINGEN

Hochrhein – Mit großem Interesse verfolgten die Mitglieder und Gäste des Geschichtsvereins Hochrhein den Lichtbildervortrag von Walter Bernhard aus Grießen über das Marktrecht der Gemeinde. Grundlage hierfür war die Ausstellung anlässlich der 400-Jahrfeier der Marktgemeinde im vergangenen Jahr. Bernhard hatte zusammen mit den Geschichtsfreunden aus Grießen diese Ausstellung zusammengestellt und hatte eigens für den Geschichtsverein einen Bildervortrag vorbereitet.

Zwischen Zurzach und Überlingen

Dabei wurde besonders deutlich, dass die Marktgemeinde Grießen in früheren Zeiten ein Mittelpunkt war, ein Mittelpunkt beispielsweise zwischen Zurzach und Überlingen. Was Überlingen in dieser Runde geschichtlich so stark damit zu tun hatte, konnte Bernhard noch nicht genau erklären. Fest steht jedoch, dass die Bestimmungen im Marktrecht vorschrieben, dass die früheren Markttermine keineswegs die von der Stadt Überlingen überschneiden durften. Das älteste historische Dokument, welches das Marktrecht in der Gemeinde Grießen belegt, stammt aus dem Jahr 1614. Was bei den Anwesenden einiges Erstaunen hervorrief, war die Ausführung von Walter Bernhard, dass es in und um Grießen in den Zeiten der Pestepidemien und auch in den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs keine Unterlagen gibt.

Urkunde von 1707

Die anschaulichen Ausführungen von Walter Bernhard ließen die damaligen schrecklichen Zeiten so richtig in die Vorstellungen der Zuhörer kommen. Erst im Jahr 1707 sorgte die Tochter des ehemaligen Grafen Karl Ludwig von Sulz nach langer Verzögerung dafür, dass eine Urkunde erstellt und das Marktrecht für Grießen verbrieft wurde. Sie hatte zuvor laut den gefundenen Unterlagen viele überlebende Personen befragt, ob Grießen überhaupt früher einmal Marktrecht besessen hatte. Bis in die heutige Zeit haben sich in der Marktgemeinde Grießen noch vier Märkte erhalten und diese werden traditionell aufrechterhalten und erfreuen sich großer Beliebtheit bei den Marktbesuchern.

Im Anschluss an den Vortrag von Walter Bernhard hatte Vorsitzender Günter Hoffmann noch eine etwas weniger schöne neue Nachricht den Mitgliedern zu verkünden. Das bisherige Vereinsdomizil für die Monatstreffen, das Gasthaus Schwanen, wird Mitte Dezember seine Pforten schließen und die Mitglieder des Geschichtsvereins Hochrhein müssen sich nach einem neuen Raum für ihre Treffen umsehen. Der Dezembertreff des Vereins wird noch im Schwanen stattfinden und dort wird auch wieder das Jahrbuch ausgegeben werden. Weiteres wird dann im Rundbrief für das erste Halbjahr 2015 bekannt gegeben.


im Südkurier vom 31.10.2014

Mitglieder schreiben Geschichte

Geschichtsverein Hochrhein feiert mit Hauptversammlung 40-jähriges Bestehen. Manfred Dietenberger jetzt Ehrenvorsitzender

Hochrhein (rvk) „Im Leben eines Menschen ist der Vierzigste eine nicht unkritische Marke, ganz anders dagegen ist der Vierzigste im Leben eines Vereins“ so der Vorsitzende des Geschichtsvereins Hochrhein, Günter Hoffmann bei der Jubiläumsfeier anlässlich des Geburtstags des Geschichtsvereins Hochrhein. Die Mitglieder feierten jedoch nicht ein Jubiläumsfest, sondern erinnerten in der Hauptversammlung an die vergangenen vier Jahrzehnte. Die Gründung fand in Grießen statt, doch kamen die Mitglieder jetzt in Rheinheim zusammen.

Der Hauptversammlung vorausgegangen war eine Geschichtsstunde in Form einer Kirchenführung in der Kirche St. Michael zu Rheinheim. Hans Bernhard aus Gurtweil, der lange Zeit den Kirchenchor in Rheinheim geleitet hat, übernahm die Führung durch die Geschichte der Kirche. So erfuhren die Geschichtsfreunde, dass die Kirche ursprünglich auf dem Boden eines zur Römerzeit bestehenden Brückenkopfes erbaut worden war. Die jetzige Kirche stammt aus dem Jahr 1671. Rheinheim als Kirchenort wurde bereits im Jahr 892 urkundlich erwähnt.

In der Hauptversammlung blickte Vorsitzender Günter Hoffmann noch einmal zurück zu den Anfängen des Geschichtsvereins und erinnerte an die Gründerzeit. Am 27. März 1974 trafen sich 97 Männer und Frauen in Grießen. Der Ort wurde deshalb gewählt, weil dort bereits ein Heimatverein tätig war. Dessen Vorsitzender Alois Nohl aus Geißlingen hatte zugesagt, seinen Verein in den neuen Verein auf Kreisebene zu überführen. Zum ersten Vorsitzenden wurde damals Fritz Schächtelin, zum stellvertretenden Vorsitzenden Alois Nohl, zum Schriftführer Konrad Sutter und zum Kassierer Otto Höcklin gewählt. Schon damals galt als oberstes Ziel des Vereins: „Geschichte zu vermitteln und der Nachwelt zu erhalten.“

Doch Vorsitzender Günter Hoffmann blickte bei der Hauptversammlung auch in die Zukunft und erinnerte an die Mitgliederwerbung. In den vergangenen Jahren sei die Mitgliederzahl naturbedingt gesunken, derzeit seien noch 120 Mitglieder. „Was wir brauchen, sind neue Gesichter, gleich welchen Alters“, so Günter Hoffmann. Er sieht Chancen in der Zusammenarbeit mit Schulen und dem Austausch mit benachbarten Geschichts- und Heimatvereinen.

Einen großen Stellenwert räumt Hoffmann dem Jahrbuch des Geschichtsvereins ein. In diesem Dezember wird eine Jubiläumsausgabe erscheinen. Das Jahrbuch des Geschichtsvereins erfreut sich, wie Hoffmann mitteilte, steigender Beliebtheit. Es sei sogar zu Dokumentations- und Forschungszwecken in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt, der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart sowie in zahlreichen größeren Bibliotheken vorhanden. Mit einer Ehrung langjähriger Mitglieder im Anschluss an die Versammlung beendete Vorsitzender Günter Hoffmann die Hauptversammlung.

Bildtext:

Seit 40 Jahren sind sie alle dem Geschichtsverein Hochrhein treu. In der Hauptversammlung wurden sie mit Urkunden ausgezeichnet (von links): Paul Eisenbeis, Werner Schreiber und Ute Beck (wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt), Manfred Dietenberger (wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt), Manfred Emmerich und Monika Schäuble; rechts Vorsitzender Günter Hoffmann. BILD: RHENO VAN KREUNINGEN


im Albbote vom 24.5.2014

Führung mit echtem Steinmetz

Frühjahrsexkursion des Geschichtsvereins Hochrhein führt ins Freiburger Augustinermuseum. Erklärungen zum Münsterbau

Hochrhein (luk) Die diesjährige Frühjahrsexkursion des Geschichtsvereins Hochrhein führte die Mitglieder nach Freiburg ins Augustinermuseum. Dort läuft zurzeit die besondere Ausstellung über das Handwerk im Mittelalter.

Was die Mitglieder des Geschichtsvereins natürlich immer wieder fasziniert, das ist die lange und ereignisreiche Geschichte des Freiburger Münsters und diese Gelegenheit ließen sich 27 Mitglieder natürlich nicht nehmen. Besonderes Glück hatten die Teilnehmer dieser Exkursion, im Augustiner Museum angekommen, bei der Führung einen echten Steinmetz aus der Münsterbauhütte bei der Arbeit beobachten zu können. Natürlich beantwortete er auch die vielen Fragen der Besucher. Dann führte der Weg weiter in die eigentliche Ausstellung, in der die Leiterin der Führung dann einiges zur Geschichte des Münsterbaus erzählen konnte. So erfuhren die Mitglieder des Geschichtsvereins, dass bereits etwa im zwölften Jahrhundert mit dem Bau des Münsters begonnen worden war und dass auch der Silberabbau im Schwarzwald mit dazu beigetragen hat, dass die Gläubigen in dieser Zeit mit dem Bau begonnen haben.

Wie die damaligen Handwerker den Bau bewerkstelligen konnten, auch das wurde erklärt und sorgte für einige Diskussionen unter den Mitgliedern, der eine oder andere konnte sich dies nicht so recht vorstellen. Die ausführlich dargestellten Ausstellungsexponate zeigten jedoch, dass auch die Baumeister zu den geschichtlichen Zeiten durchaus in der Lage waren, einen solchen Bau zu verwirklichen. Natürlich gab es dazu über die Jahrhunderte hinweg immer wieder neue Baumeister und Architekten, sodass sogar am Münster selbst die verschiedenen Bauepochen abgelesen werden können. Was die Besucher des Geschichtsvereins besonders faszinierte, waren die fein gearbeiteten filigranen Teile des Münsterturmes und die gezeigten Rundanker, die nach dem Zweiten Weltkrieg beim Wiederaufbau neu eingesetzt worden waren. Die Besucher waren überrascht, denn das hatte bisher noch keiner so richtig beachtet. Da blieb es selbstverständlich nicht aus, dass auf dem Weg zum Bus noch einmal am Münster vorbei gegangen wurde und dieses noch einmal genauestens betrachtet wurde.


im Albbote vom 15.4.2014

Mit Humor gegen das Kriegselend

Vortrag über die Tagebücher von Pfarrer und Heimatforscher Jakob Ebner. Seelsorger beschreibt Schützengräben detailliert.

Hochrhein (luk) Die Tagebücher des Pfarrers und Heimatforschers Jakob Ebner waren das Thema des Monatstreffs des Geschichtsvereins Hochrhein. Hans Göppert aus Unteralpfen hat sich vor allem der Tagebücher aus dem ersten Weltkrieg angenommen und diese waren auch das Thema für seinen Vortrag. Im Vordergrund stand die Person des Jakob Ebner, dessen Name zwar vielen Anwesenden durch die Heimatforschungen bekannt war, jedoch waren die Aufzeichnungen in den Tagebüchern aus dem Ersten Weltkrieg für viele etwas Neues.

Hans Göppert verstand es hervorragend, die einzelnen Passagen aus den Tagebüchern verständlich zu vermitteln, ohne dabei mit den Grausamkeiten der vielen Kriegstage zu schockieren. Dass es diese selbstverständlich gegeben hatte, blieb im Hintergrund und konnte von jedem Einzelnen zu Ende gedacht werden. Was jedoch sehr stark ersichtlich wurde, war die gedankliche Verarbeitungsweise des Tagebuchscheibers, der seine pastorale Arbeit in den Vordergrund stellte. Jakob Ebner, der 1873 in Unteralpfen geboren worden war, hatte auf dem zweiten Bildungsweg in Freiburg Theologie studiert und sich 1914 als Kriegsfreiwilliger und Feldgeistlicher gemeldet. Die präzisen Einträge in seinem Tagebuch beschreiben den Alltag, aber eben auch traumatische Erlebnisse. Dabei drängt sich immer wieder die Frage auf: Wie kann ein Mensch das alles aushalten? Ein ganz wichtiger Aspekt hierzu, das wird deutlich, war sein Humor. Er beschreibt die Schützengräben bis in das kleinste Detail und vergisst auch nicht die Umgebung in der selbst im Sommer kein grünes Gras und keinerlei Blumen mehr wachsen, was den leidenschaftlichen Imker sehr trifft. Auch ruft er sich immer wieder die Schönheiten seiner Heimat ins Gedächtnis.

Abwechslung bringt ihm seine Arbeit als Seelsorger, so hatte er aufgezeichnet, dass er 43 811 Mal die Beichte gehört und 81 000 Mal die Kommunion ausgeteilt hatte. Dass er Messen für die französische Bevölkerung gehalten und Kinder während der Kriegswirren im fremden Land unterrichtet hatte.

Hans Göppert hatte die vielen verschiedenen Stellungen im Kriegsgebiet herausgesucht und für diesen Vortrag entsprechend markiert, sodass die Vortragsbesucher und Mitglieder des Geschichtsvereins den Ausführungen folgen konnten. Wie Hans Göppert mitteilte, sind momentan Bestrebungen im Gange, diese Tagebücher, die in drei Bänden vorhanden und inzwischen sogar aus der alten Sütterlinschrift abgeschrieben sind, als Bücher zu drucken und zu verlegen.


im Albbote vom 13.2.2014

Frauenschicksal in napoleonischer Zeit

Geschichtsverein Hochrhein macht die Lebensgeschichte der badischen Adligen Stephanie de Beauharnais erlebbar

Hochrhein (luk) „Stephanie de Beauharnais – eine badische Landesmutter aus Frankreich“ lautete der Titel des Referats beim ersten Monatstreff des Geschichtsvereins Hochrhein. Der Vorsitzende Günter Hoffmann hatte sich mit diesem Thema befasst und es inseinem Referat zusammengefasst.

Die Geschichte des Großherzogtums Baden kam bei diesem Vortrag stark zur Geltung. Hatten doch einige schon etwas von dem Drama um Kaspar Hauser gehört, was zwar in diese Geschichte hinein interpretiert, jedoch keinesfalls bewiesen ist. Günter Hoffmann schloss dieses Thema gänzlich aus mit der Bemerkung, dass es unter den Mitgliedern kompetentere Leute gebe, die sich bereits mit diesem Thema befasst haben und sich eventuell bereit erklären könnten, zu einem späteren Zeitpunkt ein Referat dazu zu halten.

Doch wer war eigentlich diese Stephanie de Beauharnais? DieGeschichte begann mit ihrer Geburt am 28. August 1789. Sie wurde als Tochter des Grafen Claude de Beauharnais und einer Madame de Lazay geboren und blieb als Kind weitestgehend sich selbst überlassen. Für das Mädchen war es allerdings ein Glücksfall, dass sich ihre Tante Josephine, die Frau Napoleons, um sie kümmerte und sich für ihre Erziehung ein berühmtes Mädchen Pensionat, das Institut der Madame Campan, ausgesucht hatte. Dort lernte sie alles, was eine höhere Tochter fürs Leben brauchte, vor allem die Kunst zu gefallen. Nach dieser Zeit durfte sie sogar zu ihrer Tante in die Tuillerien, dem Palast in Frankreich, ziehen.

Dort zeigte sich jedoch, dass Kaiser Napoleon in die junge Schönheit verschossen war und sie sogar als Kind adoptieren wollte. Da gab es nur einen Ausweg, um die Gerüchteküche und natürlich die Ehe des Kaisers mit seiner Frau Josephine zu retten: Stephanie musste schnellstmöglich verheiratet werden. Die Heiratspolitik des Napoleon suchte sich daher einen günstigen Kandidaten aus. Die Wahl fiel auf Karl Ludwig von Baden. Diese Sache hatte Allerdings einen kleinen Haken: Karl Ludwig von Baden war mit einer bayerischen Prinzessin verlobt. Doch das ließ sich mit einem Federstrich von Seiten Napoleons aus der Welt räumen.

Schwieriger war es, die künftige Schwiegermutter Markgräfin Amalie von der Heirat zu überzeugen, doch schließlich gelang es doch. Die Aussicht, das badische Territorium um den Breisgau und alles was Österreich in Schwaben besaß zu vergrößern, war auch für die Markgräfin Amalie zu verlockend.

Stephanie hatte während ihrer Ehe mit Karl Ludwig jedoch sehr unter der Herrschaft ihrer Schwiegermutter zu leiden und auch die Geburt eines Thronfolgers, der nach einigen Tagen unter geheimnisvollen Umständen starb, machte dies nicht leichter. Die Geburt eines zweiten Thronfolgers, der ebenfalls nach kurzer Zeit starb, brachte eine merkwürdige Note hinzu, da drei Töchter sich bester Gesundheit erfreuten.

Erst die Einmischung der Zarin Elisabeth, der Schwester des Ehemanns, besserte die Lage etwas. Als schließlich Karl Friedrich von Baden auf dem Wiener Kongress um seine Gebiete kämpfen musste, stand auch Stephanie ihrem Mann zur Seite.

Das Volk verehrte sie und als sie am 19. Januar 1860 in Nizza starb, hatte sie ihr Haus wohl bestellt. Ihr Leichnam wurde unter militärischem Geleit aus Frankreich nach Deutschland überführt und in der Fürstengruft der Großherzoglichen Badischen Familie in der Schlosskirche zu Pforzheim zur letzten Ruhe gebettet.


im Albbote vom 16.11.2013

Meister der Vermessung

    >>> Monatstreff des Geschichtsvereins Hochrhein
           >>> Johann Hünerwadel aus Waldshut und seine Arbeiten
           >>> Alte Landkarten als wertvolle Zeitdokumente

VON LUCIA VAN KREUNINGEN

Hochrhein – Alte Landkarten sind für die meisten Menschen einfach nur Papiere, auf denen etwas gezeichnet ist und die irgendwann zu früheren Zeiten einmal hergestellt worden sind. Wie diese angefertigt wurden, ist heute kaum mehr nachvollziehbar, haben wir doch umfangreiche moderne Techniken, die es uns ermöglichen, sogar per Satellit in fremde Länder zu sehen. Aber es gibt doch noch Menschen, die sich mit eben solchen alten Landkarten beschäftigen, sie studieren und dabei sehr viele bisher unbekannte Neuigkeiten entdecken. Richard Kaiser aus Bad Säckingen ist einer dieser. Beim Monatstreff des Geschichtsvereins Hochrhein, dem ersten Treffen unter der Leitung des neuen Vorsitzenden Günter Hoffmann, stellte er einige Arbeiten des Waldshuter Vermessers Johann Hünerwadel vor.

Wer aber war Johann Hünerwadel? Er wurde am 23. Oktober 1744 in Rottweil geboren und erlernte nach seiner Schulzeit zuerst das Schreinerhandwerk. Der Grund dafür, dass aus Johann Hünerwadel ein Geometer wurde, mag darin gelegen haben, dass die damalige Habsburger Regierung in Wien (unsere Heimat war das Vorderösterreichische Gebiet) einen Erlass ausgegeben hat, dass die ihnen gehörenden Gebiete genau vermessen werden. Der Einzug der Steuern sollte gerechter verteilt werden, und so kam es, dass in Freiburg junge Männer die Möglichkeit hatten, sich weiterzubilden und Geometer zu werden. Das war damals gar nicht so einfach, die Maße waren nicht einheitlich. Ein Nürnberger Schuh hatte um 1760 eine Größe von 30 Zentimeter, ein Schaffhauser Feldschuh und Werkschuh nur 29,78 Zentimeter und der Wiener Schuh sogar 31,71 Zentimeter. Erst im Jahr 1872 wurde das Metermaß eingeführt. Johann Hünerwadel hat schon mit 29 Jahren 1773 die ersten Karten gezeichnet. Er hat sich in Waldshut niedergelassen und sein erster Auftrag als Geometer war eine Karte von Waldshut. Zwar versuchte er in Waldshut eine Schreinerei zu eröffnen, doch die damaligen Stadtväter machten ihm zur Bedingung, dass er dies nur dürfe, wenn er eine Waldshuter Bürgerstochter heiratet. Diese waren ihm jedoch nicht hold und erst nach einigen Jahren konnte er eine Maria Josepha Malzacher aus Säckingen ehelichen. Seine gezeichneten Karten der Städte Waldshut und Säckingen und Umgebung sind jedoch kleine Kunstwerke.


im Albbote vom 17.10.2013

Neuer Vorsitzender nach 20 Jahren

Einen Wechsel gibt es an der Spitze des Geschichtsvereins Hochrhein, Manfred Dietenberger tritt nicht mehr zur Wahl an

Der Vorstand des Geschichtsverein HochrheinWaldshut (avk) Der neue Vorsitzende des Geschichtsvereins Hochrhein ist Günter Hoffmann aus Tiengen. Er wurde einstimmig als neuer Vorsitzender gewählt. Der bisherige Vorsitzende Manfred Dietenberger stand wie bereits im vergangenen Jahr angekündigt, für eine weitere Neuwahl nicht mehr zur Verfügung. Nach 20-jähriger Amtszeit zieht er sich zurück.

Die Neuwahlen der gesamten Vorstandschaft standen deshalb beim Geschichtsverein als wichtigster Punkt auf der Tagesordnung. Wie bisher bei den Hauptversammlungen des Vereins üblich, wurde auch in diesem Jahr eine Tradition aufrecht erhalten – die Versammlung begann mit einem Gottesdienst, in diesem Jahr in der Pfarrkirche St. Clemens in Dogern. Gehalten wurde die Messe vom Kooperator der Seelsorgeeinheit, Pfarrer Karl Leib. Natürlich gab es für die Geschichtsfreunde noch etwas Geschichte: Sie trafen sich im Anschluss an die Messe zur Führung von Konrad Lüthy aus Dogern durch das Einungs-Museum im Gasthaus Hirschen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen startete dann die eigentliche Hauptversammlung.

Wie der Vorsitzende Manfred Dietenberger der Versammlung mitteilte, konnte Kassierer Manfred Gallmann aus gesundheitlichen Gründen den Kassenbericht nicht vervollständigen, daher hatte Günter Hoffmann aus Tiengen die Kasse geprüft und der Versammlung vorgelegt.

Bei den Neuwahlen, die zügig unter der Leitung von Mitglied Herbert Fuchs aus Hohentengen stattfanden, wurde Hoffmann einstimmig als neuer Vorsitzender gewählt. Für das Amt des Stellvertreters und Schriftführers hatte der bisherige Vorstand bereits vorgearbeitet: Die bisherige Schriftführerin Lucia van Kreuningen hatte sich bereiterklärt, im Falle einer Wahl diese Ämter auszuüben. Deren Wahl erfolgte schließlich ebenfalls einstimmig, ebenso hatte sich Carmen Behringer, die an der Versammlung nicht persönlich teilnehmen konnte, als neue Kassiererin zur Verfügung gestellt und wurde einstimmig gewählt. Als Beisitzer wurden Franz Falkenstein, Ute Beck und Manfred Dietenberger gewählt.

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Der neue Vorstand des Geschichtsvereins Hochrhein (von links): Günter Hoffmann (Vorsitzender), Lucia van Kreuningen (stellvertretende Vorsitzende und Schriftführerin), Ute Beck, Manfred Dietenberger und Franz Falkenstein (alle Beisitzer). BILD: VAN KREUNINGEN


im Alb Bote vom 19.9.2013

Verdient um Tiengen

Trauerfeier für Hermann Oesterle am morgigen Freitag. Engagement als Schulleiter und in vielen ehrenamtlichen Funktionen

Hermann OesterleTiengen (wd) In der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Tiengen findet am morgigen Freitag, 14.30 Uhr, die Trauerfeier für Hermann Oesterle aus Tiengen statt, der im Alter von 75 Jahren unerwartet gestorben ist.

Vielen Menschen in der Region gedenken in großer Dankbarkeit des langjährigen Rektors der Johann-Peter-Hebel-Schule, der sich im Beruf, aber auch durch ungewöhnlich großen ehrenamtlichen Einsatz große Verdienste für die Gemeinschaft erworben hat.

