Die Mark geht - der Euro kommt - die Mark bleibt

von Richard Kaiser, Bad Säckingen

Jeden von uns trifft es, ob er will oder nicht. Unsere gute alte Mark als liebgewonnenes Zahlungsmittel hat zum 31. Dezember 2001 ausgedient und wird vom Euro abgelöst. Genau 126 Jahre wurde sie alt; bis 1948 als Reichsmark, die letzten 54 Jahre als Deutsche Mark. Zum Gedenken an die DM hatte die Deutsche Bundesbank im August 2001 eine zwölf Gramm schwere Goldmünze zum Nennwert von einer Deutschen Mark mit einer Auflage von einer Million Exemplaren herausgegeben. Ihr Ausgabepreis betrug 250,- DM. Sie fand reißenden Absatz und ist längst vergriffen.

Deutsche Mark

Diese goldene Deutsche Mark bleibt uns also erhalten. Überlebt haben aber auch noch andere "Märker". So das Mark für das Innerste, das Rückenmark, oder Mark sowohl als männlicher Vorname als auch als Nachname. Auch wird es die Ortschaft Mark bei Bamberg und die Autobahnanschlussstelle HoheMark-West weiterhin geben. Markant bleibt natürlich auch die Briefmarke sowie der Markstein, dem dieser Beitrag in erster Linie gewidmet ist. Darüber hinaus haben sämtliche Markenartikel einen hohen Marktwert.
Zurück zur D-Mark. Man wird wohl auch künftig auf so schöne Redewendungen wie "jede Mark zweimal umdrehen", "die schnelle Mark machen" oder "keine müde Mark" nicht verzichten, zumal sie in Verbindung mit dem Euro nicht sonderlich gut klingen. Einzig der Obdachlose in der belebten Einkaufsstraße wird seinen Slogan "haste mal 'ne Mark" vielleicht umstellen und damit seine Einkünfte auf einen Schlag gleich verdoppeln.

Die Mark als Landschaft

Das deutsche Wort Marke ist dem französischen marque (Zeichen) entlehnt. Das wiederum stammt aus dem mittelniederdeutschen Mark, dem Grenzzeichen. Darauf gehen auch die Mark Brandenburg (Landschaft an der Havel) und die ehemalige Grafschaft Mark (Herzogtum Westfalen) zurück. Viel näher liegt uns aber das Markgräfler Land am südlichen Oberrhein. Und aus dem Geschichtsunterricht ist uns vielleicht noch Markgraf Karl Friedrich, als Schöpfer des Großherzogtums Baden, in guter Erinnerung.
Die Mark als Verwaltungsgebiet gibt es in der heutigen Zeit nicht mehr. Der Begriff Gemarkung ist jedoch aus ihr hervorgegangen. Darunter versteht man den Zusammenschluss aller Grundstücke eines Gemeindegebietes, die bei der badischen Katastervermessung (im heutigen Landkreis Waldshut zwischen 1863 und 1897 durchgeführt) erstmals mit Grenzsteinen abgemarkt und aufgemessen wurden. Die Gemarkungen haben als Nummerierungsbezirke der Grundstücke auch die baden-württembergische Verwaltungsreform 1975 überstanden; eine heutige Gemeinde besteht somit in der Regel aus mehreren Gemarkungen.
Als Vorläufer der Gemarkung gilt der Bann. Ihm kam bis zum Ende der vorderösterreichischen Zeit noch große Bedeutung zu. Die Bannpläne, wie sie hierzulande etwa um das Jahr 1790 entstanden sind, zeugen noch heute von der vortrefflich beherrschten Feldmesserkunst der damaligen Geometer Ignatius Aichele, Fridolin Garnie, Johann Hünerwadel, Joseph Fridolin Kunzelmann, Josef Leimgruber und Thomas Walz.