Oesterle war Lehrer aus Berufung, Pädagoge mit Leib und Seele, der die Schule nie nur als Ort der Vermittlung von Wissen gesehen hat. Und er wusste sich „seiner“ Hebelschule, der „Mutter“ aller Tiengener Schulen, der er ab dem Jahre 1987 bis zu seiner Pensionierung als umsichtiger, führungsstarker, aber stets auch kollegialer Rektor vorstand, in besonderer Weise verbunden. Was für das Erfüllen des Bildungsauftrages ebenso galt wie für seinen unermüdlichen Einsatz für eine angemessene räumliche und technische Infrastruktur der Einrichtung. Von den Begabungen, dem Einsatz und der präzisen, nie nur an der Oberfläche bleibenden Arbeit des Lehrers profitierten aber nicht nur die Schulen, an denen er tätig gewesen ist, sondern auch das Bildungswesen in der ganzen Region Hochrhein.

In ihr hatte der mit einem großen bildungspolitischen Horizont ausgestattete Experte eine wichtige Stimme, war ein engagiertes Mitglied des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) und auch Personalrat beim staatlichen Schulamt in Waldshut.

Neben seinem schulischen Engagement war Hermann Oesterle ehrenamtlich tätig, im öffentlichen Leben gestaltend präsent, dort aber immer bescheiden auftretend. Von 1975 bis ins Jahr 1984 gehörte er dem Gemeinderat der Stadt Waldshut-Tiengen an. In Krenkingen, wo er viele Jahre zu Hause war, engagierte er sich als Ortschaftsrat und stellvertretender Ortsvorsteher, war Vorsitzender des Pfarrgemeinderates und Leiter des katholischen Bildungswerkes, ist bis heute aber auch unvergessen als Dirigent des Männerchores.

Dass sich Hermann Oesterle gerade in einem kleinen Ort so engagiert hat, war kein Zufall. Dahinter standen seine heimatliche Verbundenheit, wie sie auch durch sein Mittun im Geschichtsverein Hochrhein zum Ausdruck kam, seine Sorge um die Zukunft des ländlichen Raumes und ein von ihm unterstütztes Prinzip christlicher Gesellschaftslehre, nämlich der Vorrang der kleinen Einheit vor der großen.

Diese Grundüberzeugung war für ihn wohl auch ein Antrieb für sein Engagement in der CDU, die er in Tiengen ab dem Jahre 1985 über mehrere Amtsperioden hinweg als Vorsitzender geführt hat und für deren Gemeinderatsfraktion er ebenso ein wichtiger, kompetenter und deshalb auch nicht immer bequemer Ratgeber gewesen ist wie für die Stadtverwaltung.

Bildtext:

Hermann Oesterle ist mit 75 gestorben. Bild: privat


im Alb Bote vom 10.8.2013

Steinernen Zeitzeugen auf der Spur

Franz Falkenstein erfasst ehrenamtlich rund 600 Kleindenkmäler. Daten für das Landesdenkmalamt

Josef Müller aus Eschbach soll von einem sich betrogen fühlenden Unteralpfener nach einer leidenschaftlichen Kegelrunde einen Schlag auf den Kopf bekommen haben und so sein Leben verloren haben. Diese Sage erzählt der Heimatforscher Franz Falkenstein, während er im Diggelholz bei Gaiß neben einem steinernen Kreuz steht, in das die Initialen JM und die Jahreszahl 1769 eingemeißelt sind. Als sogenanntes Sühnekreuz soll es nach der Untat errichtet worden sein. Das Kreuz ist eines von rund 600 Kleindenkmälern, die Franz Falkenstein dokumentiert hat. Er ist einer der ehrenamtlichen Helfer, die seit Längerem im Rahmen eines Projektes des Landesamtes für Denkmalpflege in Wald und Flur unterwegs sind, um die Kleindenkmale des Landkreises Waldshut aufzunehmen. 15 Ordner füllen die von Falkenstein seit 2009 in Waldshut, Eschbach, Dogern, Schmitzingen, Gaiß, Waldkirch, Operalpfen und etlichen Orten der Gemeinde Weilheim erfassten Kleindenkmäler. Wegkreuze, Brunnen, Grenzsteine, alte Wehrmauern und vieles mehr, hat er gesucht, gefunden, freigelegt, skizziert, fotografiert und beschrieben. Die große Sorgfalt und Genauigkeit, mit der er dabei vorgegangen ist, würdigte Martina Blaschka vom Denkmalamt sogar in einem extra Schreiben. Der passionierte Heimatforscher ist nach eigener Aussage zu 99 Prozent mit seinem Gebiet fertig. Viel war ihm immer daran gelegen, auch etwas über die historischen Hintergründe der Kleindenkmäler zu erfahren. Hinter jedem steht eine Geschichte, kein Wegkreuz steht beispielsweise ohne Grund an genau diesem Ort. Die Erfahrungen, die er dabei machte, waren nicht ermutigend: „Der Großvater oder die Großmutter hätten es vielleicht noch gewusst, aber sie sind schon gestorben, habe ich oft gehört.“ Geblieben sind in einigen Fällen mehr oder weniger glaubwürdige Überlieferungen wie diejenige, die sich um das Kreuz im Diggelholz rankt. Sicher ist der Heimatforscher, dass es sich um ein Sühnekreuz handelt, die Bestandteil mittelalterlicher Rechtssprechung waren. Und die Delle in unmittelbarer Nähe des Kreuzes und ein sich anschließender gerade noch erkennbarer festgetretener Pfad, können nach Aussage Falkensteins als Kegelgrube und Kegelbahn gedeutet werden. „Das Wetten um große Geldsummen stand beim Kegeln oft im Vordergrund, deshalb kam es nicht selten zu schweren Auseinandersetzungen“, schreibt Franz Falkenstein in einer kurzen Abhandlung über die Geschichte des Kegelns.

Das Projekt

Auf rund 5000 wird die Zahl der Kleindenkmale im Landkreis Waldshut geschätzt. Hauptsächlich Mitglieder der Schwarzwaldvereine sind ehrenamtlich im Einsatz, um sie im Rahmen eines landesweiten Projektes des Landesamtes für Denkmalpflege zu erfassen. Schirmherr ist Landrat Tilman Bollacher. Gegen Ende des Jahres soll das Projekt abgeschlossen sein. Nach der digitalen Bearbeitung der Erfassungsbögen im Landesamt sollen die Unterlagen im Stadtarchiv Waldshut öffentlich zugänglich sein. Die Restauration der Kleindenkmale wird in weiteren Schritten angestrebt. Einige Gemeinden sind bereits aktiv geworden und haben Kleindenkmale in Eigenregie restauriert.

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Franz Falkenstein im Diggelholz bei Gaiß neben dem Sühnekreuz, das der Überlieferung nach an einen Totschlag in der Hitze eines Kegelspiels erinnert. Bild: freudig


im Alb Bote vom 19.6.2013

Neue Technik für alte Zeugnisse

Herbert Fuchs spürt Kleindenkmale auf und hält die Koordinaten mit einem GPS-Gerät fest. Übergabe der Dokumentation an Gemeinde

Herbert Fuchs, HohentengenHohentengen (gt) Das Projekt zur Erfassung von Kleindenkmalen im Landkreis Waldshut steht vor dem Abschluss. In Hohentengen war Herbert Fuchs unterwegs, um die Zeugen vergangener Tage festzuhalten. Jetzt hat er der Gemeinde eine Dokumentationsmappe mit Fotos und Beschreibungen von 116 Einzelobjekten überreicht. „Sie haben sich unglaublich viel Arbeit aufgeladen und das ehrenamtlich. Ein ganz herzliches Dankeschön dafür“, sagte Bürgermeister Martin Benz unter dem Beifall der Gemeinderäte im Rahmen ihrer Sitzung Fuchs für das umfangreiche Werk und überreichte als kleine Anerkennung für die ehrenamtliche Arbeit ein Präsent. Das landesweite Projekt wird vom Landesamt für Denkmalpflege koordiniert und soll in diesem Herbst seinen Abschluss finden. Dann werden alle Daten digitalisiert. Grenzsteine, Flur- und Wegkreuze, Dorfbrunnen und Quellfassungen, alte Verdolungen, Wappen, Schrifttafeln und kleinere Gebäude hat der Gemeindechronist fotografiert, vermessen und beschrieben.

„Das hat nicht nur Arbeit, sondern auch sehr viel Spaß gemacht“, merkte Fuchs an, dem seine heimatgeschichtlichen Kenntnisse beim Auffinden der Kleinode natürlich zugutekamen. Fünf Bücher mit heimatgeschichtlichem Inhalt sind mittlerweile erschienen, als erstes 1990 die umfassende Ortschronik der Gemeinde, die laut Fuchs auch über die Gemeindegrenze hinaus Beachtung fand.

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Mit Drahtbürste, Block und GPS-System zur Koordinatenermittlung: 116 Kleindenkmale hat Herbert Fuchs für das landesweite Projekt erfasst und die Dokumentation jetzt der Gemeinde übergeben. Bild: gems-thoma


im Alb Bote vom 8.5.2013

Blick in Schweizer Geschichte

Der Geschichtsverein Hochrhein in SchaffhausenWaldshut-Tiengen (luk) Die diesjährige Frühjahrsexkursion führte die Mitglieder des Geschichtsvereins Hochrhein nach Schaffhausen in das Museum zu Allerheiligen. 17 Mitglieder trafen sich in Schaffhausen und konnten unter der Leitung von Kurator des Museums, Daniel Grütter, Einblicke in die Geschichte der Schweiz und auch die Lebensweise der Menschen jenseits der Grenze kennenlernen.

Besonders fasziniert waren die Zuhörer von der umfassenden Neugestaltung des Museums, das von der frühen Entwicklung der Stadt Schaffhausen bis in die heutige Zeit ein umfangreiches Wissen vermittelt. Besonders interessiert waren die Mitglieder des Geschichtsvereins natürlich über die Ausführungen Grütters über die Gemeinsamkeiten der Schweizer oder besser gesagt der ehemaligen Schaffhausener in Verbindung mit der Geschichte des Klosters St. Blasien und auch des Klosters Rheinau. Die sehr anschaulich dargestellte wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Schaffhausen wurde bei den Ausführungen Grütters aufmerksam verfolgt und regte immer wieder zu Fragen an. Diese wurden gerne und ausführlich beantwortet.

Münzsammlung lässt staunen

Ein kleiner Höhepunkt war die Besichtigung der Grabplatten des Gründers des Benediktinerklosters Allerheiligen in Schaffhausen Eberhard Graf von Nellenburg im Jahr 1049. Diese Grabplatten wurden im Jahr 2000 bei einer Restaurierung des Kirchenbodens gefunden und restauriert. Im Dom befinden sich Kopien. Auch die Numismatiker, die Münzsammler kamen auf ihre Kosten, eine umfangreiche Münzsammlung brachte einige der Anwesenden zum Staunen. Schaffhausen hatte Münzrecht und im Museum sind noch Exponate aus der Gründerzeit vorhanden. Den Abschluss bildete ein kleiner Rundgang durch den Kreuzgang des ehemaligen Klosters und eine Besichtigung der Klosterkirche.

 


im Alb Bote vom 23.3.2013

Über den Mann mit der Eisenhand

Geschichtsverein Hochrhein beschäftigt sich in diesem Jahr mit Götz von Berlichingen

Waldshut (luk)  „Götz von Berlichingen und seine Heimat Taubergrund“ lautete das Thema beim Monatstreff des Geschichtsvereins Hochrhein am ersten Donnerstag im Monat. Vorsitzender Manfred Dietenberger hatte in vorausschauender Weise dieses Thema für das Abendreferat gewählt. Im Juni werden die Mitglieder des Geschichtsvereins die Geschichte über Götz von Berlichingen erfahrbar machen, Sie unternehmen eine Exkursion ins Taubertal, um Jagsthausen und die historischen Stätten seines Wirkens zu erkunden. Zuvor jedoch konnten die anwesenden Mitglieder und Freunde des Geschichtsvereins noch einiges Geschichtliches aus dem Leben und dem Wirken des Mannes mit dem berühmten Ausspruch erfahren.

Götz von Berlichingen lebte in einer Zeit des Umbruchs und vieler kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Gegnern, die sich heute Freunde, morgen Feinde nannten. Geboren wurde er um das Jahr 1480. Der Name des Ortes ist ungeklärt, doch wird vermutet, dass er in oder bei der Burg Berlichingen oder in Jagsthausen lag. In seinen Lehr- und Wanderjahren wurde er zu einem fränkischen Reichsritter ausgebildet, der in zahlreiche Fehden verstrickt war. In einem dieser Kriege verlor am 23. Juni 1504 bei der Belagerung Landshuts durch einen Schuss seine rechte Hand. Ein Schmid aus Jagsthausen fertigte ihm daraufhin eine Hand aus Eisen mit einem ausgeklügelten Mechanismus, der es ihm ermöglichte, weiterhin sein Schwert zu führen. Diese Prothese brachte ihm auch den Beinamen „mit der eisernen Hand“ ein. Götz von Berlichingen starb am 23. Juli 1562 auf Burg Hornberg in Neckarzimmern. Der Geschichtsverein wird sich mit seiner Exkursion vom 20. bis 22. Juni auf die Spuren von Götz von Berlichingen machen.

 


im Alb Bote vom 5.1.2013

Eine Region in Angst und Schrecken

Der Klettgau anno 1800 und 1813 im Würgegriff der französischen Soldateska

VON HUBERT ROTH

Ein Zufall förderte die Ausgabe der „Waldshut-St. Blasier-Zeitung“ vom 26.02.1927 zu Tage, in der ein bislang unbekanntes Segment der „Klettgauer Chronik“ zitiert wird, das von den kriegerischen Geschehnissen der Jahre 1800 und 1812/13 berichtet, durch die der Klettgau und das Wutachtal beim Durchzug französischer Truppen schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Chronist (1833) berichtet darin folgendes:

„In Frankreich hatte Napoleon Bonaparte, der am 19. Mai 1798 nach Ägypten abgesegelt war und am 9. August wieder zurückkam, am 9.9.1799 gewalttätig das Direktorium und die republikanische Regierung aufgehoben – und sich zum ersten Konsul erheben lassen. Die Russen verließen nach ihren großen Verlusten Österreich und zogen nach Hause. Österreich blieb allein im Krieg und Napoleon ging im April gegen Österreich und Italien wieder von Sieg zu Sieg vorwärts, bis schließlichein Waffenstillstand zustande kam. Der französische General Moreau (Oberbefehlshaber der Rheinarmee) kam mit rund 100 000 Soldaten erneut über den Rhein. In furchtbaren Massen drangen die Franzosen schnell vorwärts. Am 1. Mai nachmittags um 2 Uhr kamen sie von St. Blasien her über die Öschinger Brücke (Wutöschingen) und auf der Landstraße von Lauchringen (Oberlauchringen) in Kriegshaufen daher und drangen in drei Abteilungen über Berg und Tal, sowie auf der Landstraße, mit Pferd und Kanonen, alles niederwerfend, vor. Die Österreicher flohen. Vom Dorf Erzingen hatte sich in den Schlatthof (Schlattwald) geflüchtet, was fliehen konnte. Auf der Breitmatt war vor der Ankunft der Franzosen ein österreichisches Lager. Dann zog am 1. Mai nach und nach das französische Heer durch unser Dorf. Ein französischer General übernachtete im „Löwen“. Er wollte zuerst im Pfarrhof nächtigen, wozu aber Pfarrer Stropp nicht einwilligte, denn er hatte nichts mehr, die Franzosen hatten ihm schon alles genommen und geplündert. Geld und Uhr wurden ihm schon auf der Straße abgenommen.

Auch er floh dann in den Schlattwald. – General Moreau war am 1. Mai in Unterhallau über Nacht, wo durch Unvorsichtigkeit seiner Bediensteten viele Häuser abbrannten. Während acht Tagen war im Klettgau alles unsicher und man kam erst allmählich wieder aus dem Schlatthof ins Dorf Erzingen zurück. Am 2. Mai wurde dem Matthä Huber ein Kind geboren und dort vom Pfarrer Johann Nepomuk Landmann von Degernau, der ebenfalls mit seinen Pfarrkindern auf der Flucht war, getauft. Der Pfarrer Dapold in Lauchringen (Oberlauchringen), der Vogt Weissenberger in Gißlingen (Geißlingen) und ein Mann aus Bechtersbohl und einer von Riedern wurden von den Franzosen bei diesem Zuge erschossen. Hier erhielt Fidel Schuhmacher, welcher nach dem Schlatthof fliehen wollte, einen Schuß in den Fuß, weil er auf den Ruf „Halt“ fortlief. Franz Josef Weissenberger, Beck, damals zehn Jahre alt, erzählt jetzt (1833), er habe bei seinem an Abzehrung leidenden totschwachen Vater (er starb am 3. Juli 1806) allein zurückbleiben müssen, währenddessen Bruder den Kranken verlassen habe. Als ein Haufen Franzosen in Obererzingen einfiel, entstand ein ungeheures, furchtbares Getöse. Ein Geschrei von Menschen in fremden Sprachen, ein Brüllen von Vieh, das geschlachtet wurde, ein Schreien von Schweinen und Hühnern, die gefangen und getötet wurden, ein Poltern und Schlagen vom Aufbrechen und Einbrechen aller Orte, so dass es ein Grauen war. Wo man hinsah, waren in einem Augenblicke feindliche Soldaten auf jeder Bühne, bei jeder Öffnung, unten und oben im Hause; was gefunden wurde und gefiel ward fortgeschleppt. Der totschwache Vater aus dem Bett geworfen und das Bett, um Geld zu finden, durchgewühlt. Es blieb kein Winkel im Hause, der nicht durchsucht wurde. General Moreau zog mit seinem Heer als dann so rasch vorwärts, dass er schon am 3. Mai bei Engen und am 5. Mai bei Meßkirch und am 9. Mai bei Biberach auf die Österreicher traf, sie schlug und vor sich hertrieb. Erzherzog Karl von Österreich-Teschen war nicht mehr bei der österreichischen Armee. Der Klettgau, vorher im Wohlstand, war jetzt arm. Die Schulden waren groß, man konnte nicht mehr bezahlen – und jetzt nach 30 Jahren (1833) sind die Landschaftsschulden noch sehr groß.“ Soweit der Chronist.

Umfangreiche Abgaben

Der Lokalchronist hat die historischen Rahmengegebenheiten zu den geschilderten lokalen Ereignissen weitgehend bereits dargestellt. Zu deren Ergänzung werden noch folgende Informationen aus der allgemeinhistorischen Enzyklopädie angefügt: Bereits wenige Jahre nach der französischen Revolution (1789) drang die französische Revolutionsarmee in Süddeutschland ein und erreichte am 28. Juli 1796 unter General Baillard auch die Region Klettgau-Wutachtal. Die im Wutachtal stationierten Fürstenberger Truppen wurden nach Verhandlungen bei Stühlingen entwaffnet und konnten kampflos heimkehren. Es mussten umfangreiche Abgaben geleistet werden. Auch die neutrale Schweiz wurde von den Franzosen besetzt. Nachdem die französischen Truppen am 13. April 1799 die Schlacht bei Stockach gegen die Österreicher verloren hatten, brannten sie in Schaffhausen
die neue, erst 1758 nach Plänen des Appenzeller Baumeisters Hans Ulrich Grubenmann errichtete hölzerne Rheinbrücke nieder. Auf zwei Behelfsbrücken überquerten danach etwa 25 000 österreichische Soldaten von Süddeutschland gegen die Franzosen vorrückend am 22. und 23. Mai 1799 den Rhein. Zuvor wurden über 1200 Einwohner der Region gezwungen, den Brückenkopf mit einem Rheinkastell im Schaarenwald (bei Diessenhofen), bestehend aus Wällen, Gräben und Verhauen, zu sichern. Ein Jahr später, am 1. Mai 1800 überquerte wiederum die französische Armee unter Führung des Generals Lecourbe den Rhein und nahm Schaffhausen ein. Zwischenzeitlich erhielt der französische General Jean-Victor-Marie Moreau, zur Zeit der Revolution und des Konsulats ein Rivale Napoleon Bonapartes, den Oberbefehl über die Rheinarmee und stellte für den Generalangriff gegen die Österreicher ein neues, über hunderttausend Mann zählendes Heer auf, mit dem er im Frühjahr 1800 zum dritten Mal über den Oberrhein zog und auf einer Breite von Straßburg bis zum Hochrhein/Bodensee eine Großoffensive gegen Österreich eröffnete, wobei seine Truppen über den Schwarzwald – unter anderem auch über das Wutachtal und den Klettgau – schnell nach Osten vorstießen.

Die österreichischen Verbände wurden in einer Reihe glücklicher Gefechte bei Stockach, Engen, Meßkirch und Ulm zurückgedrängt und General Moreau bahnte sich mit der Rheinarmee den Weg am Bodensee vorbei bis zum Inn, worauf Österreich mit ihm einen Waffenstillstand schloß. Als sich die Friedensverhandlungen jedoch zerschlugen, erkämpfte General Moreau am 3. Dezember 1800 schließlich bei Hohenlinden (siehe Titelbild) den entscheidenden Sieg, der ihm dann den Weg in das Herz Österreichs öffnete und schließlich den Frieden von Lunéville herbeiführte. Doch damit waren die Auseinandersetzungen noch längst nicht beigelegt, Napoleons Expansionsdrang war nicht zu stoppen und Österreich trat, der Not gehorchend, im Spätsommer 1805 dem bestehenden englisch-russischen Angriffsbündnis gegen die ausufernde Macht des napoleonischen Imperiums bei. Auch im Zusammenhang mit dem Rußlandfeldzug der Franzosen 1812 und ihrem Rückzug 1813 erlebten die ganze Region des heutigen Landkreises Waldshut schwere Tage.

Bittere Chronik

Der Dreißigjährige Krieg zehrte das ganze Land aus. Doch auch nach dem Westfälischen Frieden von 1648 hatte die Region auf Grund neuer kriegerischer Auseinandersetzungen, vor allem zwischen Österreich und Frankreich, permanente Truppendurchzüge, Einquartierungen, Plünderungen und Brandschatzungen zu ertragen. Die nachfolgenden auszugsweisen Daten verweisen auf die dahinter steckende menschliche Dramatik und den Schaden der Ortschaften:

➤1632:Schwedische Armee unter Graf Hamilton plündert Erzingen.

➤1633: 300 Schweden unter Baron von Ville Franche plündern und brandschatzen. Anschließend weitere marodierende Söldnertruppen. Große Hungersnot. (An einem Tag baten 1440 Bettler aus der südd. Region in Schaffhausen vor der dortigen Armenherberge um Brot).

➤1634: Die Erzinger Bauern bringen ihr Getreide zum Kloster Rheinau, um es vor Plünderungen zu schützen.

➤1635: Viele Dörfer lagen verödet, Wölfe breiteten sich aus; im benachbarten Osterfingen wurden innert weniger Jahre 173 Wölfe erlegt.

➤1643: Kaiserliche Truppen durchziehen plündernd den Klettgau.

➤1671: Durchziehende Lothringische Truppen v. Herzog Karl IV. nehmen Quartier.

➤1675: Rittmeister Wekel liegt mit den Lothringischen Dragonern in Erzingen

➤1689: General Klamm nimmt mit einer Kompanie Soldaten Quartier

➤1690: General Stierheim quartiert sich in Erzingen ein. Großer Mangel an Lebensmittel und Viehfutter.

➤1693: Der kaiserliche General Neusten liegt mit einer Kompanie in Erzingen.

➤1701: Der Kurfürst von Bayern lagert mit 1100 Mann auf der Breitmatte in Erzingen.

➤1713: Sieben Kompanien Franzosen durchziehen den Klettgau und das Wutachtal.

➤1744: Französische Reiter schlagen im Klettgau ihr Winterquartier auf.

➤1745: Erneute Einquartierung von französischen Truppen.

➤1795: Ein französisches Regiment im Winterquartier. Große Plünderungen.

➤1796: Österreichische Soldaten hausen übel. 1500 französische Soldaten ziehen durch den Klettgau und das Wutachtal.

➤1813: Kosaken ziehen durch Erzingen. ➤1814: Einquartierung von Russen und Österreichern.

Bildtext:
Bild oben,
Die älteste Darstellung des Dorfes Erzingen aus der Zeit um 1835: Eine Lithografie des Malers Johann Martin Morath (1805 bis 1867). BILD: H.R., PRIVAT

Bild unten,
Die Schlacht bei Hohenlinden mit dem siegreichen General Moreau (* 14.02. 1763; † 2.09.1813). Original typogravure von Boussod & Valadon nach Henri Frédéric Schopin, 1893. In Privatbesitz, erworben von der „La Galerie Napoleon, Paris“.

 


im Alb Bote vom 24.11.2012

Großes Interesse an Kromer-Vortrag

Waldshut (luk) Gut besucht war der Bildvortrag über das Leben und Wirken des aus Riedern am Wald stammenden Künstlers und Schriftstellers Heinrich Ernst Kromer. Dieser fand beim November-Monatstreff des Geschichtsvereins Hochrhein im Gasthaus Schwanen in Waldshut statt.

Referent Günter Hoffmann hat sich vorwiegend mit den bildnerischen Werken des Künstlers befasst. Nur einige wenige davon sind zugänglich und die Besitzer hatten diese freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Erfreut hieß Geschichtsvereins-Vorsitzender Manfred Dietenberger auch Mitglieder der Kromer-Gesellschaft aus Riedern am Wald willkommen, die den Vortrag mit Spannung verfolgten. Obwohl Hoffmann mehrfach vergeblich versucht hat, den Nachlass des Künstlers, der sich im Archiv des Landkreises Waldshut befindet, zu sichten und weiteres über den heimischen Künstler herauszufinden, konnte er den Zuhörern ein Bild des größtenteils noch unbekannten heimischen Künstlers vermitteln.

Kromer wurde am 26. September 1866 als Sohn des Bauern und späteren Goldgräbers Dorus Kromer in Riedern am Wald geboren. Nach der Volksschule in Riedern hat er in Konstanz das Gymnasium besucht. Er studierte in München und Heidelberg Jura und Germanistik, brach jedoch sein Studium ab, um sich ganz der Kunst und der Literatur zu widmen. Nach Stationen wie dem Rheinland, Zürich und München zog es ihn wieder nach Konstanz zurück, wo er sich um 1910 niederließ. Literarische Werke wie „Der Ausreißer“ oder die Novelle „Der Hänfling“ konnten, wie auch die bildnerischen Werke, nicht verhindern, dass er während der Kriegsjahre völlig verarmte und immer wieder umziehen musste. Nur durch die Hilfe seiner Frau und seines Vetters konnte er sich über Wasser halten. Er starb völlig verarmt am 5. Mai 1948.

Viele der beim Monatstreffen anwesenden Mitglieder und Gäste nutzten die Gelegenheit, die Malereien und Zeichnungen, die Hoffmann mitgebracht hatte, genauer zu betrachten und mit dem Referenten über Heinrich Ernst Kromer zu diskutieren.


im Südkurier am 16.11.2012

Heimat liegt ihm am Herzen

Ehrenbürger Paul Eisenbeis feiert 85. Geburtstag

Einsatz für das kulturelle Erbe vom Hotzenwald

Großer Tag für Paul Eisenbeis: Der Görwihler Heimatforscher feiert heute bei guter Gesundheit seinen 85. Geburtstag. Auch wenn er gerne etwas tiefstapelt: Der Jubilar wird heute nicht an Gratulationen vorbeikommen. „Man wird halt älter“, sagt er und kommt sofort auf das zu sprechen, was ihn immer noch umtreibt: das Görwihler Heimatmuseum. „Für das Museum bin ich da“, erklärt Eisenbeis. Was aber nicht heißt, dass er sich sonst total zurückgezogen hat. Im Gegenteil: Eisenbeis schreibt regelmäßig Beiträge zum Jahrbuch des Geschichtsvereins Hochrhein – in 2011 war es ein Bericht über die alte Wirtschaft Greifen in Dogern, im Vorjahr über die Aufhebung des Klosters St. Blasien. Seit 1996 ist er als Einungsmeister in Amt und Würden. Für den Förderverein Heimatmuseum Hotzenwald in Görwihl ist er als stellvertretender Vorsitzender und Museumsführer tätig. Im April absolvierte er die 1000. Führung, wofür er viel Lob und Dank erhielt – unter anderem von Alt-Bürgermeister Harald Scheuble, der bemerkte: „Unser Museum ist anerkannt, weil insbesondere die Führungen von Paul Eisenbeis anerkannt sind.“

Eisenbeis hielt seine erste Führung am 14. September 1986 anlässlich der Einweihung des Heimatmuseums. Im Laufe der Jahre ließ sich reichlich Prominenz von ihm das Museum zeigen – unter anderem die früheren Regierungspräsidenten Sven von Ungern-Sternberg und Julian Würtenberger. Für Erzherzog Markus von Habsburg machte Eisenbeis sogar eine Privatführung.

Ohne Eisenbeis würde es das Heimatmuseum mit der einmaligen Sammlung von historischen Gegenständen wohl kaum geben. Als er 1974 über den Martinimarkt ging, entdeckte er am Tisch der katholischen Frauengemeinschaft Haushalts- und landwirtschaftliche Geräte aus vergangener Zeit. „Das geht so nicht“, fand Eisenbeis, „dass alte Stücke hier verramscht werden, die für die Nachwelt dann auf immer verloren sind.“ Der Rest ist Geschichte. Eisenbeis gehörte zu den Gründern des Fördervereins Heimatmuseum Hotzenhaus im Jahr 1975. Zusammen mit Bruno Feige, Günther Romacker und Alfred Frei stoppte er den Ausverkauf des kulturellen Erbes vom Hotzenwald.

Eisenbeis wurde am 16. November 1927 in Oberweier bei Lahr geboren. Dort besuchte er die Volksschule, danach die Oberrealschule in Lahr. 1944 wurde er Luftwaffenhelfer. Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft besuchte er erneut die Schule. In Offenburg legte er 1948 das Zentralabitur ab, ein Jahr später begann er ein Pädagogikstudium. Bis 1952 war er Lehrer in Gurtweil, Binzgen, Horheim und Oberhof. In diesem Jahr heiratete er Hildegard Hofmann. Bis 1966 war er Lehrer in Strittmatt, 1970 wurde er Rektor der Görwihler Grund- und Hauptschule.

1990 trat er in den Ruhestand, der sich jedoch als Unruhestand erwies, denn Eisenbeis wirkte unermüdlich ehrenamtlich weiter – etwa im Deutschen Roten Kreuz, im Pfarrgemeinderat, beim Gemeindeverband der CDU (dessen Gründungsmitglied er ist) oder beim Geschichtsverein Hochrhrein. Seit 1958 ist er zudem als Journalist für den SÜDKURIER tätig. Noch heute verfasst er Berichte über längst vergangene Ereignisse.

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Paul Eisenbeis, hier im Heimatmuseum Görwihl, wird heute 85 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch. Bild: Schütz


im Alb Bote vom 25.10.2012

Geschichtsverein sucht Mitglieder

Hauptversammlung mit einem Vortrag über die Stühlinger Geschichte

Der Geschichtsverein Hochrhein wünscht sich dringend neue Mitglieder. Finanziell steht der Verein wie Rechner Manfred Gallmann in der Hauptversammlung bekannt gab, wieder besser da, obwohl sich das Spendenaufkommen im Vergleich zum Vorjahr um 700 Euro verringerte. Ob Vereinsaustritte einiger Mitglieder als Reaktion auf eine Beitragserhöhung oder Altersbeschwernissen erfolgten, könne allenfalls vermutet werden. Gründe seien in den Kündigungsschreiben nicht genannt worden so Gallmann. Größter Kostenfaktor ist das alljährlich erscheinende Jahrbuch des Vereins. Gut besucht waren laut Schriftführerin Lucia van Kreuningen die Monatstreffen, die immer unter ein geschichtsrelevantes Thema gestellt sind. Referenten treten beim Geschichtsverein grundsätzlich honorarfrei auf.

Als Ziel des nächsten Vereinsausfluges schlug Manfred Dietenberger eine Fahrt zum Madonnenländle Tauberfranken vor. Der Vorschlag kam bei den Versammlungsbesuchern gut an. Als Hommage an das Jubiläumsjahr der Stadt Stühlingen hatte der Geschichtsverein Hochrhein in diesem Jahr zur Jahresversammlung in das Gasthaus „Rebstock“ in die Stühlinger Altstadt eingeladen. Wie gelungen Stühlingen „750 Jahre Stadtrechtsverleihung“ feierte, sei in der Region aufmerksam verfolgt worden, so Vorsitzender Manfred Dietenberger. Der Hauptversammlung vorgeschaltet war ein Gottesdienst in der Klosterkirche mit anschließendem Rundgang durch die geschichtsträchtige Klosteranlage mit Pater Tobias Link. In den Mittelpunkt der Jahresversammlung war ein Vortrag zur Stühlinger Geschichte gestellt. Referentin war Jutta Binner-Schwarz. Mit ihren rudimentären Skizzen gelang ihr die Verknüpfung der Historie mit aktuellen Momentaufnahmen. Komprimiert informativ und kurzweilig gestalteter Geschichtsunterricht, der mit anerkennendem Beifall honoriert wurde. Laut Manfred Dietenbergers Einschätzung, könnte Stühlingen mit den Pfunden aus seiner interessanten Geschichte mehr als bisher wuchern.

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Vor historischer Kulisse: Mitglieder des Geschichtsvereines Hochrhein trafen sich in Stühlingen zur Jahresversammlung, links Manfred Dietenberger Vorsitzender. Bild: Bernauer


im Alb Bote vom 14.9.2012

Gotteshäuser und Kapellen im Fokus

Mitglieder und Freunde des Geschichtsvereins Hochrhein verfolgen gespannt den Vortrag von Referentin Lucia van Kreuningen

„Kirchen und Kapellen im Mittleren Wutachtal“ lautete der Titel des Bildervortrags beim ersten Treffen der Mitglieder und Freunde des Geschichtsvereins Hochrhein nach der Sommerpause. Erfreulich viele Mitglieder und auch Gäste hatten sich zu diesem Vortrag eingefunden.

Referentin Lucia van Kreuningen bot einen Querschnitt der sakralen Geschichte der Gotteshäuser und Kapellen, einige davon sind nur noch in geschichtlichen Unterlagen vorhanden. Das Gebiet erstreckte sich entlang der Bundesstraße B 314 von der Abzweigung Oberlauchringen, Schwerzen und Horheim bis zur Kreisgrenze in Grimmelshofen. Jede Gemeinde hat eine Pfarrkirche oder Kapelle, in denen noch Messen gelesen werden. Einige der Pfarrkirchen sind schon im achten oder neunten Jahrhundert urkundlich erwähnt. Dabei waren die Zugehörigkeiten der Pfarrgemeinden nicht immer so wie heute und viele wunderten sich, zu welchem Sprengel die einzelnen Gemeinden gehört haben. Wie heutzutage die Seelsorgeeinheiten, so waren in der Vergangenheit die Gemeinden zu Pfarrgemeinden, Kirchspielen oder auch Sprengel zusammengeschlossen und wurden von einem Pfarrer, der oftmals weite Strecken zu Fuß bewältigen musste, betreut. Hin und wieder bekamen die Pfarrer Hilfe von Kaplanen die ihnen unterstanden.

Der nächste Monatstreff findet am Donnerstag, 4. Oktober, um 19 Uhr statt. Hans Mies aus Waldshut gibt einen Streifzug durch 150 Jahre Stadtgeschichte unter dem Titel „Wandel in Waldshut vom 19. ins 20. Jahrhundert“.


im Alb Bote vom 27.7.2012

Blick auf ein großes Stück Geschichte

Herbert Fuchs feiert heute seinen 80. Geburtstag. Er hat unter anderem eine Gemeindechronik veröffentlicht

Hohentengen (gt) Herbert Fuchs ist ein Hohentengener Urgestein. Dort geboren und aufgewachsen kennt er seinen Heimatort wie kaum ein anderer. Auf 380 Seiten hat der geschichtsbegeisterte Senior 1992 die Gemeindechronik veröffentlicht. Weitere Bücher und Artikel folgten. Heute wird er 80 Jahre alt und freut sich über ein immer noch aktives Leben.

Wer Herbert Fuchs treffen möchte, findet ihn mit ziemlicher Sicherheit am Rhein. Von Mitte Mai bis Mitte September begibt er sich, und das seit 50 Jahren, fast jeden Tag in den Heimatfluss zum Schwimmen, anschließend geht es meist noch ins Freibad. Da hat er bereits das ausführliche Studium der Tageszeitung, seine Bürotätigkeit mit Heimat- und Ahnenforschung oder das Verfassen von Artikeln und Leserbriefen, hinter sich. Am Nachmittag geht es zu seinem Wildgehege und Fischweiher oder in den Wald zum Holzmachen, mit dem Traktor, versteht sich.

Herbert Fuchs stammt aus einer Landwirtefamilie. Und auch heute noch ist er der Natur stark verbunden, schätzt die Landschaft, die gute Infrastruktur der Gemeinde und möchte vor allem den Rhein nicht missen.

Mit 80 Jahren hat er ein gutes Stück der Geschichte seiner Heimat miterlebt. Wie war das Leben im Dorf früher, wie ist es heute? „Im Grunde hat sich das Leben vollständig gewandelt. Als ich jung war gab es 30 Kleinlandwirte im Ort. Das Leben spielte sich im Freien ab. Die Frauen waren im Garten, die Männer auf dem Feld zu finden. Heute sieht man dort nur noch ein oder zwei Traktoren. Fernsehen gab es nicht, man hatte viel mehr Kontakt zu den Nachbarn und Dorfbewohnern und hat mehr Anteil am Leben der anderen genommen.“ Vor allem den Kindern ging es besser, meint Fuchs. Sie hatten keinen Leistungsdruck und Freizeitstress wie heute.

Nach der Schulzeit haben damals viele ein Handwerk gelernt oder die elterliche Landwirtschaft übernommen, so wie er. Da man damit den Lebensunterhalt für die Familie nicht verdienen konnte, wurde er Hilfsarbeiter, später Postbediensteter und war danach 27 Jahre Gemeinderechner.

Herbert Fuchs gehört zu den Gründern der Narrenzunft und des Verkehrsvereins, war über 25 Jahre bei der Feuerwehr und 57 Jahre aktiv beim Musikverein Hohentengen, der ihn zum Ehrenmitglied ernannte. Er engagierte sich im Genossenschaftswesen und im Gemeinderat. Sein großes Interesse galt immer der Geschichte. Er ist im Geschichtsverein, der historischen Vereinigung Zurzach und macht Führungen durch Kaiserstuhl.

Was wünscht er sich für die Zukunft? „Ich bin zufrieden, mit dem, wie es ist. Dass das noch ein bisschen anhält und gesundheitlich so weitergeht, das wäre mein Wunsch.“ Und für die Gemeinde? „Dass die Infrastruktur erhalten bleibt. Wachsen müssen wir nicht unbedingt. Es ist gut so, wie es ist.“

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Am Vormittag geht es an den Schreibtisch: Aus der Feder von Herbert Fuchs, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, stammen viele Beiträge zur Heimatgeschichte. Bild: Gems-Thoma


im Südkurier am 11.4.2012

Denkmal im Blick der Historiker

Werner Vökt referiert beim Monatstreffen des Geschichtsvereins Hochrhein. Thema ist das umstrittene Kriegerdenkmal in Murg. Diskussion um Erhalt oder Abbau

Murger KriegerdenkmalEinen Abstecher in die jüngere geschichtliche Zeit machte Werner Vökt beim Monatstreffen des Geschichtsvereins Hochrhein. Das Murger Kriegerdenkmal, das im Moment für die Neugestaltung des Gemeindezentrums in Murg die Planer beschäftigt, stand im Zentrum von Vökts Referat.

Schon im Jahrbuch des Geschichtsvereins 2011 hatte er seine Recherchen zu diesem Thema vorgestellt. Mit vielen Fotos und auch einigen Fotomontagen von den Plänen für die geplante Neugestaltung „Murger Dorfmitte“ blickte er zurück in die Vergangenheit und damit in die Entstehungszeit des Denkmals. Im Jahr 1938, also ein Jahr vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, von Bildhauer Hugo Knittel aus Freiburg im Breisgau entworfen und gestaltet, steht dieses 5,25 Meter hohe Denkmal vor der Murgtalschule, die im Jahr 1912 errichtet wurde.

Für die Machthaber der damaligen Zeit war die Erstellung und Platzierung dieses Denkmals sicher eine willkommene Propagandamöglichkeit. Darauf lässt auch die Organisation der Einweihung am 28. August 1938 schließen, bei der viel nationalsozialistische Prominenz anwesend war. Wie sehr die nationalsozialistische Idee in diesem Denkmal verherrlicht wurde und wird, zeigen die kriegerischen Gestalten, die vom Bildhauer geschaffen wurden. Sicher war dies auch so gewünscht, denn die kurze Rückschau Vökts auf das Lebenswerk von Knittel lässt den Schluss zu, dass politischer Druck bei der Gestaltung nicht ausgeblieben war. Auf einer vorgelagerten Treppe vor dem Schulhaus erhebt sich ein wuchtiger Sockel mit eisernem Kreuz und Widmung der Gemeinde. Zu beiden Seiten stehen die Namen der Gefallenen. Auf dem Sockel erhebt sich eine 3,85 Meter hohe Figurengruppe, zwei Soldaten, Schulter an Schulter. Der eine Soldat ist mit einem Gewehr ausgerüstet, der andere hält eine Handgranate.

Die anschließende Diskussion zeigte bei den anwesenden Mitgliedern des Geschichtsvereins, dass hier Stoff für Diskussion vorhanden war. Einig waren sich jedoch die Anwesenden, dass das Denkmal zwar als Mahnmal für diese schreckliche Zeit erhalten werden sollte, doch sollte es einer Neugestaltung der Dorfmitte auf keinen Fall im Wege stehen.

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Das 1938 enthüllte Murger Kriegerdenkmal, das sich in der Mitte des Schulhofes der Murgtalschule befindet, sorgt für Diskussionen.


im Alb Bote vom 9.3.2012

Erinnerung an NS-Opfer

Waldshut (luk) Einen ungewöhnlichen Ausflug in die Geschichte unternahmen die Mitglieder und Gäste des Geschichtsvereins Hochrhein bei ihrem Monatstreff im März im Gasthaus Schwanen in Waldshut. Eine Audio-Video- Präsentation über ein eher dunkles Thema der Geschichte, die Zeit des Nationalsozialismus und die Verfolgung von Mitmenschen, besonders Menschen die den Sinti und Roma angehörten, hatte Referent Manfred Dietenberger vorbereitet. Einer dieser vielen Fälle betrifft den damaligen 17-jährigen Anton Reinhardt, der seine Kindheit in Waldshut verbrachte. Bereits im Jahrbuch des Geschichtsvereins Hochrhein, das im Dezember 2011 erschienen ist, ist der Artikel über die Recherchen von Manfred Dietenberger nachzulesen. Die Nähe des Datums des gewaltsamen Todes von Anton Reinhardt am Karsamstag 1945 mag in Anlass für diesen Vortrag gewesen sein. Seine Ermordung durch die Nazis jährt sich zum 67. Mal. Es ist Referent Manfred Dietenberger gelungen, für diesen Vortrag einige Szenenbilder und Texte der Aussagen während der Vernehmung aus einem Dokumentarfilm, der im NDR-Fernsehen und bei Arte vor einiger Zeit ausgestrahlt worden war, zu bekommen. Noch sehr präsent war diese schwere Zeit, über die nicht gerne gesprochen wird. In der anschließenden Aussprache, stellte sich heraus, dass doch noch einige der Anwesenden die Familie, ja sogar Anton Reinhardt als Kind gekannt haben. Dietenberger wird weiter versuchen, mehr über das Schicksal und das kurze Leben dieses Opfers des Nazi-Regimes zu erfahren.


im Alb Bote vom 20.12.2011

Feines Gespür für alte Grabsteine

Vortrag und Fragestunde des Geschichtsvereins Hochrhein stößt auf reges Interesse

Waldshut (ctr) Manfred Dietenberger, der langjährige Vorsitzende des Geschichtsvereins Hochrhein, lobte die zahlreich erschienenen Gäste und Mitglieder, denn „die Nikolausstände in der Fußgängerzone hätten doch auch ihren Reiz gehabt an diesem Abend“, meinte er schmunzelnd. Doch diesmal stand eine freie Fragestunde im Gasthaus Schwanen in Waldshut auf dem Programm.

Interessante Fragen zur Entstehung der Nachnamen wurden gestellt, ebenso Fragen zur Burg Hauenstein. Diese Fragen wurden fachkundig von Redmann Heinrich Dold aus Dogern sowie Geschichtskundler Hans Gassmann beantwortet.

Abgerundet wurde der Abend mit einem Diavortrag von Joachim Hartbaum. Der Ingenieur aus Dangstetten hat mit viel Gespür alte Grabsteine aus der Region abfotografiert, welche mit geheimnisvollen Steinmetzzeichen versehen sind.

Am Ende der lebendig geführten Veranstaltung konnten die Mitglieder des Vereins das druckfrische Buch mit dem Titel „Land zwischen Hochrhein und Südschwarzwald“ stolz mit nach Hause nehmen. Der nächste Monatstreff für geschichtsinteressierte Gäste und Mitglieder des Vereins wird an gleicher Stelle erst wieder stattfinden am 2. Februar 2012 um 19 Uhr.

Referent an diesem Abend ist Manfred Emmerich aus Tiengen zum Thema „Kriegsende 1945: Ereignisse und Erlebnisse in unserer Heimat“. Auf der Website www.geschichtsverein-hochrhein. de können alle aktuellen Informationen sowie die bisherigen Tätigkeiten des Geschichtsvereins abgerufen werden. Zusätzlich bietet der „Newsletter“aktuelle Informationen.

Bildtext:

Referent Joachim Hartbaum im Gespräch mit dem Vorsitzenden, Manfred Dietenberger aus Waldshut.
BILD: CLAUS TRÖNDLE


im Alb Bote vom 26.11.2011

Was uns Bäume erzählen können

Hobby-Historiker Herbert Fuchs präsentiert neues Buch

2000 Jahre aus der Sicht von Eichen

Auswirkungen der Weltgeschichte auf die Region

Herbert Fuchs, BäumeHohentengen – „Die alten Eichen erzählen – 2000 Jahre Geschichte am Hochrhein.“ So heißt das neue Werk des passionierten Hobby-Historikers Herbert Fuchs, das noch vor Weihnachten erscheinen soll. Von den Kelten bis zur Jetzt-Zeit wird auf 200 Seiten ein Abriss der Weltgeschichte und deren Auswirkungen auf die hiesige Region gegeben, vom Autor mit persönlichen Kommentaren im „Gewand“ einer Eiche moralisierend bewertet und kommentiert.