Der Markstein als Grenzzeichen

Das Bestreben des Menschen, sein Eigentum zu sichern und gegen Fremdeinwirkungen abzugrenzen, ist schon sehr alt. Dieses Ziel hat sich seit jeher auf den Lebensraum eines Volkes, einer Gemeinde und letztlich auf jeden Einzelnen erstreckt. Je wertvoller und kostbarer das Land, desto genauer wurde abgegrenzt. Im Altertum waren es bereits die Babylonier, die Ägypter und die Griechen, die ihre knappen fruchtbaren Böden in Grundstücke aufteilten und den Verlauf der Grenzen durch Steine kenntlich machten. Später nahmen auch die Römer Steinabmarkungen vor.
Die Grenzen galten als heilig und unverletzlich. In dem um 500 n.Chr. entstandenen Gesetz der Burgunder steht im 55. Kapitel: "Ein freier Mann, der sich nicht scheut, die Grenzmarken auszugraben ... wird zum Verlust der Hand verurteilt." Mit Strafe ahndete auch Kaiser Karl V das Grenzvergehen in der Peinlichen Gerichtsordnung von 1532, in der ausdrücklich von Grenzrainen und Marksteinen die Rede ist. Geschützt wurden die Grenzsteine nicht zuletzt auch durch den Volksglauben, der besagte, dass Marksteinverrücker im jenseits keinen Frieden fänden, sondern weiter beim Stein umgehen müssten.
Zunächst wurden nur bestimmte Herrschaftsgebiete wie Herzogtümer, Bistümer, Grafschaften oder Gutsbezirke mit Grenzsteinen versehen, die mit Wappen, Initialen und Jahreszahlen verziert waren. Nach Bildung der Länder wurden deren Grenzen, danach die der Gemeinden und erst am Schluss die der Grundstücke abgemarkt.

Grenzsteine als Kulturdenkmale

Markstein GrenzsteinWenden wir uns aber wieder unserer Heimat und unserer wertvollen Kulturlandschaft zu. In einer Sankt Blasier Grenzbeschreibung vom Jahre 1328 ist bereits ein Markstein erwähnt. Überhaupt sind in einem alten acten Buch des damals mächtigen Klosters St. Blasien noch etliche Berichte über Grenzüberwachungen und -markierungen zu finden.1)
Der älteste bekannte noch vorhandene Grenzstein im südbadischen Raum ist ein "Kreuzstein", der um 1300 an der Friedgrenze der Stadt Freiburg stand. Er befindet sich heute im Technischen Rathaus der Stadt. Nach einer Urkunde von 1368 war die Stadt Freiburg damals von 19 Kreuzsteinen umgeben, die eine Friedgrenze bildeten, hinter der Gewalttätigkeiten mit verschärften Strafen geahndetMarkstein Grenzstein wurden.2)
Zwei solcher Steine stehen heute noch an ihrer alten Stelle am Rand der Stadt Bad Säckingen. Ein dritter, der Stein mit der Nr. 1, kam am 6. August 1998 noch hinzu.3) Sie stammen aus dem Jahr 1599 und gehören zu den 17 Kreuzsteinen, die den Hochgerichtsbezirk der Stadt markierten. Innerhalb dieses Gebietes konnte die Stadt Urteile über Leib und Leben fällen. Dadurch hob sich Säckingen gegenüber den benachbarten Waldstädten Laufenburg und Waldshut ab. Dort stand die hohe Gerichtsbarkeit auch im Stadtbann nur der Landesherrschaft zu.4) auch Säckinger Kreuzstein ist übrigens aus rötlichem Granit, einem speziellen Säckinger Vorkommen. Grenzsteine lassen sich beinahe immer auf heimische Steinbrüche zurückführen. Sie spiegeln damit auch die örtlichen geologischen Gegebenheiten wider.
Besonders erwähnt sollten auch die alten Bannund Gemarkungsgrenzsteine werden, die im Landkreis Waldshut noch immer ihre Daseinsberechtigung haben. Das wahrscheinlich älteste, noch gültige Grenzzeichen im Landkreis Waldshut wurde im Juli 1998 bei Vermessungsarbeiten des Amtes für Flurneuordnung und Landentwicklung Bad Säckingen, völlig zugedeckt, zwei Meter von seinem eigentlichen Standort entfernt, gefunden.5) Es handelt sich um den im Jahre 1573 errichteten Stein (der als Wappen einen springenden Hirsch mit einem durchdringenden Abtstab trägt) mit dem das Kloster St. Blasien vermutlich seinen Besitz abgrenzte, nachdem es im Jahre 1480 die Herrschaft Krenkingen erwarb. Noch heute bildet dieser Stein die Grenze der beiden Gemarkungen Krenkingen und Untermettingen und markiert gleichzeitig die Gemeindegrenze Waldshut-Tiengen gegenüber Ühlingen-Birkendorf.
Markstein Grenzstein Aus noch früherer Zeit, nämlich aus dem Jahre 1411, stammen zwei Steine, die einst die Herrschaft Münchingen aufzeigten. Sie befinden sich heute nicht mehr an ihrer alten Stelle, sondern in der Bonndorfer Grenzsteinsammlung im Schlossgarten bzw. auf dem Rastplatz Böhler bei Dillendorf.6) An diesen beiden Plätzen und auch vor dem Rathaus in Wehr sind etliche ehemalige Grenz- und Vermessungspunkte aufgestellt, die aus wissenschaftlicher, heimatgeschichtlicher und künstlerischer Sicht zwar als Kulturdenkmale gelten, deren historische Aussage jedoch nicht mehr vollständig ist.
Hoffentlich bald wieder an seinem ursprünglichen Ort steht der ehemalige Landesgrenzstein aus dem Jahre 1810, der gut und gern 180 Jahre lang auf der alten Holzbrücke stand, die Bad Säckingen mit der Schweiz verbindet. Kurz vor einer umfangreichen RestaurierungMarkstein Grenzstein der Brücke hat man ihn zu seiner Sicherheit im Park des Schlosses Schönau aufgestellt. Man könnte meinen, dass der auf dem Sandstein abgebildete aufspringende Löwe geradezu darauf wartet, wieder zurück zu können.7)
Wie eine Insel innerhalb der Grafschaft Hauenstein lag seinerzeit der Herrschaftsbereich der Familie Zweyer v. Evenbach. Ihren umfangreichen Landbesitz ließen sie 1743 im Flecken Niederalpfen mit hoher und niedriger Gerichtsbarkeit, Markstein Grenzstein jagen und anderen Privilegien mit wappengeschmückten Grenzsteinen abmarken. Mindestens vier solcher Sandsteine, die aus den Steinbrüchen von Unteralpfen, aus denen auch der St. Blasier Dom gebaut wurde, stammen, sind derzeit noch erhalten.8)
Der mit Abstand prunkvollste aller Grenzsteine des Landkreises Waldshut steht seit 1767 an der Gemeindegrenze zwischen Waldshut-Tiengen und Ühlingen-Birkendorf, genauer gesagt im Bereich der Ortsteile Detzeln und Raßbach. Er zeigt auf der einen Seite den springenden Hirsch unter einem Fürstenhut, das Wappen des Klosters St. Blasien, und auf der anderen Seite das Wappen der Fürsten zu Fürstenberg mit dem Zähringer Adler und ebenfallsMarkstein Grenzstein einem Fürstenhut. Es ist bis zum heutigen Tag ein Rätsel, warum an einer derart abgelegenen Stelle im Wald ein so wertvoll behauener Stein steht. Um diese Rarität einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde von ihm ein Abguss hergestellt und dieser im Bonndorfer Schlossgarten aufgestellt.