Herbert Fuchs ist 79 Jahre alt und ein Geschichtsmensch. Schon immer hat ihn die große Geschichte, vor allem aber auch die Geschichte in seiner Region interessiert und dabei ganz besonders, wie die Menschen in ihrer Zeit gelebt, gedacht und gefühlt haben.

Die Gemeindechronik „Hohentengen – Geschichte und Geschichten“, „Ein Dorf in der Kriegs- und Nachkriegszeit“, das mittlerweile vergriffene Werk über „Die alten Höfe auf dem Südranden“, Kirchengeschichte, eine Sammlung der Flur- und Wegkreuze, zahlreiche Beiträge für die Jahrbücher des Geschichtsvereins wurden von ihm veröffentlicht. Damit wollte er es eigentlich genug sein lassen.

Allerdings reizte es ihn dann doch, zu den realen Ereignissen der Geschichte persönlich Stellung zu nehmen – und er kam auf die Idee, stellvertretend für den Autor alte Eichenbäume sprechen zu lassen. Während ihrer Lebenszeit haben die mächtigen, uralten Bäume viele Jahrhunderte gesehen, so manche Gespräche belauschen können und abseits am Wegesrand stehend, das Geschehen aus der Distanz beobachtet.

Vor gut einem Jahr schrieb Herbert Fuchs die ersten Seiten nieder, angefangen mit der keltischen Besiedelung des Hochrheins. Vertreibungen, Herrscherwechsel, Revolutionen, Kriege, aber auch friedliche Zeiten werden skizziert – und das menschliche Treiben teilweise „kopf“-schüttelnd von den Eichen betrachtet und kommentiert. Oft können die standhaften Bäume die Irrungen des menschlichen Verstandes nicht nachvollziehen.

Exkurse zu Religion und Moral finden sich in dem Buch ebenso wie fiktive Gespräche von Zeitgenossen.

„Die Sache hat mir enormen Spaß gemacht“, bekennt der Autor und Herbert Fuchs freut sich jetzt doch, dass wieder ein Werk erscheinen kann.

Das Buch endet in der Gegenwart, im Hier und Jetzt, mit einem Ausblick in die Zukunft und auf die Herausforderungen die sich ankündigen: Finanzkrise, Abschied von der Kernenergie, Überalterung, Lohngerechtigkeit, Nachwuchsmangel.

Übrigens stehen die alten Eichen immer noch. Zu finden sind sie im Westen von Hohentengen, in der Fortsetzung der Hansengel-Straße, wo es zum Rheinufer und Schloss Rötteln geht.

Das reich bebilderte Buch soll in absehbarer Zeit bei Autor Herbert Fuchs sowie in den regionalen Buchhandlungen erhältlich sein.

Bildtext:

Viele hundert Jahre haben die Eichen miterlebt, wie auch dieser Baum, oberhalb des Rheins auf Hohentengener Gemarkung gegenüber dem schweizerischen Kaiserstuhl. In seinem neuen Buch ist Herbert Fuchs Sprachrohr der mächtigen Bäume, die 2000 Jahre Geschichte am Hochrhein Revue passieren lassen.
BILD: GEMS-THOMA


im Südkurier am 15.11.2011

Auf den Spuren des Bergbaus in der Region

Mitglied Franz Falkenstein informiert beim Monatstreff des Geschichtsvereins Hochrhein über einstige Gruben. Die meisten sind heute zurückgebaut

Waldshut (luk) Im Zeichen des Geologen, Professor Rudolf Metz, stand der Monatstreff des Geschichtsvereins Hochrhein im Gasthaus Schwanen in Waldshut. Mitglied Franz Falkenstein aus Dogern war der Referent des Abends. Er führte „im wahrsten Sinne des Wortes“, wie er sich ausdrückte, in den Abgrund.

Rudolf Metz und Ludwig KühnerVor fast genau 20 Jahren ist Professor Metz gestorben. Er wurde 1923 in Karlsruhe geboren, machte 1942 sein Abitur in Freiburg, es folgte 1948 das Studium in Freiburg, 1952 die Promotion über eine petrographisch-lagerstättenkundliche Arbeit. Von 1952 bis 1956 war er Assistent am Mineralogischen Institut in Freiburg, nahm 1958 die Tätigkeit am Geologischen Institut der TU Karlsruhe auf und erhielt die Lehrberechtigung an Hochschulen im Jahr 1971. 1983 übernahm er die Professur. Im Jahr 1988 trat Metz in den Ruhestand und am 18. Oktober 1991 verstarb er überraschend. Franz Falkenstein hatte umfangreiches Dia-Material mitgebracht und ließ so die Anwesenden an seinem Wissen teilhaben. Falkenstein berichtete, dass er selber das Glück hatte, an Exkursionen, die von Professor Metz veranstaltet wurden und sehr beliebt waren, teilzunehmen. Dabei seien einige der Dias entstanden.

Falkenstein selbst war, wenn sich ihm Gelegenheit bot, in verschiedene Gruben geklettert und hat diese erforscht. So konnten die Mitglieder des Geschichtsvereins etwas über die verschiedenen Gruben im Hotzen- und Schwarzwald erfahren, auch wenn es aus der Zeit vor dem mittelalterlichen Erzabbau in dieser Gegend keine schriftlichen Aufzeichnungen mehr gibt. Besonders eindrucksvoll schilderte Franz Falkenstein auch die Entstehung solcher Erzlager, von denen heute noch einige Namen bekannt sind.

Die meisten der Gruben sind heute zurückgebaut und nicht mehr zugänglich, ja der Spaziergänger wird nicht einmal mehr erkennen, wo diese unter dem Gebüsch oder Moos zu finden wären. Namen wie Grube Hermann im Schwarzenbächle, etwa fünf Kilometer südöstlich von Todtmoos oder die Grube Gottesehre bei Urberg sind zwar heute noch bekannt, doch ist nur in Todtmoos ein Schaubergwerk noch zugänglich.

Den Abschluss dieses Diavortrags machte noch ein fotografischer Abstecher in die Abbaustollen der Mühlsteine auf dem Waldshuter Gebiet sowie die Dias, die beim Bau des Heidegger-Tunnels in Tiengen entstanden sind. Dort hatte Franz Falkenstein einen Gang entdeckt und konnte diesen selbst erforschen. Dabei fand er sogar Überreste eines Sauriers.

Dieser Vortrag in die Geschichte der Geologie hat gezeigt, dass in unserer Heimat in früheren Zeiten zwar immer wieder große Armut geherrscht hat, doch war sie auch reich an Bodenschätzen, die natürlich längst ausgebeutet sind.

Bildtext:
Das Foto zeigt Professor Rudolf Metz, links, zusammen mit Ludwig Kühner, ehemaliges Mitglied des Geschichtsvereins Hochrhein am Todtnauer Berg im Jahr 1985.
BILD: FALKENSTEIN


im Alb Bote vom 12.10.2011

Mitgliedschaft kostet künftig 50 Euro

Die Erhöhung des Jahresbeitrags des Geschichtsvereins Hochrhein sorgt für Diskussionen. Sie geht bei der Hauptversammlung dennoch durch

Hochrhein (Rvk) Die Erhöhung des Jahresbeitrags um gleich zwanzig Euro, von dreißig auf fünfzig Euro, beschäftigte die Gemüter der anwesenden Mitglieder bei der Hauptversammlung des Geschichtsvereins Hochrhein im historischen Gasthaus Adler in Görwihl. Dennoch wurde die Erhöhung beschlossen. Es gab aber zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen.

Einen Rückblick auf die Aktivitäten des vergangen Jahres gab Schriftführer Werner Schreiber. Die unterschiedlichsten Themen prägten die Treffen der Geschichtsfreunde. Ein Höhepunkt war der Besuch in Tübingen, der Melanchtonstadt. Kassierer Manfred Gallmann berichtete anschließend über den Zustand der Kasse. Leider überstiegen in diesem Jahr die Ausgaben die Einnahmen und Gallmann erinnerte die Mitglieder daran, dass bereits ein Antrag auf Angleichung des Mitgliedsbeitrages, der zuletzt 2002 angepasst wurde, auf der Tagesordnung steht. Die Kassenführung sowie die Vorstandschaft wurden einstimmig entlastet. Aus den Reihen der Mitglieder kam im Rahmen der Aussprache die Frage nach der Entwicklung des Mitgliederstandes. Vorsitzender Manfred Dietenberger musste erklären, dass dieser leider durch Todesfälle rückläufig sei. Er bat darum, dass die Mitglieder verstärkt in ihrem Umfeld Mitglieder werben sollten. Einen besonderen Dank sprach Dietenberger an Ute Beck, Werner Schreiber und Manfred Emmerich aus, die auf eigenen Wunsch ihre Tätigkeiten im Vorstand beendeten.

Die Entlastung des Vorstandes übernahm Günter Hoffmann. Herbert Fuchs erklärte sich bereit, die Leitung der anschließenden Vorstandschaftswahl zu übernehmen. Dietenberger konnte in seinem Amt bestätigt werden, erklärte aber, dass dies seine letze Amtszeit sein werde. Auch der Kassierer Manfred Gallman und Beisitzer Franz Falkenstein konnten wiedergewählt werden. Für die vakante Position des Schriftführers wurde Lucia van Kreuningen von den Mitgliedern in das Amt gewählt. Als Ersatz für den verstorbenen Beisitzer Franz Leber wurde Günter Hoffmann in die Vorstandschaft gewählt.

Für das kommende Jahr strebt Manfred Dietenberger eine dreitägige Herbstausfahrt zusätzlich zur Frühjahrsausfahrt an.

Bildtext:

So sieht der neue Vorstand des Geschichtsvereins Hochrhein aus (von links): Manfred Gallmann (Kassierer), Franz Falkenstein (Beisitzer), Manfred Dietenberger (Vorsitzender), Günter Hoffmannn (Beisitzer) und Lucia van Kreuningen (Schriftführerin). Manfred Emmerich (rechts) und Werner Schreiber (2. von links) schieden aus.

Bild: Rh. v. Kreuningen


im Alb Bote vom 14.9.2011

Bekannte Familien aus Waldshut

Waldshut (luk) Einen Abstecher in die Geschichte von bekannten Familien aus Waldshut unternahmen die Mitglieder des Geschichtsvereins Hochrhein bei ihrer ersten Zusammenkunft nach der Sommerpause. Treffpunkt war der alte Friedhof und die von Adam Tröndlin im Jahre 1683 erbaute Gottesackerkapelle sowie die noch erhaltenen Grabstätten von bekannten Waldshuter Familien. Stadtführerin Karin Lindemann machte besonders deutlich, dass die Geschichte in Waldshut einiges für die jüngeren Generationen zu bieten hat. Handel und Gewerbe in Waldshut waren schon früher erfolgreich. Wie „rollende Kieselsteine in der Geschichte von Waldshut“, wie Karin Lindemann dies ausdrückte, fügten sich die zum Teil noch heute bekannten Namen von Unternehmern zu einem Bild aus vergangenen Zeiten. Dass natürlich auch Armut vorhanden war, besagten die vielen Stiftungen und Armenfürsorgeeinrichtungen über die Lindemann erzählte. Eine ganze Reihe von Stiftungen, in der Hauptsache Stiftungen von damals vermögenden Geschäftsfrauen, konnte Karin Lindemann aufzählen. Besonders beeindruckt waren die Zuhörer von der Geschichte der kleinen taubstummen Elise Rain, die 1877 als uneheliche Tochter einer Magd im Spital geboren wurde und mit der Hilfe der Spitalstiftung sogar nach Meersburg zur Ausbildung kam. Oft musste die Witwe eines Handwerkers oder des viel zu früh verstorbenen Fabrikanten das Geschäft ohne Vorbereitung weiterführen. Galt früher doch, dass die Frauen den Haushalt zu führen und die Kinder zu gebären hatten, jedoch von jeglicher Ausbildung in geschäftlichen Belangen ausgeschlossen waren.

Dass jedoch hinter jedem erfolgreichen Handwerker oder Industriellen eine geschäftstüchtige Frau stand und meist auch heute noch steht, hat oft den handwerklichen Betrieb für die nachfolgende Generation und damit den Fortbestand der Dynastie gerettet.

Die Zuhörer zeigten großes Interesse an der Geschichte des Waldshuter „Intelligenz Blattes“ und den Erzählungen über die Gründerfamilie Andreas Maier. Auch hier war es die Witwe Anna Maier, diedie Firma weitergeführt hat. Zeigte diese Geschichte doch auf, wie die heute noch bestehenden Zeitungen Alb-Bote und SÜDKURIER entstanden sind.


im Alb Bote vom 16.3.2011

Schloss im Mittelpunkt

Beim jüngsten Treffen des Geschichtsvereins stand das Gurtweiler Schloss im Mittelpunkt eines Bildvortrages.

Waldshut (eis) Beim jüngsten Treffen des Geschichtsvereins stand das Gurtweiler Schloss im Mittelpunkt eines Bildvortrages. Dabei nannte Referent Hans Bernhard aus Waldshut, der sich jahrelang mit der Geschichte von Schloss und Propstei sehr intensiv beschäftigt hatte, diese Gebäudeeinheit ein besonderes Kulturgut der Region.

Auf dem Platz des Schlosses stand schon in römischer Zeit eine Villa rustica, ein stattlicher Bauernhof. Um 700 war dort ein fränkisches Mustergut, ehe Ritter sich dann dort eine Burg erbauten. Diese kam 1502 an die aus der Schweiz stammenden Heidegger. Mehrere Vertreter dieses Geschlechts waren in Waldshut auch Waldvögte (heute etwa Landräte). Nach einem Brand im Jahr 1600 baute Ritter Hans Ludwig von Heidegg die Burg als Wasserschloss wieder auf. Der Landgraben lieferte das Wasser für den tiefen Graben rund um die Burg. Als die Heidegger in männlicher Namensfolge ausstarben, erwarb das Kloster St. Blasien das Schloss samt Dorf Gurtweil 1646 für 44 000 Gulden.

Ein Großbrand im Jahr 1660 äscherte das Schloss bis auf die Grundmauern ein, dazu noch 13 Häuser des Dorfes. Abt Franz I. von St. Blasien ließ das heutige Schloss mit der noch vorhandenen Kapelle neu aufbauen. Patres der Abtei wurden eingesetzt zur Versehung der Pfarrei Gurtweil und zur Verwaltung der in der Umgebung befindlichen sanktblasischen Güter. Das Kloster nannte diese Verwalter Pröpste und führte das Ganze unter dem Namen Propstei Gurtweil bis zur Aufhebung durch den neuen badischen Staat 1806.

Das Schlossgebäude in Gurtweil wurde unter Abt Blasius Bender barockisiert. Ein Teil der Innenräume zeigt heute noch kunstvolle Stuckdecken mit herrlichen Gemälden. Zu den Kunstwerken zählt auch der einmalige „Kaiserofen“, 1725 erstellt, vielleicht in Grafenhausen, Meister unbekannt. Die über hundert blau gemalten Kacheln zeigen griechische Philosophen und Dichter, römische Kaiser, deutsche Kaiser und Könige, Habsburger mit ihren Gemahlinnen. Wer hat schon –wie Hans Bernhard – sämtliche Kacheln einzeln fotografiert und die Lebensgeschichte aller gezeigten Persönlichkeiten mit den Bildern aufgezeichnet?

Mit der Aufhebung des Klosters St. Blasien 1806 fiel auch sein Besitz in Gurtweil an den badischen Staat. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 zogen österreichische Soldaten im Kampf gegen Napoleon durch das Hochrheintal. Viele erkrankten an Typhus. Im leerstehenden Gurtweiler Schloss wurde ein Lazarett eingerichtet. Über 3000 der Soldaten starben hier und wurden innerhalb der Schlossmauern beerdigt.

Der letzte Teil des mit großem Beifall aufgenommenen Referates galt der Neuzeit des Schlosses und seiner Verwendung als „Rettungsheim für gefährdete Mädchen“, Erziehungsheim für rund 75 Mädchen mit eigener Volks- und Berufsschule bis zu den heutigen Caritaswerkstätten Hochrhein.


im Alb Bote vom 2.3.2011

Vor 25 Jahren

Dogern – Ein um das schulische und kulturelle Leben von Dogern höchst verdienstvoller Mann, Rektor i.R. Anton Englert, starb am 1. März 1986 im Alter von 76 Jahren. Der in Freiburg ausgebildete Pädagoge war 1934 nach Dogern gekommen, wo er 1935 seine Berufskollegin Johanna Heim heiratete, die in Kadelburg unterrichtete. Drei Töchter gingen aus der Ehe hervor. 1940 wurde Englert einberufen und kam 1943 in Tunesien in amerikanische Gefangenschaft. 1947 kehrte er nach Dogern zurück, wo er anfänglich bis zu 180 Kinder zeitweise allein unterrichten musste. Von 1963 bis 1978 leitete Englert die Schule. Außerhalb der Schule war Englert für den Dogerner Männerchor tätig, inszenierte Laienspiele, war Gründungsmitglied der Dogerner Narrenzunft und des Geschichtsvereins Hochrhein.


im Alb Bote vom 30.12.2010

17 Aufsätze über den Hochrhein

Verein legt Jahresband 2010 mit 17 teils reich bebilderten Aufsätzen über Geschehnisse im Kreisgebiet vor

das Münzwesen in WaldshutWaldshut (eis) Beim jüngsten Treff des Geschichtsvereins Hochrhein konnte Vorsitzender Manfred Dietenberger den Jahresband 2010 vorstellen. In 17 meist reich bebilderten Aufsätzen von 13 Autoren birgt die 135 Seiten starke Schrift wieder Interessantes aus der Geschichte des Kreisgebietes.

In seiner Suche nach Kleindenkmalen stellt Franz Falkenstein die noch vorhandenen Grenzsteine von Waldshut vor. Über die historischen Grabdenkmäler auf dem alten Kirchhof in Hohentengen berichtet Herbert Fuchs, sen. Am deutschen Rheinufer zwischen Hohentengen und Lienheim liegt die Ruine „Weißwasserstelz“. Über die Rechte und den Besitz der ehemaligen Burgherren gibt Eugen E. Sigg in einer längeren Abhandlung Kunde; weiter schreibt er über den Besitz des Frauenklosters Berau in Lienheim. Günter Hoffmann erläutert mit Farbaufnahmen die Votivbilder der St.Cyriak-Kapelle auf dem Dürrenbühl bei Grafenhausen-Rothaus; ein weiterer Aufsatz gilt den ehemaligen Glasträgern im Schwarzwald. Derselbe Autor widmet einen Beitrag der nach einer Kinderlähmung mit dem Mund malenden Künstlerin Irene Schricker aus Tiengen (1927-1991). Den 50-jährigen Kampf der Kirchengemeinde Murg um eine neue Pfarrkirche lässt Konrad Lüthy nachempfinden, und Richard Kaiser erinnert mit einem Aufsatz „Vom Dorf zur Stadt“, dass das ehemals selbständige Obersäckingen gerade vor 75 Jahren der Stadt Säckingen einverleibt wurde. Was sich in den beiden Jahren 1806 / 1807 bei der Aufhebung des Klosters St. Blasien in dieser damals fürstlichen Abtei abspielte, belegt mit reichem Zahlenmaterial Paul Eisenbeis. Er erinnert in einem weiteren Beitrag über den Expressionisten August Babberger (1885-1936), dessen Mutter eine echte Hotzenwälderin aus Strittmatt war. Von dem seltenen Fund in einem Zürcher Archiv über einen Großbrand Anno 1581 in Krenkingen berichtet Manfred Emmerich. Dann lässt Silvia C. Baumgartner das große Fest der Fahnenweihe in Kadelburg vom 27. bis 29. Mai 1922 lebendig werden. Manfred Dietenberger erinnert an die Zeit, „Als die Waldshuter ihr Geld noch selber prägten“. Einen Beitrag zur neueren Stadtgeschichte liefert Hermann Oesterle mit der „Schulspeisung in Tiengen von Januar 1947 bis Mai 1950“.

Ein ungeklärtes Ereignis, das mit dem Tod eines Murger Soldaten im 1. Weltkrieg auf der Fahrt zu einem Heimaturlaub im Zug endete, skizziert Werner Vökt, und schließlich hält Lucia van Kreuningen die Jahresexkursion 2010 des Vereins nach Oberschwaben fest.

Erhältlich ist der Band 2010 des Geschichtsvereins in den Buchhandlungen Fleck/Waldshut, Kögel in Tiengen und „Gallusturm“ in Bad Säckingen.

Bildtext:
Illustration zum Beitrag über das Münzwesen in Waldshut.
Repro: Dietenberger


im Alb Bote vom 14.12.2010

Auf der Suche nach den Vorfahren

Werner Vökt aus Murg berichtet beim Monatstreff des Geschichtsvereins über seine Ahnenforschung

Waldshut (luk) Wie sah das Söldnerwesen im 18. Jahrhundert aus? Dieser Frage ging Werner Vökt aus Murg bei seinem Referat anlässlich des Monatstreffs des Geschichtsvereins Hochrhein im Dezember nach.

Angefangen haben die Recherchen von Werner Vökt bei der Suche nach seinen Vorfahren, also der Ahnenforschung. Hierbei stieß Vökt auf einen Eintrag im Taufbuch von Obersäckingen über einen Jakob Vökt, der 1783 in Alexandria, so die Eintragung im Taufbuch verstorben war. Wie Vökt nun berichtete, suchte er dieses Alexandria lange Zeit vergebens, bis er auf einen Vermerk auf Italienische Schreibweise aufmerksam wurde. Gemeint war der italienische Ort Alessandria und damit auch die dort noch bestehende Zitadelle. Eine Reise zu diesem Ort und der Besuch des dortigen Archivs brachten für ihn umfangreiche Erkenntnisse über die Soldaten des „Regiment Royal Allemand“.

Wie aber kommen nun Soldaten aus unserer Gegend zu diesem Regiment, auch dieser Frage war Werner Vökt nachgegangen und konnte feststellen, dass Soldaten aus Wallbach, Säckingen, Schwaderloch, Birkendorf, Ühlingen in den Verzeichnissen zu finden waren. Die damalige Zeit der Unruhen in der Heimat, auch das Bestreben von sogenannten „Werbern“ mögen dazu beigetragen haben, dass sich meist junge Männer zu diesen Regimentern verpflichtet haben. Feststellen konnte Vökt auch, dass sehr viele dieser Soldaten nicht lange bei diesem Regiment Royal Allemand ihren Dienst absolvieren konnten. Allein im Jahr 1760 starben 62 Soldaten im ersten Dienstjahr. Bei einer Regimentsstärke von 1000 Soldaten eine beträchtliche Zahl. Sehr gut gegangen war es den Soldaten auch im Jahr 1782 vermutlich nicht, denn die Verzeichnisse berichten von 120 desertierten Soldaten. Noch heute gibt es in Alessandria diese Zitadelle und sie wurde vom Militär noch bis zum Jahr 2007 für militärische Zwecke genutzt.

Sehr aufmerksam lauschten die trotz Schnee und Kälte zum Treff erschienen Mitglieder und Gäste des Geschichtsvereins Hochrhein den Ausführungen von Werner Vökt. Im Anschluss erhielten die Mitglieder das neue Jahrbuch des Geschichtsvereins, das ebenso mit viel Spannung erwartet worden war.


im Alb Bote vom 9.9.2010

Geschichten aus düsteren Zeiten

Herbert Fuchs aus Hohentengen referiert beim Geschichtsverein über schlechte Zeiten

Waldshut (eis) „Der Mensch neigt dazu, die Vergangenheit zu glorifizieren. Wer hat nicht schon von der guten, alten Zeit geredet? Wie schön es doch unsere Vorfahren gehabt haben“, so Herbert Fuchs sen. aus Hohentengen bei seinem jüngst herzhaft gehaltenen Referat beim Geschichtsverein Hochrhein in Waldshut. Dabei fand er gar nicht so viel Gutes in seinem Rückblick auf früher.

Er erinnerte an Missernten und Hungersnöte, an die vielen Kriegszeiten mit Plünderungen, an Seuchen und Krankheiten und belegte diese vergangenen Epochen mit Zahlenmaterial. Anno 1511starben in der nicht einmal tausend Einwohner zählenden Stadt Waldshut 568 Menschen an der Pest. 1634/35 raffte die Pest ein Fünftel der Bevölkerung des Gebietes um Hohentengen dahin. Die in den 1840er Jahren aus Irland eingeschleppte Kartoffelfäule hatte bei uns eine große Hungersnot im Gefolge. Viele Menschen starben vorzeitig, viele wurden aus der Not gezwungen, nach Amerika auszuwandern.

Fürchterliche Unwetter und Hagelschläge wurden früher nicht als Naturkatastrophen angesehen. Hexen waren daran schuld. Verdächtigt waren vor allem Frauen schnell. Viele sagten unter grausamen Folterungen zu, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. So starben im letzten Hexenprozess in unserer Gegend im nahen Wasterkingen (Schweizer Nachbardorf von Günzgen) im Jahr 1701 noch acht Personen durch den Henker.

Der Referent ließ die obrigkeitliche Willkür früherer Zeit noch einmal aufleben in Prozessen um Leib und Leben mit dem Abhacken von Gliedmaßen bis zum Augenausstechen. Nicht zu vergessen auch die als drückend empfundene Leibeigenschaft mit den schweren Abgaben im Todesfall. 1730 lebten in der Grafschaft Hauenstein rund 20 000 Menschen; 11 500 davon waren allein Leibeigene des Klosters St. Blasien.

Hatte eine Familie einst zehn oder zwölf Kinder, war die Armut in den meisten Fällen vorprogrammiert. Da gab es keine Hilfe wie heute. Und die Arbeit wurde mehr als gering bezahlt. „Früher musste ein Mann für einen Doppelzentner Weizen eine Woche arbeiten – heute schafft er das in einer Stunde“, so Herbert Fuchs und weiter: „So gut, wie es uns heute geht, hatte es noch keine Generation zuvor.“


im Alb Bote vom 1.9.2010

Auf Pfaden einer Kaufmannsfamilie

Geschichtsverein Hochrhein auf Exkursion in Ravensburg

Der Geschichtsverein Hochrhein in RavensburgKreis Waldshut (luk) Auf die Spuren der Kaufmannsfamilie Humpis aus Ravensburg begaben sich die Mitglieder des Geschichtsvereins Hochrhein bei ihrer diesjährigen Herbstexkursion.

Ziel war die Stadt Ravensburg, die im Jahr 1088 erstmals urkundlich erwähnt wurde. An der Reiseroute lag der Ort Goldbach mit der kleinen Kapelle St. Sylvester, wo der erste Halt gemacht wurde. Trotz des leichten Regens lauschten die Teilnehmer vom Hochrhein den Ausführungen von H. Börnert über die Geschichte und vielen Renovierungen dieses kleinen sakralen Bauwerks.

Bei der Weiterfahrt nach Weingarten klärte sich dann auch der Himmel auf und einer Führung mit Besichtigung der Basilika unter der Leitung von Professor Norbert Feinäugle stand nichts mehr im Wege. Der zweite Tag gehörte ganz der Stadt Ravensburg mit ihrer wechselvollen Geschichte. Ravensburg war bis 1803 eine freie Reichsstadt. Die Geschichtsfreunde vom Hochrhein erfuhren, dass der Kern der Stadt als Burgsassen-Siedlung unterhalb der mächtigen Stammburg der Welfen auf dem Höhenrücken zwischen Flappach und Schussental entstanden war. Geschichtlich festgehalten ist, dass die erste Burg der „Welfen“ in Altdorf-Weingarten stand, bevor diese etwa um 1050 eine neue, größere Burg, die „Ravensburg“ errichteten. Heute heißen die Reste der Burg „Veitsburg“ nach dem Schutzpatron der damaligen Burgkapelle St. Veit. Ein Höhepunkt der Exkursion war jedoch der Besuch des „Humpis-Quartiers“, das heute das Stadtmuseum beherbergt. Das Quartier wurde in den vergangenen Jahren aufwendig restauriert und umfasst sieben Häuser. Das ehemalige Wohnhaus der Kaufmannsfamilie Humpis erzählt die Geschichten der einstigen Bewohner. Der dritte und letzte Tag der Exkursion gehörte der jüngeren Geschichte. Auf dem Heimweg machten die Geschichtsfreunde noch einen Abstecher in die Schweiz und zwar zum Arenenberg in der Gemeinde Salenstein im Kanton Thurgau. Die einstige Residenz der vormaligen holländischen Königin Hortense de Beauharnais und des späteren französischen Kaisers Napoleon III. fand großes Interesse der Teilnehmer.

Bildtext:
Ein Besuch der Basilika in Weingarten durfte bei der Exkursion des Geschichtsvereins Hochrhein natürlich nicht fehlen. Bild: van Kreuningen


im Alb Bote vom 20.5.2010

Geschichte als Schatzsuche

Herbert Fuchs ist passionierter Hobby-Historiker

Zehn Jahre lange Recherche für Gemeindechronik

Hohentengen – Was macht Geschichte lebendig? Die Schilderung der Menschen hinter den bloßen Fakten, Einblicke in ihre Lebensbedingungen, ihre Schicksale, die Frage, was sie bewegt hat. Einer, der gerne auf den Spuren vergangener Tage wandelt und sich vor allem für das „Menschliche“ historischer Zeiten interessiert ist Gemeindechronist Herbert Fuchs.
Geschichte, das hat ihn eigentlich schon immer fasziniert. Warum? Darüber hat der umtriebige Pensionär noch nicht nachgedacht. Wenn er durch die Umgebung streift und einen alten Mauerrest entdeckt, ist sein Interesse geweckt. Die „Schreiberei“ begann mit dem Verfassen der 380 Seiten langen Gemeindechronik. Zehn Jahre hat Herbert Fuchs dafür recherchiert, zunächst nur für sich, ohne Absicht, die Geschichte in Buchform zu bringen. Auf diese Idee brachten ihn erst Kollegen aus den Geschichtsvereinen.
Als der ehemalige Gemeinderechner pensioniert wurde, hatte er mehr Zeit, seinem großen Hobby nachzugehen – und sein Wissen auch zu Papier zu bringen. „Ich bin in diesem Sinne kein Historiker. Was ich hier vor Ort kenne, darüber vertiefe ich mein Wissen und schreibe es auf. Über eine fremde Gemeinde schreiben, das könnte ich nicht. Da fehlt Herbert Fuchs Hohentengenmir das Herzblut, die Verbindung zum Ort.“
Faszination, Engagement, mitfühlendes Erleben – das alles spürt der Zuhörer, wenn Herbert Fuchs in einem Vortrag vergangene Tage beleuchtet. Wie kürzlich in der Pfarrgemeinde, als er lebendig und eindrücklich die sozialen Verhältnisse der Väter und Vorväter in der Gemeinde nachzeichnete. Zeiten, in denen die medizinische Versorgung schlecht, die Arbeit knapp und hart und Wohlstand für die allermeisten ein Fremdwort war.
Recherche und Schreiben – Herbert Fuchs macht beides gerne, zumal der Computer das Schreiben heute sehr erleichtert hat. „Ahnenforschung ist wie eine Schatzsuche. Wenn man in einem Archiv fündig wird, nachdem man tagelang gesucht hat, ist das ein echtes Glücksgefühl“, beschreibt er enthusiastisch.
In seinen Büchern hält Herbert Fuchs mit seiner Interpretation der Geschichte nicht hinterm Berg, er deutet, bezieht Stellung, nimmt Anteil – und kommt mitunter ins philosophieren.
Wie lange sitzt er normalerweise am Schreibtisch? „Das ist sehr unterschiedlich. In der Regel sitze ich am Vormittag im Büro, am Nachmittag bin ich mit dem Traktor unterwegs.“ Wildgehege, Fischweiher, Wald und Obstbäume, das alles will gepflegt sein. Mit Natur und Landwirtschaft ist der ehemalige Landwirt immer noch sehr verbunden.
Seine Heimat, ja, die liebt er – aber auch die Ferne. Viele seiner Reisen führten ihn in den Vorderen Orient, „eine Region, in der einem viel Geschichte begegnet.“ „Das schönste von einer Reise ist allerdings die Heimfahrt“, gibt er augenzwinkernd zu.
Gibt es ein neues Projekt? Es kommt ein entschiedenes „Nein“, dann ein zögerliches „Ja...“ und schließlich ein vages „wahrscheinlich nicht“. Man darf gespannt sein...

Zur Person

Herbert Fuchs sen. (78) war Landwirt, nach Aufgabe seines Hofes fand er Arbeit auf dem Bau und in der Fabrik. Später wurde er Postbeamter und von 1970 bis 1996 war er Gemeinderechner Hohentengens. 1992 erschien die Gemeindechronik „Hohentengen – Geschichte und Geschichten“, für die er zehn Jahre recherchiert hat.
1999 veröffentlichte er „Ein Dorf in der Kriegs- und Nachkriegszeit“ mit Erinnerungen aus Jugendtagen, 2008 den illustrierten Band „Die alten Höfe auf dem Südranden“. In zwei Broschüren widmet er sich der Pfarrei St. Maria und den Flur- und Wegkreuzen in der Gemeinde. Zudem hat er zahlreiche Beiträge für die Jahrbücher des Geschichtsvereins Hochrhein verfasst.


im Alb Bote vom 15..4.2010

Geschichten über die Glaskunst auf dem Wald

Lichtbildervortrag von Günter Hoffmann vor dem Geschichtsverein Hochrhein

Waldshut-Tiengen (eis) Einmal mehr konnte Günter Hoffmann aus Tiengen die Mitglieder des Geschichtsvereins Hochrhein mit einem Bildvortrag zur „Glaskunst auf dem Wald“ begeistern. Damit war der südliche Schwarzwald gemeint mit den einstigen Glashütten um St. Peter, Schluchsee, Blasiwald, Todtmoos und Äule.

Geistliche und weltliche Herrschaften waren früher besonders interessiert an den Glasmachern. So die Klöster St. Peter, St. Blasien und die Fürsten von Fürstenberg. Sie verfügten über große Waldgebiete. Und Holz war der wichtigste Rohstoff für die Glashütten, die allein 97 Prozent des Holzverbrauchs für die Asche benötigten, dagegen nur 3 Prozent zur Feuerung der Glasöfen. Den Glasmachern wurden vertragsweise nur unwegsame, karge Wälder pachtweise angeboten. So wurde durch die Rodung unbewohnter Waldungen auch Neuland in Weide- und Ackerland mit Siedlungen verwandelt. Die Wohnhäuser der Glasmacher waren einfach aus Holz gezimmert und mit Schindeln gedeckt, deshalb der Name Hütten.

Den Glasmachern gewährte man für ihre harte Arbeit auch Vorzüge. So waren sie von Wehr- und Frondienst freigestellt, und ihnen war erlaubt, auch nachts zu arbeiten. An den bis auf 1000 Grad aufgeheizten Glasöfen schafften bis acht Glasbläser. Das Kloster St. Blasien vermarktete die Erzeugnisse seiner Glashütten selbst. Die in Kompagnien zusammengeschlossenen Glasträger waren ständig unterwegs und trugen die Glaswaren in großen Krätzen (Rückentragkörbe) durch ganz Europa. Dabei brachten sie aus der Fremde auch für sie neue Gegenstände in den Schwarzwald mit. Zum Beispiel eiserne Uhren aus Böhmen, die Schwarzwälder Tüftler in Holz umsetzten. Bedeutende Glasbläsereien waren bei uns in Alt- und Neuglashütten, ab 1579 dann in Blasiwald und von 1716 bis 1878 in Äule. Das beste Glas in Qualität und Form kam aus dem Bereich des Klosters St. Blasien. Die Klöster brauchten schon wegen ihrer großen Bauten Unmengen an Fensterglas.

Der Referent ließ schließlich in Bildern eine Fülle von einstigen Gebrauchsgläsern aufleuchten, von Bechern, Hochzeitsgläsern, Pokalen und Schnapsbuddeln, aber auch von feinen Zuckerdosen und Nähkörbchen mit farbiger Glasschmelze verziert bis zu Milchgläsern. Die Rezepturen wurden über Generationen geheim gehalten.


im Alb Bote vom 8..4.2010

Zwei Erdlöcher geben Rätsel auf

Traktor mit Güllewagen bricht in Wiese ein

Heimatforscher spricht von Wassergang

Niederwihl ErdlöcherNiederwihl – In Niederwihl, Gemeinde Görwihl, ist auf einer Wiese die Erde eingebrochen. An einer Stelle in der Nähe des Friedhofs befinden sich zwei Löcher von je einem Meter Durchmesser.Entstanden sind sie durch einen Traktor mit Güllewagen. Das Gewicht der Fahrzeuge brachte die Erde zum Einstürzen. Dem Landwirt ist nichts passiert. Er konnte die Fahrt fortsetzen und den Güllewagen aus den Löchern ziehen.
Die Löcher sind etwa 1,50 Meter tief. Außergewöhnlich ist, dass sie den Blick auf einen Stollen frei geben. Der nicht abgestützte Stollen führt von Nordwesten nach Südosten durch die Löcher hindurch.
Über die Osterfeiertage nahmen mehrere Interessierte die Löcher in Augenschein. Der Landwirt hatte sie mit Markierungen gekennzeichnet.
Die Erde auf dem Feld in Niederwihl ist offenbar nicht zum ersten Mal eingebrochen. Nach einem früheren Einsturz wurden die Löcher einfach wieder mit Erde verfüllt. Dasselbe hat der Landwirt, der das Feld bewirtschaftet, auch jetzt vor, wie gestern zu erfahren war.
Spekulationen, dass es sich bei den Stollen um Rettungsstollen für die Bevölkerung aus dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) handeln könnte, widerspricht der Görwihler Heimatforscher Paul Eisenbeis. Eisenbeis geht davon aus, dass der Stollen der Wasserführung diente. „Das ist ein Wassergang“, stellt er klar. „In vielen Dörfern wurden Gänge für das Wasser gegraben“, so Eisenbeis. Auch im Nachbardorf Rüßwihl befinden sich Stollen, die in den Berg hinein getrieben wurden, um nach wasserführenden Schichten zu suchen. Paul Eisenbeis datiert die Entstehung des Niederwihler Stollens „sehr wahrscheinlich“ auf die Zeit zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert. Aber eben: Er wurde nicht gebaut, um Schutz vor den einfallenden Kriegsmächten zu bieten.„Eher hat die Bevölkerung ihr Hab und Gut darin versteckt“, vermutet er. Eisenbeis bringt den Bau von Wasserstollen mit der zunehmenden Bevölkerung und dem steigenden Wasserverbrauch in Verbindung. Die Stollen wurden nach Hinweisen von Wünschelrutengängern in Eigenregie gebaut.
Möglicherweise befand sich an der Stelle, wo die Erde eingebrochen ist, ein Haus mit Brunnen. Möglich sei auch, dass das Wasser durch den Stollen zu einem Weiher geführt wurde. Von dem Weiher aus konnten die Felder mittels Wühren bewässert werden.

Ursachenforschung um Löcher in der Erde

Auch in anderen Gemeinden im Hotzenwald und der benachbarten Schweiz hat es in den vergangenen Jahren Löcher in der Erde gegeben.

Jungholzer Loch: In der Nähe des Rickenbacher Ortsteils Egg stolperten an Ostern 1996 vier Buben fast in einen Krater, als sie ihren Heimweg vom Solfelsen über eine Wiese abkürzten. Der Untergrund war eingebrochen und gab den Blick in einen dunklen Gang frei. Die Ersterkundung des Lochs unternahmen Beamte des Landesbergamtes. Sie stiegen drei Wochen später mit Helm und Grubenlampe in den Stollen und fanden heraus: Der unterirdische Gang war 36 Meter lang und von Menschenhand geschaffen. Zu welchem Zweck wussten auch die Bergbaubeamten nicht. Weil der Gang einsturzgefährdet war, wurde er gesprengt.

Hellikoner Loch: Auch im aargauischen Hellikon im Fricktal tat sich diesen Winter die Erde auf. Unterirdische Kräfte rissen über Nacht zwei bis zu 20 Meter tiefe Löcher in einen Acker. Geologen suchen seither nach den Ursachen. Möglicherweise handelt es sich um Karsteinbrüche in Hohlräumen, wie sie bei Kalkschichten vorkommen können. Möglich sei auch, so die Experten, dass die Löcher mit einem Höhlensystem in Verbindung stehen. Die Löcher in Hellikon könnten durch abrupte Temperaturwechsel, Frost und Auftauen, verursacht worden sein.


im Alb Bote vom 7.11.2009

Hauensteiner Arbeitsalltag auf Glas

Über 450 Jahre alter Scheibenriss von Glasmaler Hieronymus Caspar Lang

Über 450 Jahre alter Scheibenriss von Glasmaler Hieronymus Caspar LangAuch wenn man es vielleicht kaum mehr für möglich hält, es gibt tatsächlich Neues aus der Geschichte des Hotzenwaldes. Das meiste, was wir inzwischen über das Leben der Altvorderen wissen, stammt aus alten Kirchenbüchern, Prozessakten, Kauf- und Schenkungsurkunden. Dem längst Bekannten kann heute nur Neues hinzugefügt werden, wenn bei der Heimatforschung die bisher beschrittenen, oft ausgetretenen Wege verlassen werden. So wurde zum Beispiel den Scheibenrissen bisher keine Beachtung geschenkt.
Scheibenrisse sind Entwurfszeichnungen für farbige, meist kleinformatige Glasbilder (sogenannte Kabinettscheiben).Einer dieser alten Scheibenrisse hält eine Sensation für unsere Region bereit. Auf ihm finden wir die älteste, mehr als 450 Jahre alte bildliche Darstellung der Arbeit der Holzhauer und Köhler im Hotzenwald.
Glasbilder haben ihren Ursprung im sakralen Bereich. Nach der Heiligen- und bilderfeindlichen Reformation aber hätten die Glasmaler ihren Beruf wegen Auftragsmangel an den Nagel gehängt, wenn sich nicht rechtzeitig die Mode der Fenster- und Wappenschenkung für öffentliche oder private Repräsentationsräume durchgesetzt hätte. War man wohlhabend, so verschenkte man eine das eigene Wappen zeigende Fensterscheibe. Das Hauptmotiv einer solchen „Kabinettsscheibe“ und somit auch für den vorher angefertigten Scheibenriss ist das Wappen des Stifters (in unserem Fall eine mächtige Tanne), das in einen architektonische Rahmung eingefügt und mit figürlichen Szenen drapiert ist.
Solcher Art „Sponsoring“ durch Einzelpersonen, Städte, Stände oder Institutionen war im 16. Jahrhundert gang und gäbe. Der jeweilige Stifter gab natürlich dem Glasmaler genaue Anweisungen, was alles auf der Scheibe zu sehen sein soll. In unserem Fall legte der Stifter wert darauf, dass dem späteren Betrachter der Scheibe gleich ersichtlich werde, womit die Hauensteiner neben der Landwirtschaft sonst noch ihr tägliches Brot verdienten. Wem die Hauensteiner diese Scheibe verehren wollten, wissen wir nicht. Den Auftrag zur Schaffung dieser Kabinettscheibe vergaben sie nach Schaffhausen dem aus Hüfingen stammenden Glasmaler und Reisser Hieronymus Caspar Lang der Ältere. (1520-1582). Er war der Begründer einer ganzen Glasmacher-Dynastie.
Die bunte Glasscheibe gibt es wohl schon lang nicht mehr. Zum Glück ist aber wenigstens noch der Scheibenriss, also der Entwurf, erhalten geblieben. Der ist Teil der großen, sich heute in Wien befindenden Scheibenriss-Sammlung des Züricher reformierten Pfarrers, Philosophen und Physiognomikers Johann Caspar Lavater (1741 – 1801).
Der Scheibenriss zeigt zwei mannhaft dreinblickende Vollbart und Schnauzer tragende Landsknechte. Das Wams des links stehenden schmückt ein ihn als deutschen Landsknecht kennzeichnendes Andreas Kreuz. Den Kopfputz des am linken Bildrand stehenden ziert eine nach vorne gerichtete Kriegsfeder. Beide Männer sind mit gepufften Ärmeln, einer Pluderhose (mit geschlitzter Schamkapsel) bekleidet.
Die Bildmitte wird von einer imposanten Tanne eingenommen. Auf deren Zweigen sitzen links und rechts des Stammes je ein Tannensamen fressende Eichhörnchen. Auf das links sitzende Tier zielt ein rechts unterhalb der Tanne stehender Armbrustschütze, an dessen Gürtel linksseitig ein Dolch hängt.
Soweit ähnelt das Dargestellte der heute noch erhalten gebliebenen, von den Hauensteinern gestifteten Wappenscheibe im Rathaussaal von Rheinfelden (Schweiz). Das obere Drittel des Risses aber zeigt uns zwei bemerkenswerte Szenen aus dem Arbeitsalltag vieler Hauensteiner Mitte des 16. Jahrhunderts. Wir sehen zur Linken zwei Holzfäller und zur Rechten zwei Köhler am aus drei Öffnungen qualmenden Kohlenmeiler. Gerade sind die beiden Köhler mit Hilfe einer langen Schaufel dabei, für den notwendigen Luftzug zu sorgen. Dazu stechen sie mit der Schaufel knapp über dem Waldboden mal da mal dort in den Meilermantel. Rechts spaltet einer der beiden Holzfäller Teile des schon ertasteten Stammes, während sein Kollege so bearbeitetes Holz „mit links“ wegträgt. Zwei Bären und ein Hirsch beobachten im Hintergrund die beiden Holzfäller. Neun Holzstümpfe von weit oberhalb des Waldbodens abgehauenen Tannen sind stumme Zeugen der Arbeitsleistung eines Arbeitstages.
Dieser Scheibenriss mit seiner bildhaften Darstellung zweier berufsspezifischen Szenen gibt erstmals die Gelegenheit, einen authentischen Blick auf dieAlltagsgeschichte der Region zu werfen. Hier handelt es sich tatsächlich um die bisher älteste bildliche Darstellung arbeitender Menschen im Hotzenwald, ja im ganzen Landkreis Waldshut. Eisenverhüttungsbetriebe, bestehend aus mit Holzkohle befeuerten Schmelzöfen und Wasser getriebenen Schmiedehämmern, waren der Beginn der Industrialisierung des Hochrheingebietes. Hier waren ideale Produktionsbedingungen. Fast direkt vor den Werkstoren gab es Erz, Holz, Holzkohle, Wasserkraft und billige Arbeitskräfte. Der Standort Laufenburg bildete mit 18 Betrieben das Zentrum.
Um sich lästige Konkurrenz vom Hals zu halten und ihre Profite abzusichern, schlossen sich die in der Region ansässigen Betriebe 1494 zu einem Kartell, dem sogenannten Hammerschmiedebund, zusammen. Von den in ihm zusammengeschlossenen Eisenwerken lagen im Jahre 1503 die meisten (29) am Rande des Hotzenwaldes. Dem Eisengewinnungsprozess vorgelagert war das Einschlagen von Holz zur Gewinnung der zur Befeuerung der Schmelzöfen und Schmiedeöfen notwendiger Holzkohle. Daher war der Bedarf an Holz, Holzhauer und Köhlern im Hotzenwald riesig.
Der Schwarzwald litt unter dem massiven Raubbau. Schon 1464 wurde vom St. Blasier Abt Christopher eine Waldordnung erlassen da: „die weld und höltzer ungwonlichen gewiest, erhauwen und vorzimblichen gepraucht“ wurden. Diese Anordnung richtete sich aber weniger gegen das Abholzen des Waldes, als vielmehr gegen die Art und Weise, wie dabei verfahren wurde. Die Holzfäller ließen beim Fällen der Bäume lange Strünke stehen und das anfallende Reisig einfach im Wald liegen. Der Wald wurde immer unwirtlicher, unzugänglicher und die Waldarbeit immer schwieriger. Dem wollte der Abt entgegenwirken. Ohne großen Erfolg, wie uns unser Scheibenriss eindrücklich zeigt.
Die Einungsmeister verpflichteten sich, ausreichend Holzkohle zu liefern. Da die Köhler als Scheinselbständige für die Eisenherren arbeiteten, wurde festgelegt: Wenn der „Kohlbauer“ am „Miller“ (Kohlenmeiler) zu arbeiten begann, hatte der Fabrikant ihm das erste Viertel des zu erwartenden Lohnes auszuzahlen und das zweite Viertel, sobald der „Miller angezündt“. Dann, nach drei bis vier Wochen, „wann der Miller voll komendlich ausgebrendt“ und die Holzkohle abgeliefert wurde, war die restliche Hälfte des Lohnes fällig. Der Obervogt zu Laufenburg und der Waldvogt zu Waldshut hatten über die ordentliche Abwicklung der Kohlelieferungen und deren Bezahlung zu wachen.
Beim Waldspaziergang trifft man immer wieder auf alte, heute nicht mehr genutzte Hohlwege. Dabei handelt es sich oft um die uralten, durch den Kohlentransport tief eingefahrenen „Kohlwege“. So heißt zum Beispiel ein von Waldkirch oberhalb Waldshuts abzweigender Weg noch Kohlstraße. Die auf dem Scheibenriss zu sehenden Eichhörnchen, der Hirsch (Wappentier des Klosters St. Blasien) und auch der Bär bewohnten in der Mitte des 16. Jahrhunderts den Hotzenwald gemeinsam. Belegt ist beispielsweise, dass am 20. August 1586 auf einer Jagd am Feldberg ein Bär erlegt wurde. Der letzte Bär wurde im Schwarzwald erst 1740 in Forbach erlegt.

Bildtext:
Bemerkenswertes Zeugnis des Alltags im Hotzenwald vor 450 Jahren: Der Glasmaler Hieronymus Caspar Lang der Ältere schuf diesen Scheibenriss, einen Entwurf für ein Glasfenster, 1555 oder 1556 und setzte darunter handschriftlich die Zeile: „Schwartzwald under der graffschaft Howenstein“. REPRO: DIETENBERGER

Manfred Dietenberger


im Alb Bote vom 21.11.2009

Ordnung in kirchlichen Dokumenten

Übergabe des neuen Archivs der Pfarrei St. Peter und Paul im Pfarrhaus – Heimatgeschichtler bewältigen schwierige Arbeit

Griessen Ordnung in kirchlichen DokumentenGrießen – Fachgerecht geordnet, dokumentiert und übersichtlich in neuen Archivschränken untergebracht ist das Archivgut der Pfarrei St. Peter und Paul Grießen. Die Übergabe der neu erstellten Archivverzeichnisse Grießen und Geißlingen fand während einer Feierstunde im Pfarrhaus Grießen statt. Pfarrer Thomas Mitzkus dankte den Heimatgeschichtlern Manfred Emmerich aus Tiengen und Walter Bernhart aus Grießen, die für diese schwierige Aufgabe gewonnen werden konnten.

„Die Beiden haben sich bei dieser Aufgabe als wahres Dream-Team gezeigt. Für ihren Einsatz bin ich sehr dankbar. Normalerweise obliegen diese Archivierungsarbeiten den Pfarrern, die dafür aber nicht die nötige Zeit aufbringen können. Entsprechend durcheinander sind die Archive dann oft“, so Mitzkus. Unterstützt wurden Bernhart und Emmerich von Pfarrgemeinderätin Barbara Soika und Pfarrsekretärin Franziska Schmidle.

Notwendig wurde die neue Unterbringung durch die Renovierung und räumliche Neueinteilung des Pfarrhauses in Grießen. Seit dem Frühjahr waren die beiden Mitglieder des Geschichtsvereins Hochrhein dabei, das gesamte Archiv systematisch zu ordnen, zu erfassen und übersichtlich in den Schränken unterzubringen.

Schon zu Beginn der Archivarbeit haben sich zahlreiche Überschneidungen von Archivdokumenten ergeben, die auch die Pfarrgemeinde St. Katharina Geißlingen betreffen. Die Pfarrei Geißlingen war vor 1910 eine Filiale von Grießen. Aus diesem Grund war es notwendig, dass auch die Archivalien im Pfarrhaus in Geißlingen geordnet und in einem Archivverzeichnis erfasst werden mussten. Erschwert wurde die Arbeit dadurch, dass in beiden Pfarrarchiven kein altes Verzeichnis vorhanden war. Darüber hinaus mussten viele Einzelblätter und Dokumente erlesen, zugeordnet oder zusammengefasst werden – eine Zeit raubende Tätigkeit, zumal, wenn die Schrift verblichen oder ein schlechter Schreiber am Werk war.

Rund 450 Jahre umfasst der Bestand in Grießen. Zu den ältesten Dokumenten zählt ein Aktenbündel über die der Pfarrei zustehenden Grundzinsen, das bis ins Jahr 1581 zurückgeht. Ansonsten haben keine Unterlagen die Überfälle und die Brandschatzung durch die schwedisch-französischen Truppen des 30-jährigen Krieges überstanden. So beginnen die Tauf-, Ehe- und Totenbücher erst 1647.

„Mit Bedauern“, so die beiden Hobby-Historiker, „müssen wir feststellen, dass im Bereich der Ortsgeschichte Grießens nur bescheidene Unterlagen vorhanden sind. So ließen sich beispielsweise für die Zeit der Reformation und des Bauernkrieges keine neuen Quellen erschließen.“ Dies betrifft auch den Reformator Thomas Münzers, der sich im November/Dezember 1542 in Grießen aufgehalten hat.

Dennoch stellen die alten Rechnungsbücher, deren früheste Exemplare in Grießen aus dem Jahre 1630 und in Geißlingen aus dem Jahre 1758 stammen, eine wichtige Grundlage dar für die lokale Geschichtsschreibung. Diese geben Aufschluss darüber, welche Feste gefeiert, wofür Geld ausgegeben wurde und welche Vereine seinerzeit bestanden. Eine ähnliche Quelle sind die Verkündbücher. Diese beginnen im Jahre 1825.

Besonders stolz ist die Pfarrgemeinde Geißlingen auf die Errichtungsurkunde der Pfarrei Geißlingen aus dem Jahre 1910. Sie ist in beiden Archiven im Original vorhanden und ist ein besonders schön gestaltetes, ortgeschichtliches Dokument für das im nächsten Jahr zu feiernde 100-jährige Jubiläum der Pfarrei Geißlingen.

Bildtext: Franziska Schmidle, Pfarrsekretärin, Walburga Kammerl, Pfarrgemeinderätin Grießen, Walter Bernhart, Barbara Soika, Pfarrgemeinderätin Geißlingen, Manfred Emmerich und Pfarrer Thomas Mitzkus (von links) vor dem neuen Pfarrarchiv.

Bild:HOLZWARTH


im Alb Bote vom 17.11.2009

Unterirdisches in brillanten Bildern

Franz Falkenstein berichtet vor dem Geschichtsverein über die Freilegung von Gräbern aus der Merowingerzeit in Stühlingen

Aufsehen erregte vor einiger Zeit die Entdeckung und Freilegung von Gräbern aus der Merowingerzeit bei Stühlingen. Die Grabungskampagne 2009 ist abgeschlossen. Franz Falkenstein aus Dogern war als ehrenamtlicher Helfer beteiligt. Jetzt zeigte der Fachmann für „Unterirdisches“ in 150 brillanten Dias den Ablauf und die Ergebnisse solcher Ausgrabungen vor dem Geschichtsverein Hochrhein in Waldshut.
Die Merowinger sind ein fränkisches Königsgeschlecht in der Zeit von etwa 500 bis 750 nach Christi Geburt, beginnend mit Chlodwig I., der im Jahr 511 gestorben ist. Dieser besiegte in einer denkwürdigen Schlacht bei Zülpich 498 die Alemannen und schuf nach seiner im selben Jahr erfolgten Taufe zum Christentum ein großes fränkisches Reich
In mehreren Grabungskampagnen wurden bei Stühlingen über 100 Gräber aus dieser Zeit freigelegt. Darunter als Sensation erstmals auf der rechtsrheinischen Seite einen Sarkophag aus Muschelkalk mit angebauten Steinkistengräbern. Die Gräber wurden in verschiedenen Ausgrabungsstadien fotografiert, vermessen und gezeichnet. Die meisten der in geringer Tiefe vorgefundenen Gräber waren allerdings schon in der Frühzeit durch Grabräuber ausgeraubt. Zum Glück fand man aber auch noch komplette Gräber. Als Grabbeigaben hatten die Männer Langschwerter und Dolche, Ledergürtel und Speerspitzen bei sich. Die beigesetzten Frauen trugen ihren Schmuck, Perlen, Gürtelkettchen und Fibeln. Mit drei Münzen gelang dem Referenten selbst ein außergewöhnlicher und wichtiger Fund, lassen doch die Inschriften auf den Münzen eine genaue Datierung der Grablegen zu. Allerdings mussten die wertvollen Grabbeigaben nach der Kartierung umgehend nach Rastatt an das zuständige Landesamt zur vorläufigen Deponie abgeliefert werden; wichtige Skelettteile kamen nach Konstanz.
Im 8. Jahrhundert erfolgte der Niedergang der Merowinger. Sogenannte „Hausmeier“ übernahmen die Staatsführung, und mit Karl Martell, der 732 bei Tours und Poitiers das Frankenreich vor den einbrechenden Mauren erfolgreich verteidigte, begann die Dynastie der Karolinger.
Vorsitzender Manfred Dietenberger informierte über das letzte diesjährige Treffen des Vereins am 3. Dezember, bei dem auch die Jahrbücher 2009 ausgehändigt werden.

Paul Eisenbeis


im Alb Bote vom 30.10.2009

Vorstand im Amt bestätigt

Wahlen beim Geschichtsverein

Manfred Dietenberger bleibt an der Spitze des Geschichtsvereins Hochrhein e.V. In der Hauptversammlung in Gurtweil wurde er in seinem Amt bestätigt. In den Berichten wurde ein sehr gutes Vereinsjahr mit zahlreichen Vorträgen und Exkursionen wieder lebendig.
Nach einem Gottesdienst in der katholischen Pfarrkirche Gurtweil ging Manfred Emmerich vor Ort auf die Geschichte und auf die reichhaltige künstlerische Ausstattung des 1740 erbauten Gotteshauses ein. Damals erhielt die Kirche die beiden Apostel Simon und Judas Thaddäus als Patrone.Einziges Relikt der Vorgängerkirche ist der gerade 400-jährige Taufstein.
Anschließend an das gemeinsame Mittagessen in Bad Bruckhaus konnten die Regularien zügig abgewickelt werden. Die fünftägige Exkursion nach Kärnten und St.Paul war einstimmig der Höhepunkt im laufenden Jahr. Dafür erhielten die Organisatoren Ute Beck und Manfred Dietenberger nochmals großes Lob vonallen Seiten. Die Entlastung des Vorstands erfolgte einstimmig.
Die von Günter Heller geleiteten Neuwahlen unterstrichen die einwandfreie Arbeit des Vorstandes, der personell in gleicher Besetzung für zwei weitere Jahre bestätigt wurde: Vorsitzender Manfred Dietenberger (schon 16 Jahre ununterbrochen an der Spitze), Stellvertreterin Ute Beck, Rechner Manfred Gallmann, Schriftführer Werner Schreiber, Beisitzer Franz Falkenstein, erweiterter Vorstand Franz Leber und Manfred Emmerich und als Kassenprüfer Günter Heller und Klaus-Peter Binkert.
Zwei lokalbezogene Kurzvorträge rundeten den harmonisch verlaufenen Tag ab. Manfred Emmerich berichtete über die Entstehung und Bedeutung der einstigen Gutenburg, und Franz Falkenstein referierte über das ehemalige Eisenwerk Gutenburg.

Paul Eisenbeis


im Alb Bote vom 15.10.2009

Vom Aufstieg und Niedergang der Freiherren

Manfred Emmerich referiert vor Geschichtsverein Hochrhein über Krenkinger Adelsgeschlecht im Klettgau

Die Freiherren von Krenkingen hatten über drei Jahrhunderte einen bedeutenden Einfluss auf die Geschichte des früheren Alb- und Klettgaues. Manfred Emmerich, ausgezeichneter Kenner des einstigen Adelshauses, referierte unterstützt durch Karten und Bilder vor dem Geschichtsverein Hochrhein über Aufstieg und Niedergang des großen Geschlechts.

Die Stammburg der Krenkinger war eine Turmhügelburg auf einem Felssporn im Steinatal. Erstmals werden die Herren von Krenkingen in einer Urkunde des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen 1102 genannt. Entscheidend für den Aufstieg dieses Geschlechts war seine enge Anlehnung an die Herzöge von Zähringen, die seit dem 11. Jahrhundert weite Teile des deutschen Südwestens und der heutigen Schweiz beherrschten. Die Krenkinger leisteten den Zähringern wertvolle Hilfen zur Sicherung ihrer Verbindungswege. Ein Konrad von Krenkingen, der im Dienst von Kaiser Konrad II. stand, erhielt 1152 die Vogtei (Schirmherrschaft) über ein damals bei Detzeln gelegenes kleines Augustiner-Chorherrenstift, das durch seinen Gründer Marquard großen Besitz um Grießen im Klettgau hatte. Nach der Verlegung des Stiftes nach Riedern am Wald erweiterten sich die Vogtsrechte der Krenkinger erheblich. Entscheidend verbesserte sich die einflussreiche Stellung der Freiherren durch Diethelm von Krenkingen, der 1170 bereits Abt der Reichenau war und der zusätzlich Bischof von Konstanz wurde. Das verschaffte seiner Familie auch die bedeutende Vogtei über das Reichskloster Rheinau mit umfänglichen Besitz im Klettgau. Damit erreichten die Krenkinger den Zenit ihrer Macht.

Um 1100 werden sie auch als Besitzer des Dinghofes im Dorf Tiengen erwähnt. Auf ihrem dortigen Areal ließen sie Burg und Kirche, Markt und Mauern erbauen, und so wurden die Herren von Krenkingen zwischen1229 und 1243 Stadtgründer von Tiengen. Kurz danach wurden sie noch Kirchherren zu Schwerzen und gründeten die spätere Herrschaft Wutental mit Wutöschingen, Schwerzen, Willmendingen und Horheim. Heinrich II., der Stadtgründer von Tiengen, erwarb in der Mitte des 13. Jahrhunderts die Gutenburg im Schlüchttal samt ihrem Besitz. Tiengen und Gutenburg wurden so Sitz der alt-krenkinger Linie.

Aber schon 1262 versetzte der in Geldnot geratene Heinrich II. Schloss und Stadt Tiengen dem Bischof von Konstanz und wurde so sein Lehnsherr, sein Vasall. Damit begann der Niedergang des Geschlechtes der Krenkinger. Die jüngere Linie saß im Klettgau auf der Weißenburg und dann auf der eigens erbauten Burg Neu-Krenkingen. Letztere wurde 1288 wegen „Räubereien“ vom damaligen König Rudolf von Habsburg zerstört.

Die Freiherren von Krenkingen waren nun gezwungen, weitere Besitztümer zu verpfänden und zu verkaufen. Der Adel verarmte. Die Hauptlinie starb mit Diethelm III. 1413 aus. Für die jüngere, nun auf der Burg Roggenbach ansässige Linie, war mit dem Tod des Reichenauer Abtes Martin im Jahr 1508 das Ende gekommen.

Der Referent schloss in seinen Vortrag auch Ferdinand Fechtig mit ein, den bedeutendsten Sohn des Dorfes Krenkingen in der Neuzeit, der es vom Bauernbub zum geadelten Staatsminister unter Kaiser Franz I. in Wien brachte. Im März 1806 traf Fechtig im Auftrag des Kaisers im Kloster Berau mit Abt Rottler von St. Blasien zusammen. Hier wurden die Weichen für die Auswanderung eines Teils der Mönche des Klosters St. Blasien nach Österreich gestellt.

Paul Eisenbeis

im Alb Bote vom 4.9.2009

Doppeltes Jubiläum im Spital Waldshut

350 Jahre alte Spitalkirche – Seit 150 Jahren Krankenhaus im ehemaligen Kapuzinerkloster

Das Waldshuter Spital feiert am Montag, 7. September ein doppeltes Jubiläum: Die einst zum Kapuzinerkloster gehörende alte Spitalkirche wird 350 Jahre alt und seit 150 Jahren ist das Krankenhaus auf dem Gelände des ehemaligen Klosters zu Hause. Das Jubiläum wird mit einem Festgottesdienst um 19 Uhr in der alten Spitalkirche gefeiert, an dem auch Gruppe „Aufbruch“ mit neuen geistlichen Liedern mitwirkt. Der Eingang zur alten Spitalkirche befindet sich im Ärztehaus in der Kaiserstraße.Als Folge des 30-jährigen Krieges waren das alte Waldshuter Spital und die Kapelle in der Rheinstraße schwer beschädigt. Der Kapuzinerorden erhielt der Stadt Waldshut die Erlaubnis, ein Kloster vor dem Unteren Tor zu bauen. Mit der Auflage Arme, Bettler und Fremde zu betreuen, um das alte Heilig-Geist-Stift in der Rheinstrasse zu entlasten. Am 7. September 1659 waren Kloster und die Kirche fertig. In einem Festgottesdienst weihte der Bischof von Konstanz Franz Johannes Voigt von Sumerau die Kirche. Nach der Auflösung des Klosters 1821 erwarb die Waldshuter Spitalstiftung 1859 die leerstehenden Gebäude und richtete dort das neue Waldshuter Spital ein. Das Spital in der Rheinstrasse wechselte den Besitzer und ging in private Hände über.
Über die Geschichte des Waldshuter Kapuzinerklosters und der alten Spitalkirche referiert im Rahmen einer Vortragsveranstaltung des Geschichtsvereins Hochrhein am 1. Oktober um 19 Uhr im Waldshuter Hotel Schwanen Dominik Rimmele. (mhe)

im Alb Bote vom 15.5.2009

Spuren des letzten Redmanns

Geschichtsverein beschäftigt sich mit Obmännern der Einungen in der alten Grafschaft

Grabkreuz des Johann Michael Jehle in Waldkirch, bei WaldshutDer letzte Redmann Johann Michael Jehle und seine Zeit, die ehemalige Grafschaft Hauenstein war in acht Bezirke (Einungen) eingeteilt. Die Einungsmeister wählten alljährlich aus ihrer Mitte einen Redmann, ihren Obmann und Sprecher bei den vorgesetzten Behörden. Der letzte Redmann der alten Grafschaft war Johann Michael Jehle (1749 bis 1831). Über ihn und seine Zeit ging es beim jüngsten Treffen des Geschichtsvereins Hochrhein.
Das Interessante dabei vorweg: Der Referent zu diesem Thema war der 1. Redmann der 1996 neugebildeten historischen Einungsmeisterversammlung, Heinrich Dold/Dogern, und die passenden Bilder zur Geschichte auf der Leinwand zeigte Markus Jehle/Gurtweil, ein direkter Nachkomme von J. M. Jehle!
Dieser in seiner Zeit hochgeschätzte Redner und Schreiber wurde am 16. Oktober 1749 in Heppenschwand geboren. Er heiratete einundzwanzigjährig Anna Tröndle aus dem Storchen-Wirtshaus in Waldkirch und wurde Besitzer eines großen Hofes. Die geräumige Bauernstube war der Versammlungsort über Gemeindeangelegenheiten, hier stand auch die Lade mit den Protokollen und Akten. Beim Durchzug der Franzosen im Revolutionskrieg wurde auch Waldkirch geplündert, und just am 16. Oktober 1796, seinem 47. Geburtstag, brannte die Soldateska seinen Hof und das Dorfwirtshaus nieder.
Joh. M. Jehle wird im Waldkircher Kirchenbuch als „ehrsamer und ausgezeichneter Redmann“ erwähnt. Der kluge Kopf war geschätzt im Land, und mit seiner klaren Handschrift legte er nach der Katastrophe ein neues Gemeindebuch an, das sich in jener turbulenten, geschichtlich bewegten Zeit im Laufe der Jahre zu einer Chronik erweiterte. Mit ihr wurde auch sein Name der Nachwelt erhalten. Anhand dieser Schrift ließ der Referent die alte Geschichte der Grafschaft und vor allem der Übergang zur badischen Neuzeit wieder lebendig werden.
Seine ausführlichen Kapitel hat J. M. Jehle mit vielen Zahlen und Daten belegt. So erwähnt er, dass „wir vom 1. März 1803 bis zum 25. Mai 1806 fünf verschiedenen Landesfürsten zugehörten“.Besonders unter dem Kaiser Joseph II. seien die Beamten in Waldshut und Freiburg „allmächtig geworden“. Die riesige Überschwemmung von Konstanz im Hungerjahr 1817 vermerkt er ebenso wie die Großbrände in Lembach 1822 (32 Häuser abgebrannt) und Obermettingen 1826 (18 Häuser und die Kirche zerstört). Interessant auch sein Bericht über den umstrittenen Schulhausbau 1826 in Waldkirch, wo von Amts wegen für die „50 schulmäßigen Kinder von Gaiß und Waldkirch im 1. Stock eine Schulstube, welche 106 Kinder fassen kann“ erstellt werden mußte. Erfreut war der alte Redmann J. M. Jehle nicht über den Zusammenschluss von Hauenstein mit dem neuen Großherzogtum Baden Anno 1806, da der Bürger jetzt dreimal so viel Abgaben entrichten musste wie vorher, vermerkt er mit spitzer Feder.

Paul Eisenbeis


im Alb Bote vom 7.10.2008

Auf Spuren der Habsburger

Exkursion des Geschichtsvereins Hochrhein in die Schweiz

Geschichtsverein Hochrhein Waldshut Tiengen

In zahlreichen Veranstaltungen begehen die Schweiz und vor allem der Aargau das „Habsburger Gedenkjahr 2008“. In zweifacher Erinnerung leben dabei Erinnerungen an denkwürdige Ereignisse auf. Die Exkursion dazu, wieder bestens vorbereitet von Manfred Dietenberger und Ute Beck, wurde für alle 50 Teilnehmer zu einem großen Erlebnis.

Waldshut (eis) Erstes Ziel war eine Führung durch das Museum in Rheinfelden/CH zum Thema: „Die Habsburger im Fricktal“. Für sie war die Rheinbrücke bei Rheinfelden mit dem festungsmäßig ausgebauten „Stein“, in dem zeitweise die Reichsinsignien lagerten, sehr wichtig. 1803 kam das einst österreichische Fricktal zum neugeschaffenen Kanton Aargau. Es hatte damals die besten Primarschulen im Kanton und seit 1765 auch eine Feuerversicherung.
Den zweiten Halt gab es in der Aare- Brückenstadt Brugg. Dort, wo die Aare nur 15 Meter breit, dafür aber 15 Meter tief ist, gab es sehr früh einen Übergang. Brugg, in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts von den Habsburgern gegründet, wurde Residenz dieser Grafen, die von der 1020 erbauten Habichtsburg bald ins wohnlichere Städtchen zogen.
Unter fachkundiger Führung erlebten die Waldshuter Geschichtsfreunde bei einem fast zweistündigen Gang durch und um die Altstadt viel Interessantes vom alten „Prophetenstädtchen“, aus dem viele Pfarrer (Propheten) stammten. Herrlich die mit den Figuren der sieben freien Künste bemalte Hauptfront der alten Lateinschule im damals nur 600 Einwohner zählenden Brugg. Im ersten Geschoss lehrte und lernte man Deutsch, im zweiten Latein, im dritten Griechisch und im vierten Hebräisch. Alle Stockwerke sind heute noch geschmückt mit Sprüchen aus diesen Sprachen. Mächtig der „Schwarze Turm“ als Wächter an der Aarebrücke, für den man damals das Baumaterial unbedenklich aus dem Römerlager beim nahen Vindonissa holte. Die Überschrift im Museum jenseits der Aare: „Die Habsburger, eine Weltmacht mit Wurzeln im Aargau“ wäre in der Schweiz noch vor 50 Jahren kaum denkbar gewesen.
Den Abschluss bildete ein Besuch in Königsfelden. An der Stelle, wo am 1.Mai 1308 die Mordtat an König Albrecht I. durch seinen Neffen Johann von Schwaben geschah, ließen die Königin Elisabeth und ihre Tochter Agnes, früh verwitwete Königin von Ungarn, ein Doppelkloster errichten mit einer großen Kirche als Erinnerungsstätte. Nach der Schlacht bei Sempach 1386 wurden in dieser Kirche der erschlagene Herzog Leopold III. und 27 im Kampf gefallene Ritter beigesetzt. Nach 1415 wurde der Aargau bis zur Aare/Reuss Berner Untertanengebiet, und im Zuge der Reformation stellten die neuen Herren den Klosterbetrieb in Königsfelden ein, die Kirche selbst war von nun an eine Kornschütte. Im gotischen Chor aber blieben die elf kostbaren Farbfenster, von elsässischen Künstlern 1320-1330 angefertigt und eingesetzt, erhalten. Die Beschreibung und Deutung dieser Werke durch eine Kunsthistorikerin wurde für alle Reiseteilnehmer zu einem besonderen Erlebnis.


m Alb Bote vom 23.9.2008

Erinnerung an denkwürdige Ereignisse

Manfred Dietenberg spricht beim Treffen des Geschichtsvereins Hochrhein über die Habsburger

In zahlreichen Veranstaltungen begeht die Schweiz und vor allem der Aargau das "Habsburger Gedenkjahr 2008". In zweifacher Hinsicht leben dabei Erinnerungen an denkwürdige Ereignisse auf. Einmal an die Ermordung des Königs Albrecht I. am 1. Mai 1308 bei Königsfelden, andererseits sind es gerade 900 Jahre her seit der ersten urkundlichen Erwähnung des Namens Habsburg.

Grund genug auch für den Geschichtsverein Hochrhein, dieses Thema im Jahresprogramm aufzunehmen. Der Vorsitzende Manfred Dietenberger referierte beim jüngsten Treffen des Vereins darüber selbst. Sein von zahlreichen Geschichtsfreunden besuchter Bildvortrag war auch eine Vorbereitung auf die Tagesexkursion des Vereins zu besonderen Erinnerungsstätten der Habsburger in unserer Region.

"Die Habsburger waren eine Weltmacht, deren Wurzeln im nahen Aargau liegen", betonte der Referent. Sie stammten ursprünglich wahrscheinlich aus einer elsässischen Adelsgruppe. Die Habsburger kamen bald auch zu Besitzungen in der heutigen Schweiz. Ein Werner von Habsburg, Bischof von Straßburg, baute um 1020 die "Habichtsburg" unweit des Städtchens Brugg. In der Nähe erbauten die Adligen auch ihr Hauskloster Muri, das sie schön ausrichteten und reich begabten, war es doch auch für die ersten Habsburger zugleich Grabesstätte. Die Burg selbst spielte schon früh politisch keine große Rolle mehr, denn die Habsburger residierten bald in wohnlicheren Städten. Sie waren Grafen, wie es im Mittelalter viele gab, bis Rudolf IV. von Habsburg 1273 zum deutschen König gewählt wurde. Von da an war der Aufstieg zu einer der mächtigsten Familie Europas und der Welt nicht mehr aufzuhalten. Nachdem Rudolf das Herzogtum Österreich gewonnen hatte, tritt der Name Habsburg-Österreich auf.

Näher ging der Referent auf den Königsmord vom 1. Mai 1308 bei Windisch ein, begangen nach der Überfahrt über die Reuss durch eine Verschwörergruppe unter dem Anführer Johann von Schwaben, eines Neffen des Königs, der sich in Erbschaftsangelegenheiten zurückgesetzt fühlte. Die Königinwitwe Elisabeth nahm Rache an den Missetätern und deren Familien, deren Besitzungen konfisziert wurden. Zusammen mit ihrer Tochter Adelheid, Königin von Ungarn, ließen die beiden Frauen an der Stelle des Mordes ein großes Doppelkloster errichten mit dem Namen Königsfelden und statteten es mit einer außergewöhnlichen Einrichtung und bedeutenden Einkünften aus. "Brugg und Königsfelden werden auch Stätten der Exkursion am 20. September sein", so Dietenberger, der zusammen mit Ute Beck wieder ein reichhaltiges Tagesprogramm dazu ausgearbeitet hat.

Das Emporkommen der mächtigen Habsburger verdanken sie vor allem einer geschickten Heiratspolitik. Andere bedeutsame Geschlechter bei uns waren z. B. die Zähringer, die Lenzburger und die Kyburger. Aber die Habsburger hatten ihnen gegenüber mehr Glück und einen großen Vorteil: sie starben nicht aus! Nachkommen der Habsburger gibt es heute noch.

Der letzte habsburgische Kaiser von Österreich, Karl I., musste 1918 abdanken. Die Herzen von ihm und von seiner Gemahlin Zita wurden 1973 im Kloster Muri beigesetzt.

Paul Eisenbeis


im Südkurier vom 18.4.2008

Uralte Bande ins Glarnerland

GlarnerlandKreis Waldshut (eis) Der Geschichtsverein Hochrhein unternimmt am Samstag, 17. Mai, seine Frühjahrs-Exkursion in den Kanton Glarus. Jahrhundertelang gehörte das Glarnerland zum Damenstift Säckingen. Über diese geschichtlichen Zusammenhänge erinnerte in einem Bildvortrag der Vorsitzende Manfred Dietenberger.

Bis zum Jahre 1395 gehörte die Talschaft Glarus zum Stift Säckingen. Verbindendes Glied bis heute ist der heilige Fridolin, der Schutzpatron von Bad Säckingen und von Glarus. Fridolin kam übers Meer ins fränkische Poitiers und zog als Missionar durch das Elsaß bis in die Schweiz.

Von der heutigen Schweiz fuhr Fridolin, einer Vision folgend, rheinabwärts, gründete auf der Insel Säckingen eine Kirche und ein Doppelkloster, predigte den umliegenden Bewohner das Evangelium und wurde so der Apostel der Alemannen, besonders des Hochrheingebietes. Er starb hier an einem 6. März, das Jahr ist nicht bekannt.

Wann das Kloster Säckingen die Talschaft Glarus erworben hat, ist nicht mehr festzustellen. Wahrscheinlich geschah dies als königliches Stiftungsgut. In der Vita Fridlini wird diese Schenkung mit einer Legende verbunden. Zu seinen Lebzeiten habe die Talschaft Glarus zwei Brüdern gehört. Der eine, Ursus, habe seine Besitzungen dem Fridolin für eine Klostergründung in Säckingen geschenkt. Nach Ursus' Tod focht sein Bruder Landolf das Vermächtnis an. Im Vertrauen auf Gottes Hilfe pilgerte Fridolin zur Grabesstätte von Ursus.

Auf sein Gebet entstieg Ursus aus seinem Grab, ging mit Fridolin vor das Landgericht in Rankweil und bestätigte dort die Schenkung. Daher wird Fridolin sehr oft mit dem toten Ursus abgebildet. Die Talschaft Glarus hatte für die Könige des Hochmittelalters eine große Bedeutung, führte doch eine bedeutende Heeresstraße durch dieses Gebiet zu den Pässen in Graubünden und nach Italien. Die Wichtigkeit dieser Walenseestraße ist daraus ersichtlich, dass Kaiser Barbarossa die Schirmherrschaft über Glarus seinem Sohn Otto unterstellte. Die Vogtei über das Stift Säckingen verlieh er den Grafen von Habsburg. Diese erhielten auch bald durch Erbschaft die Vogtei über die Talschaft, nachdem sie dort bereits als Maier des Stiftes walteten. Als Vögte und Maier hatten so die Habsburger die höchsten Ämter inne und bauten ihre politische Stellung weiter aus. Das führte zu Spannungen und offenen Auseinandersetzungen wegen der Freiheitsrechte der Talbauern. Dabei wurde ein österreichisches Ritterheer in der Schlacht bei Näfels 1388 von den vereinten Glarnern (unter dem Banner des hl. Fridolin) und den Eidgenossen vernichtend geschlagen. Darauf schloss sich Glarus der Eidgenossenschaft an. Mit dem Stift Säckingen gab es eine friedliche Lösung. In einem Loskaufvertrag anno 1395 verpflichteten sich die Glarner freiwillig, der Äbtissin in Säckingen einen ewigen Zins von jährlich 32 Pfund Pfennige zu zahlen. Das machten sie bis zum Jahre 1798. Noch heute hat Glarus gute Beziehungen zu Bad Säckingen und ist alljährlich bei der Fridolinsprozession mit dabei.

Bildtext: Am 9. April 1388 greift ein habsburgisches Heer das Land Glarus an und wird von ein paar hundert Glarnern geschlagen.


im Alb Bote vom 26.3.2008

Alte Höfe auf dem Südranden

Buchprojekt von Herbert Fuchs über Einzelgehöfte zwischen Neuhausen und Küssaberg

Herbert Fuchs Küngolt Aberle-WeyDen Einzelgehöften auf dem Südranden von Neuhausen/Schweiz bis zur Küssaburg widmet Gemeindechronist Herbert Fuchs sein neues Werk. 46 Höfe hat er aufgesucht, nach ihrer Geschichte und der heutigen Nutzung geforscht.

Fast abgeschlossen ist das neue Projekt von Herbert Fuchs (75), Geschichts- und Geschichtenschreiber aus Hohentengen. Selbst früher Landwirt, haben ihn immer Höfe und Landwirtschaft sowie die Familien, die dort leben, interessiert. Da lag sein neues Buchthema nahe: "Die alten Höfe auf dem Südranden - eine Beschreibung in Wort und Bild".

Dabei interessiert er sich, wie schon in seinen anderen Abhandlungen, nicht nur für die Fakten. Es sind vor allem die Menschen, die ihn faszinieren: Wie haben sie früher gelebt, was machen die heutigen Hofbesitzer.

46 Einzelgehöfte von Neuhausen bis zur Küssaburg hat Herbert Fuchs beschrieben. Teils sind sie verlassen, teils abgerissen oder nur noch in Bruchstücken erhalten.

Weniger als die Hälfte wird noch bewirtschaftet, einige sind zu stattlichen Landhäusern umgebaut worden. Alle liegen auf der Südseite des Höhenzuges "Kleiner Randen". Hier fällt das Gelände sanft Richtung Rhein ab, ist sonnenbeschienen, weniger waldreich als die Nordseite und bot damit günstige Voraussetzungen für die Landwirtschaft, schreibt Fuchs. Viele Höfe waren dem Heimatforscher schon bekannt, andere hat er auf seinen Unternehmungen erst entdeckt, hat in Heimatkarten, Kirchenbüchern und Grundbuchämtern gestöbert.

Jedes Gehöft hat er persönlich aufgesucht, hat sich und sein Anliegen vorgestellt und für sein Projekt geworben. "Ich bin überall freundlich empfangen worden und habe bereitwillig Auskunft erhalten."

Manchmal entwickelten sich stundenlange Gespräche zwischen den Aufgesuchten und ihrem Gast. "Wenn man etwas von den Leuten wissen will, muss man sich Zeit lassen", sagt Herbert Fuchs.

Die Höfe werden in einem kleinen historischen Abriss und der heutigen Nutzung vorgestellt, teils finden sich interessante Familiengeschichten, die Einblick in die wechselhafte Geschichte eines Hofes geben.

Entstanden ist ein 150 Seiten starker Band, reich bebildert mit historischen und aktuellen Fotos. Finanziert werden soll die Auflage des Werkes hauptsächlich über eine finanzielle Beteiligung der Hofbesitzer, die sich meistens sehr großzügig zeigten, sagt Herbert Fuchs.

So ist abzusehen, dass das Werk noch in diesem Jahr erscheinen wird. Jeder Hofbesitzer erhält einige Exemplare. Das in einer Auflage von 200 bis 300 Stück gedruckte Werk soll auch im lokalen Buchhandel erhältlich sein.

Sabine Gems-Thoma

Bildtext: Herbert Fuchs im Gespräch mit der 92-jährigen Küngolt Aberle-Wey, vormalige Besitzerin des Schlosshofes in Küssaberg.

Buchprojekt

"Die alten Höfe auf dem Südranden - Eine Beschreibung in Wort und Bild" ist der Titel von Herbert Fuchs' neuestem Buchprojekt. 46 Einzelhöfe zwischen dem Schweizer Neuhausen und der Küssaburg werden vorgestellt und illustriert, drei sind es jeweils im Kanton Schaffhausen und Zürich, einer in Jestetten, zwei in Dettighofen, vier in Klettgau, neun in Küssaberg und 24 in Hohentengen (Lienheim und Bergöschingen).


im Alb Bote vom 16.2.2008

Erinnerungen an unruhige Zeiten

Vortrag beim Geschichtsverein Hochrhein über alte Verteidigungslinien im südlichen Schwarzwald

Mit dem Titel "Alte Verteidigungslinien im südlichen Schwarzwald" begann die diesjährige Vortragsreihe des Geschichtsvereins Hochrhein im "Schwanen" in Waldshut.
Über 50 interessierte Zuhörer wurden dabei von Konrad Lüthy/Murg in unruhige Zeiten vergangener Jahrhunderte zurückversetzt. Vor allem zeigte er auf, mit welchen Wehranlagen man eindringenden Feinden den Weg für ihre Beutezüge versperrte. Verhaue und Letzen, Hagwälder und Schanzen, Wallmauern und Verhacke lieferten dazu recht anschauliche Begriffe. Schon 1444 zwangen die verbündeten Hauensteiner und Wiesentäler an der Letze bei Schönenbuchen an der Wiese die gefürchteten Armagnaken zur Umkehr. 
Von Tiefenstein über Remetschwiel bis Leinegg an der Schwarza zog sich der große Landhag hin, ein bis zu 600 Meter breiter siedlungsfreier und fast undurchdringlicher Waldstreifen, der in ein Abwehrsystem integriert war. In der Nähe vom heutigen Waldhaus durchquerte ihn der Klosterweg nach St. Blasien. Um diese offene Stelle gegen Feinde zu schützen, legte man dort eine große Landletze an, ein ausgeklügeltes Werk aus Wall und Gräben, aus Steinen und Baumstämmen. Waren eindringende Feinde im Anmarsch, fällte man die dort stehenden Bäume in etwa zwei Meter mit den Baumkronen gegen die Gegner, sägte aber die Stämme nicht ganz durch, damit die Eindringlinge die Bäume nicht wegziehen konnten. 
Bei der bekannten Belagerung Waldshuts 1468 zogen eidgenössische Truppen gegen die vom Hauensteiner Landfahnen besetzte Letze und erstürmten sie in einem blutigen Gefecht. Dagegen machten die Belagerer keinen Stich gegen die 1300 Hauensteiner, die erfolgreich die Letze zwischen Albbruck und Dogern besetzt und verteidigt hatten. Große Letzen befanden sich am Eingang zum Wehratal, bei Albbruck und Gurtweil. Eine drei Kilometer lange Wallmauer zog sich von Bergalingen bis in die Nähe der Burg Bärenfels bei Wehr hin, die heute noch gut zu verfolgen ist. Eine wichtige Rolle in den kriegerischen Ereignissen dieser Jahrhunderte spielte der "Hauensteiner Landfahnen", eine schon im 14. Jahrhundert organisierte Miliz zur Verteidigung der Heimat.
Eine natürliche Sperre gegen von Westen kommende feindliche Truppen war der vom Schwarzwald bis zum Rhein reichende Bergsporn bei Rothaus zwischen Murg und Obersäckingen. Hier stand früher auch die Burg Rheinsberg. Mit Stern- und Viereckschanzen, Gräben und Palisadenzäunen, Fall- und Zugbrücken konnte in dieser Festung die Hochrheinstraße gesperrt werden. Über 1000 Mann standen hier in Kriegszeiten unter Waffen, flankiert von sechs Geschützen auf der linken Rheinseite. Österreichische Truppen unter dem Herzog Karl von Lothringen schlugen hier, über den Schwarzwald von Todtmoos kommend, in einem großen Gefecht die Franzosen und trieben sie bis Rheinfelden zurück. Kein Geringerer als der bekannte Türkenlouis ließ aufbauend auf bestehenden Schanzen und Bastionen die sogenannte "Schwarzwaldlinie" einrichten, ein starkes Defensiv-System, das von Rothaus über Todtnauberg bis Herrenalb und von dort nach Daxlanden bei Karlsruhe reichte.
Als die Franzosen 1744 wieder an den Hochrhein vordrangen, ließen sie die Schanzen beim Sperrriegel Rothaus/Murg schleifen und die Gräben auffüllen. Beim Bau der neuen Trasse der A98, die über das genannte Festungswerk geht, konnten bereits einige Mauerzüge von einst wieder aufgefunden werden. 

Paul Eisenbeis 


im Alb Bote vom 4.1.2008

Lehrreiche Aufsätze aus dem Kreisgebiet

Geschichtsverein Hochrhein stellt Jahresband 2007 vor - 13 Autoren berichten über Themen von Wehr bis St. Blasien

Waldshut (eis) Bei einem Treffen des Geschichtsvereins Hochrhein konnten die zahlreichen Besucher nochmals alle Exkursionen und Führungen des vergangenen Jahres im Bild erleben. Die Fotografen Markus Jehle, Rainer Granacher und Harry Huber lieferten das Bildmaterial dazu.
Anschließend stellte Vorsitzender Manfred Dietenberger den Jahresband 2007 des Geschichtsvereins vor. In 16 bebilderten Aufsätzen von 13 Autoren birgt die 132 Seiten starke Schrift wieder Interessantes aus der Geschichte des Kreisgebietes.
In einem ausführlichen Beitrag stellt Franz Falkenstein seine in vielen Jahren gesammelten Erkenntnisse über die bemerkenswerten Bodendenkmäler auf dem Berauer Berg vor. In seinen Nachforschungen zum Tiengener Heimatfest berichtet Manfred Emmerich, wie der "Schwyzertag" zu seinem Namen kam. Mit einer anschaulichen großen Zeichnung gibt Walter Weißenberger Kunde über die ehemaligen Weingärten in und um Tiengen. Im "Hirschen" in Dogern wurde von den Einungsmeistern eine neue Waffenkammer eingerichtet, die Konrad Lüthy vorstellt. Derselbe Autor schreibt über die schon 1428 erwähnte Rhein-Fähre von Murg.
Der 14.November 1770 war für Waldshut ein spektakulärer Tag. Manfred Dietenberger berichtet, wie in einer großartigen Formation die von Klingnau hergebrachten Särge mit den Gebeinen von 13 Habsburgern durch die Waldstadt in Richtung St. Blasien geleitet wurden. Dietenberger schreibt auch über die vor 900 Jahren erfolgte Gründung des bei Ulm gelegenen Klosters Wiblingen durch Benediktiner von St. Blasien und von dem 1. Abt, der ebenfalls als Mönch aus dieser Schwarzwald-Abtei kam. Gustav Oberholzer versucht eine neue Deutung des Worts "Hotzenwald".
Die Römer setzten vor 2000 Jahren Meilensteine am Hochrhein. Wie früher Entfernungen und Flächen gemessen wurden, daran erinnert Richard Kaiser. Im 18. Jahrhundert standen viele Männer aus unserer Heimat als Söldner im Dienst fremder Herren. Werner Vökt geht in seinem dritten Beitrag dem Schicksal solcher Soldaten nach. Erstmals kann eine Verena Huber als Gründerin und Stifterin der nach dem Dreißigjährigen Krieg erbauten ersten Kapelle im Schellenberg nachgewiesen werden. Die Pfarrkirche St. Gallus in Eggingen wird von Lucia van Kreuningen vorgestellt und Gottfried Nauwerck berichtet viel Wissenswertes über die Burgruine Wieladingen. Mit seinem Beitrag über Aufstieg und Niedergang der Nazi-Partei NSDAP auf den Dörfern geht Herbert Fuchs senior am Beispiel Hohentengen in die jüngere Geschichte.
Schließlich gibt Dominik Rimmele in seinem Nachruf auf den Waldshuter Redemptoristenpater Josef Isele (1919-2007) gleichzeitig eine erste Übersicht über dessen Nachlass, vor allem über seine zahlreichen geschichtlichen Arbeiten.

Erhältlich ist der Band 2007 des Geschichtsvereins in den Buchhandlungen Fleck in Waldshut, Kögel in Tiengen und "Gallusturm" Bad Säckingen.


im Südkurier vom 13.12.2007

Geschichtliches in Wort und Bild

Bad Säckingen (eis) Beim jüngsten Treff des Geschichtsvereins Hochrhein konnte Vorsitzender Manfred Dietenberger wieder pünktlich den Jahresband 2007 des Geschichtsvereins vorstellen. In 16 reich bebilderten Aufsätzen von 13 Autoren birgt die 132 Seiten starke Schrift wieder Interessantes aus der Geschichte des Kreisgebietes.
n einem ausführlichen Beitrag stellt Franz Falkenstein seine in langen Jahren gesammelten Erkenntnisse über die bemerkenswerten Bodendenkmäler auf dem Berauer Berg vor.
In seinen Nachforschungen zum Tiengener Heimatfest berichtet Manfred Emmerich, wie der "Schwyzertag" zu seinem Namen kam. Mit einer anschaulichen großen Zeichnung gibt Walter Weißenberger Kunde über die ehemaligen Weingärten in und um Tiengen. Im "Hirschen" in Dogern wurde von den Einungsmeistern eine neue Waffenkammer eingerichtet, die Konrad Lüthy vorstellt. Derselbe Autor schreibt über die schon 1428 erwähnte Rhein-Fähre von Murg.
Der 14. November 1770 war für Waldshut ein spektakulärer Tag. Manfred Dietenberger berichtet, wie in einer großartigen Formation die von Klingnau hergebrachten Särge mit den Gebeinen von 13 Habsburgern durch die Waldstadt in Richtung St. Blasien geleitet wurden. Dietenberger schreibt auch über die vor 900 Jahren erfolgte Gründung des bei Ulm gelegenen Klosters Wiblingen durch Benediktiner von St. Blasien und von dem 1. Abt, der ebenfalls als Mönch aus dieser Schwarzwald-Abtei kam. Gustav Oberholzer versucht eine neue Deutung des Worts "Hotzenwald".
Die Römer setzten vor 2000 Jahren Meilensteine am Hochrhein. Wie früher Entfernungen und Flächen gemessen wurden, daran erinnert Richard Kaiser. Im 18. Jahrhundert standen viele Männer als Söldner im Dienst fremder Herren. Werner Vökt geht in seinem dritten Beitrag dem Schicksal solcher Soldaten nach. Erstmals kann eine Verena Huber als Gründerin und Stifterin der nach dem Dreisigjährigen Krieg erbauten Kapelle im Schellenberg nachgewiesen werden. Die Pfarrkirche St. Gallus in Eggingen wird von Lucia van Kreuningen vorgestellt und Gottfried Nauwerck berichtet viel Wissenswertes über die Burgruine Wieladingen. Mit seinem Beitrag über Aufstieg und Niedergang der Nazi-Partei NSDAP auf den Dörfern geht Herbert Fuchs senior am Beispiel Hohentengen in die neuere Geschichte. Schließlich gibt Dominik Rimmele in seinem Nachruf auf den Waldshuter Redemptoristenpater Josef Isele (1919-2007) gleichzeitig eine erste Übersicht über dessen Nachlass, vor allem über seine zahlreichen geschichtlichen Arbeiten.
Erhältlich ist der Band 2007 des Geschichtsvereins in den Buchhandlungen Fleck in Waldshut, Kögel in Tiengen und "Gallusturm" Bad Säckingen.
Zuvor konnten die zahlreichen Besucher der Versammluing nochmals alle Exkursionen und Führungen des Jahres 2007 im Bild erleben. Die Fotografen Markus Jehle, Rainer Granacher und Harry Huber lieferten das Bildmaterial dazu.


im Alb Bote vom16.11.2007

Der Tausendsassa von Görwihl

Paul Eisenbeis wird heute Ehrenbürger - und 80 Jahre alt

Paul Eisenbeis Görwihl 80. Geburtstag EhrenbürgerDer Görwihler Heimatforscher Paul Eisenbeis hat heute keinen ruhigen Tag. Denn: Er feiert seinen 80. Geburtstag und erhält am Abend das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Görwihl. Eisenbeis ist damit der zweite Bürger, dem diese Auszeichnung verliehen wird.
Für Paul Eisenbeis ist die Verleihung des Ehrenbürgerrechts eine Überraschung. Der Erste, dem diese Auszeichnung zuteil wurde, war der Görwihler Pfarrer Alfred Frei. Jetzt wird ein Mann zum Ehrenbürger, der sich wie kein anderer der Geschichte des Hotzenwaldes angenommen hat.
"Geschichte ist eine interessante Sache, die einen nicht mehr loslässt", erklärt der frühere Lehrer und Rektor der Görwihler Grund- und Hauptschule. Paul Eisenbeis ist seit 1990 in Pension, befindet sich aber alles andere als im Ruhestand. Nach der Pensionierung habe er sich auf die Heimatgeschichte konzentriert, blickt er zurück. Er verbrachte unzählige Stunden in verschiedenen Archiven. Eisenbeis ging der Vergangenheit akribisch nach. Er verließ sich nicht auf mündliche Überlieferungen, sondern sichtete die originalen. Gepackt hat ihn vor allem die Geschichte der Salpeterer. Daneben verfasste er 15 Vereinschroniken, denen ebenfalls viele Archivsitzungen vorausgingen. Damit nicht genug, war er maßgeblich am Aufbau des Heimatmuseums in Görwihl beteiligt. Er ist Gründungsmitglied des Fördervereins Heimatmuseum und des Geschichtsvereins Waldshut, in dessen Vorstand er lange tätig war. Eisenbeis ist Ehrenmitglied der Trachtenkapelle Strittmatt und des Deutschen Roten Kreuzes Görwihl. Politisch engagiert er sich seit 51 Jahren für die CDU.
Und dann ist da noch diese alte Geschichte mit den Einungen. Paul Eisenbeis schrieb ein Freilichtstück über die Einungsmeisterwahl, das 1996 auf dem Marktplatz in Görwihl aufgeführt wurde. Einungsmeister der Einung Görwihl, zu der auch Teile der heutigen Gemeinde Herrischried gehörten, wurde damals Herbert Nägele aus Rotzingen. "Wir haben es genau nach alter Sitte gemacht", berichtet Eisenbeis. Er muss es wissen. Denn im echten Leben ist Eisenbeis Einungsmeister der Einung Görwihl. Dass es heute wieder acht Einungsmeister gibt, entspricht allerdings nicht der realen politischen Konstellation des Landkreises Waldshut, sondern ist historisch nachempfunden. Die Ankündigung, dass ihm das Ehrenbürgerrecht verliehen wird, kam für Paul Eisenbeis unverhofft. Aber: "Ich freue mich. Auch deshalb, weil ein Lehrer das Ehrenbürgerrecht erhält." Im Normalfall, fügt er hinzu, erhalten Lehrer solche Auszeichnungen nicht.
Paul Eisenbeis war von 1950 bis 1952 Lehrer in Gurtweil, Binzgen, Horheim und Oberhof. In diesem Jahr heiratete er Hildegard Hofmann, mit der er vor fünf Jahren goldene Hochzeit feierte. Danach nahm er eine Stelle als Lehrer in Strittmatt an. Dort blieb er bis April 1966, als er nach Görwihl versetzt wurde. Im selben Jahr erhielt er von der damals selbstständigen Gemeinde Strittmatt den Ehrenbürgerbrief überreicht. "Das war eine lockere Angelegenheit", blickt er zurück. Ob die Verleihung des Ehrenbürgerrechts, diesmal von der Gemeinde Görwihl, heute Abend wieder eine lockere Angelegenheit wird, weiß noch niemand. Klar ist nur so viel: Paul Eisenbeis wird im Bürgersaal keine Wurzeln schlagen. "Um 21 Uhr bin ich weg", sagt er. Wir werden sehen.

VON PETER SCHÜTZ

Bildtext:
Heimatforschung auf der Kunst: Paul Eisenbeis mit dem Nachweis, dass er einer von acht Einungsmeistern ist. Er wird heute 80 Jahre alt und zum Ehrenbürger der Gemeinde Görwihl ernannt. Bild: Schütz

Paul Eisenbeis
Paul Eisenbeis stammt aus Oberweier bei Lahr. 1953 wurde er Lehrer in Strittmatt. 1966 wechselte er an die Schule in Görwihl, wo er von 1970 bis 1990 Rektor war. 1998 erhielt Eisenbeis das Bundesverdienstkreuz. Seit 1958 ist er als Journalist für den SÜDKURIER tätig. Heute Abend wird ihm das Ehrenbürgerrecht verliehen. Die öffentliche Feier findet ab 19 Uhr im Strittmatter Bürgersaal statt.

 


im Alb Bote vom 11.10.2007

Wechsel im Geschichtsverein

Paul Eisenbeis übergibt das Amt des Schriftführers nach 14 Jahren an Werner Schreiber

Geschichtsverein Hochrhein UnteralpfenWaldshut (tao) Paul Eisenbeis aus Görwihl, der vierzehn Jahre als Schriftführer im Vorstand des Geschichtsvereins Hochrhein tätig war, tritt ins zweite Glied zurück. In der Hauptversammlung des Vereins, die im Gasthaus zur Linde in Unteralpfen stattfand, wurde die engagierte Mitarbeit des 79-Jährigen gewürdigt, der als Publizist, Geschichts- und Heimatforscher seit Jahrzehnten einen besonderen Ruf genießt. "Paul Eisenbeis war immer ein kompetenter Gesprächspartner, wenn es darum ging, historische Fragen zu erörtern", so der Vorsitzende Manfred Dietenberger. Durch seine Mitarbeit habe Eisenbeis in hervorragender Weise daran mitgewirkt, die erklärten Ziele des Vereins umzusetzen, die Geschichtsforschung am Hochrhein und im Süd-Schwarzwald zu fördern und die gewonnenen Erkenntnisse in Form von Publikationen, Vorträgen und Exkursionen weiterzugeben.
Eisenbeis bestätigte seinerseits eine harmonische Zusammenarbeit, die viel Freude gemacht habe und er versicherte, auch künftig dem Verein zur Verfügung zu stehen und weiterhin dort aktiv mitzuarbeiten, wo er gebraucht werde.
Das zurückliegende Jahr, so Paul Eisenbeis in seinem Rückblick, sei wieder erfolg- und abwechslungsreich verlaufen. Es gab sieben Monatstreffen, die gut bis sehr gut besucht waren. Im Mittelpunkt der Treffen stand immer ein Referat, das in der Regel durch eigene Mitglieder vorgetragen wurde. Dazu kamen eine Exkursion zum Schloss Bürgeln im Markgräflerland, in Verbindung mit einer Führung durch die Basler Altstadt, eine historische Stadtführung durch das Schweizer Klingnau und ein zweitägiger Ausflug durch Oberschwaben mit Besuch der Klöster Inzigkofen und Wiblingen und der Städte Meßkirch und Ulm. Hinzu kam eine Arbeitstagung zur Vorbereitung und Drucklegung des Jahrbuches 2006, das diesmal einen Umfang von 136 Seiten hatte. Kassierer Manfred Gallmann wies auf die zunehmende Bedeutung der Spenden hin, mit deren Hilfe wieder ein wichtiger Beitrag zum Funktionieren des Vereins geleistet werden konnte, zumal ein Großteil des Budgets alljährlich durch die Herausgabe des Jahrbuches aufgezehrt werde.
Großes Interesse fand die Homepage des Vereins, die von Markus Jehle betreut wird. Die Seite wird im Schnitt 50 Mal wöchentlich aufgesucht, die Anfragen kommen aus fast allen Teilen der Welt, vorwiegend aber aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und den USA.
Die Vorstandswahlen wurden von Herbert Fuchs geleitet. Zum neuen Schriftführer wurde Werner Schreiber gewählt, während die übrigen Vorstandsmitglieder für zwei weitere Jahre in ihren Ämtern bestätigt wurden, darunter Ute Beck (Stellvertreterin), Franz Falkenstein, Manfred Emmerich und Franz Leber als Beisitzer. Traditionsgemäß fand die Hauptversammlung, die im zweijährigen Turnus abgehalten wird, an einem historischen Ort statt. Diesmal fiel die Wahl auf die Dr. Jakob Ebner-Heimatstube, die 2001 in der Linde in Unteralpfen eingerichtet wurde.
Zuvor stand der Besuch der Pfarrkirche St. Laurentius auf dem Programm mit einer kunsthistorischen Führung durch das Vereinsmitglied Silvia Albiez aus Unteralpfen.

Bildtext:

Paul Eisenbeis (Mitte) reichte sein Amt nach 14 Jahren an Werner Schreiber (rechts) weiter. Links Vorsitzender Manfred Dietenberger.

Geschichtsverein

Der Geschichtsverein wurde 1974 durch die Initiative des Waldshuter Historikers Fritz Schächtelin gegründet. Der Verein zählt 180 Mitglieder, Stammlokal ist das Hotel "Schwanen" in Waldshut. Alljährlich wird ein Jahrbuch herausgegeben mit Beiträgen zu den Themenbereichen Brauchtum und Heimatgeschichte. Vorsitzender ist Manfred Dietenberger aus Albbruck, Tel. 07753/5700. Homepage: www. geschichtsverein-hochrhein.de


im Alb Bote vom 22.09.2007

Viel zu sehen bei Herbst-Exkursion

Geschichtsverein Hochrhein mit 43 Teilnehmern in Oberschwaben unterwegs

Die Herbst-Exkursion des Geschichtsvereins Hochrhein nach Oberschwaben hatte vier Ziele auf dem Programm: Meßkirch, das Kloster Inzigkofen, das Kloster Wiblingen und die Stadt Ulm. Die drei erstgenannten Orte haben alle Beziehungen zur Region Waldshut. Die von Ute Beck und Manfred Dietenberger organisierte zweitägige Fahrt war für die 43 Reiseteilnehmer ein großes Erlebnis.

Waldshut (eis) In Meßkirch, dem "Geniewinkel Badens", übernahm der einstige Stadtpfarrer von Waldshut, Heinrich Heidegger, spontan die Führung durch die Stadt und ihre Geschichte. Natürlich kam man bald auf seinen Onkel, den großen Philosophen Martin Heidegger (1889-1976) mit vielen persönlichen Details zu sprechen. Die Teilnehmer der Exkursion hörten von dem hier residierenden Grafen von Zimmern, dem bekannten Komponisten Conradin Kreutzer und dem von hier stammenden Erzbischof Konrad Gröber (1872-1948). In der Stadtkirche St. Martin ließ Pfarrer Heidegger die kunstvolle Inneneinrichtung mit ihrem theologischen Hintergrund aufleuchten.
"Wir zeigen Ihnen gerne und stolz das ehemalige Augustinerinnenkloster Inzigkofen", so der dortige Führer vor dem zweistündigen Rundgang durch die weit verzweigten Kloster anlagen. Hier beteten und arbeiteten in der Blütezeit rund 40 Chorfrauen und zusätzliche Laienschwestern. Aus einer anfänglich kleinen Beginenge-meinschaft wurde 1394 mit der Annahme der Augustinerregel ein Augustiner-Chorfrauenstift. Einmalig in der Kirche ist auch das in der Notzeit von den Nonnen mit vielen bunten Blumen und Blättern selbstgefertigte Chorgitter aus Pappmache. Die jeweilige Pröpstin hatte als unmittelbaren Vorgesetzten den Abt aus Kreuzlingen bei Konstanz, der hier auch Visitator war.
Genau so war es im Chorfrauenstift Riedern am Wald im Kreis Waldshut, mit dem das Stift Inzigkofen rege Kontakte und Austausche pflegte. Die Chorfrauen aus Riedern übernahmen den kompletten Bauplan von Inzigkofen. Heute ist in den Klosterräumen eine weitbekannte Volkshochschule mit einem reichen Kursangebot angesiedelt.
Das vor den Toren Ulms gelegene ehemalige Kloster Wiblingen wurde anno 1093 von zwei adligen Brüdern gegründet. Dazu holten sie 12 Mönche aus der Benekdiktinerabtei St.Blasien. Einer von ihnen, Werner von Ellerbach, wurde der erste Abt des rasch aufblühenden Klosters. Eine Augenweide für die Geschichtsfreunde war hier der prächtige, zweigeschossige Bibliotheksaal mit seiner Originalausstattung und dem reichhaltigen theologisch-humanistischen Bildprogramm - heute Weltkulturerbe! Beim Betreten der dem heiligen Kreuz geweihten Klosterkirche wurden die Teilnehmer sofort an das Innere des Domes von St. Blasien erinnert, der in derselben Zeit entstand. Eine Besonderheit hier: Die Klosterkirche hat keinen Kirchturm, aber ein Geläut mit der ältesten in Deutschland datierten Glocke von 1275.
Eine mehrstündige Führung bei bester Witterung am Sonntag galt schließlich der ehemals Freien Reichsstadt Ulm mit den historischen Gerber- und Fischervierteln, den verwinkelten Durchgängen und romantischen Brücken. In Ulm lief gerade der mit 9000 Läufern bestückte Einstein-Marathon. Höhepunkt und Abschluss war hier der Besuch des Ulmer Münsters. Der stattliche Bau, 1377 als Pfarrkirche begonnen und 1898 beendet, hat Raum für 23 000 stehende Personen, den mit 163 Metern höchsten Kirchturm und ist zudem das größte protestantische Gotteshaus der Welt.

Paul Eisenbeis


im Alb Bote vom 05.09.2007

Trauer um Pater Josef Isele

Als Seelsorger im Waldshuter Krankenhaus und Mitglied im Redemptoristenorden lebte er ein erfülltes Leben

Pater Josef Isele WaldshutPater Josef Isele ist im Alter von 87 Jahren am Montagabend nach langer Krankheit im Ordenshaus St. Joseph in Matran bei Fribourg/Schweiz gestorben. Der gebürtige Waldshuter war vor allem als Krankenhausseelsorger und Heimatforscher bekannt. Im Waldshuter Krankenhaus war er nicht nur als Seelsorger tätig, sondern spendete auch die Krankensalbung und taufte Kinder.
Eine tiefe Liebe verband Pater Isele mit seiner Heimatstadt. Die Erforschung und Darstellung ihrer Geschichte war eines seiner größten Anliegen, aber auch die Städtepartnerschaft zwischen Blois und Waldshut. Isele war auch als Künstler bekannt. Überall erinnern Zeichnungen und Bilder an sein Schaffen. Eines seiner bekanntesten Werke ist wohl das Altarbild in der alten Krankenhauskirche.
Josef Isele wurde am 20. Dezember 1919 als Sohn des Zimmermeisters Emil Isele und dessen Frau Dorothea Isele in Waldshut geboren. Bereits in frühester Kindheit wollte er Priester werden. Als 1932 von Patres des Redemptoristenorden eine Mission in der Pfarrgemeinde Waldshut abgehalten wurde, war ihm sein Weg klar: Er wollte Redemptorist werden.
Im Alter von elf Jahren meldete sich der Älteste von drei Geschwistern bei den Redemptoristen in Mariawil, bei Baden/Schweiz. In den Ordensgymnasien von Drei-Ähren im Elsass und von Fribourg verbrachte er seine Gymnasialjahre. Daran schloss sich das Noviziat (Probezeit) von einem Jahr in Lothringen und Heiligenstadt an. Ein Jahr später legte er seine Profess, sein ewiges Versprechen, ab.
Die Zeit während seines Studiums wurde vom Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Er wurde als Soldat eingezogen und trug im mehrjährigen Fronteinsatz in Russland und Rumänien das Schicksal einer jungen Kriegsgeneration mit. Bei seiner Flucht als Kriegsgefangener durch Rumänien wurde er gefasst und sollte hingerichtet werden. Ein Gebetbuch, das er in der Hand hielt, war seine Rettung: Der russische Offizier, der ihn erschießen sollte, war selbst ein Christ und zu der Tat nicht fähig. Isele kam in Gefangenschaft nach Westsibirien und wurde dort bald wegen Entkräftigung und Arbeitsunfähigkeit entlassen.
Nach seinem Studium der Philosophie und Theologie, das er in Hennef / Sieg absolvierte, erhielt er am 7. August 1949 in Trier seine Priesterweihe. Am 15. August 1949 feierte er seine Primiz in der St.-Marien-Kirche in Waldshut. Fortan arbeitete er als Kunsterzieher von 1950 bis 1955 in Bonn und seit 1955 als Deutschlehrer und Kunsterzieher im Ordensgymnasium Collège St. Joseph Matran. Ganz in der Aufgabe der Redemptoristen half Pater Isele neben seiner Lehrtätigkeit in der Schweiz und in Waldshut bei allen Notsituationen in der Seelsorge aus. Nach seiner Pensionierung war Pater Isele in Waldshut weiterhin als Seelsorger tätig.
Aus gesundheitlichen Gründen konnte er das Kloster Matran die letzten Jahre nicht mehr verlassen, um seine Heimatstadt zu besuchen, was er zutiefst bedauerte.
Die Beerdigung findet am Freitag um 14.30 Uhr in Matran bei Fribourg/Schweiz statt. Am Mittwoch, 12. September, wird um 19Uhr in der Liebfrauenkirche in Waldshut eine Eucharistiefeier in Gedenken an Pater Josef Isele veranstaltet.

Susann Klatt-D'Souza


im Alb Bote vom 25.08.2007

Stöbern in verstaubten Akten

Engeltje und Lucia van Kreuningen bereiten Buch über alte Ansichten der Gemeinde Eggingen vor

Ein Weihnachtsgeschenk wird es wohl nicht mehr werden, das Buch über vergangene Zeiten, das bei der Egginger Kunstausstellung halbfertig zur Ansicht und für Ergänzungsvorschläge auslag - und dort schon achtzigfach bestellt wurde. Dass es noch dieses Jahr fertig wird, hatten sich die beiden Autorinnen, Engeltje und Lucia van Kreuningen, vorgenommen. Doch obwohl die beiden intensiv daran arbeiten, wird es vor 2008 nichts mit der Auslieferung.
"Ständig stoßen wir auf neue Fakten, und immer weiter gehen wir auf unserer Suche nach Baujahren der Egginger Gebäude in die Vergangenheit zurück", erzählt Engeltje van Kreuningen. "Zuerst wollte ich in dem neuen Buch nur eine Gegenüberstellung von alten Ansichten Eggingens mit heutigen machen - ohne Text, die Bilder sollten selbst sprechen. Doch je länger ich mich mit der Geschichte des Dorfes beschäftigte, umso mehr hatte ich das Bedürfnis, den Bildern erklärende Texte zuzufügen. Mein Metier ist die grafische Darstellung, der Textverfassung hat sich nun meine Schwägerin Lucia angenommen."
Mit Genehmigung der Gemeindeverwaltung stöbert das Duo unzählige Stunden durch das Archiv jahrhundertealter Dokumente im Keller des Rathauses. Die beiden Frauen sind keine Anfänger in Geschichtsforschung. Lucia van Kreuningen ist schon viele Jahre im Geschichtsverein Waldshut und hat bereits über ihre Familie, die Familie Schanz aus Eggingen, ein Buch geschrieben. Ihre Schwiegermutter hat ein Buch über die van Kreuningens in ihrer holländischen Heimat verfasst.
Bei den Egginger Kunsttagen über Ostern dieses Jahres haben die beiden sehr viel Resonanz, alte Fotos und Hilfe in Form von Informationen bekommen. Dankbar nehmen sie diese Hilfe an. Auch wer selbst Fragen hat oder Vergangenes ergründen will, kann sich gerne an sie wenden.
Das Buch kann weiterhin bestellt werden. Es wird mit dem Laserdrucker hergestellt und mit festem Einband gebunden. Der ausgelegte Prototyp hatte 300 Seiten. Die Autorinnen sind sich sicher, dass es im fertigen Buch über 600 Seiten werden.
Engeltje van Kreunigen hat schon Tausende Fotos von den Dokumenten gemacht. Ohne diese dem Tageslicht auszusetzen, fotografiert sie alles schonend, ohne Blitz, mit ihrer Digitalkamera. Richtig schade findet sie es, dass Leute vor ihr teilweise Markierungen und Zahlen auf die alten Papiere gekritzelt haben.
Auf die Frage, wo die beiden Frauen die Motivation hernehmen, das Buch zu machen, antworten sie, dass sie es einfach unwahrscheinlich spannend finden, Dokumente zum Beispiel aus dem 17. Jahrhundert zu entziffern, um dabei immer wieder neue Entdeckungen  zu machen. Beispielsweise sind Verläufe von Straßen im Ortsteil Obereggingen aufgetaucht, die ohne die historischen Aufzeichnungen keiner mehr erahnt hätte. Jetzt aber, da sie bekannt sind, erklärt das in manchen Fällen die Anordnung alter Höfe. Ihre Entdeckungen möchten Engeltje und Lucia van Kreuningen allen Eggingern zugänglich machen. Ihr Buch wird einige Überraschungen liefern.

Rita Bauknecht

Bildtext:
Engeltje und Lucia van Kreuningen bei ihrer Recherche im Archiv der Gemeinde Eggingen. Hier arbeiten sie sich durch das Buch "Gemeinderechnung Untereggingen" aus dem Jahr 1780.


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