Katastervermessung

Erst durch das Vermarkungsgesetz des Großherzogtums Baden im Jahre 1854 wurde angeordnet, dass die stückweise Abmarkung aller Grundstücke, also auch der Privatparzellen, zu erfolgen hat. Die Triangulation des Landes Baden (1823-1853) und das 1852 erlassene Vermessungsgesetz bildeten hierfür die Grundlage. Die Marksteine für die Grundstücke der gewöhnlichen Bürger waren vielmals nur einfache Wacken; bei der Menge, die man für die durch Realteilung entstandene Parzellen benötigte, konnte man schließlich keine behauenen Steine bereitstellen.
Erst später wurde der Granitstein mit einem Ausmaß von etwa 10 x 10 x 55 Zentimeter der gängige Grenzstein. Dieser und auch die Kunststoffmarke oder der Metallbolzen mit der Aufschrift Grenzpunkt werden heute für die Abmarkung neuer oder der Wiederherstellung bestehender Grenzen verwendet.
Mit der Einführung der Katastervermessung (ab 1863 im Landkreis Waldshut) werden unter die Marksteine auch keine unterirdischen Zeugen mehr gelegt. Die Grenzsteine sind alle koordinatenmäßig erfasst und können bei Verlust jederzeit zentimetergenau wieder hergestellt werden. Der südbadische Vermessungsingenieur Hans-Peter Markstein, den sein Namen vielleicht zum Beruf geführt hat, kann dies genau so wie seine Kollegen am Hochrhein, für die ein alter Grenzstein am Wegrand nicht nur ein Stück Heimat, sondern als Zeuge der Geschichte auch ein wertvolles Kulturdenkmal ist.

Quellen und Literatur

1) Sutter, Konrad: "Grenzsteine einstiger Herrschaften im Landkreis Waldshut" Jahrbuch des Landkreises Waldshut 1991 "Heimat am Hochrhein" 

2) Hentschel, Karl-Heinz: "Grenzzeichen, Untergänger und geheime Zeugen" Band 8 der VDV Schriftenreihe "Der Vermessungsingenieur in der Praxis"

3) Kaiser, Richard: "Flurdenkmal aus dem Jahre 1599 wieder am ursprünglichen Platz" Badische Zeitung vom 18.8.1998

4) Jehle, Fridolin: Beitrag im Südkurier vom 5.4.1973

5) Kaiser, Richard: "Stein kam aus der Versenkung" Alb-Bote vom 10.7.1998

6) Kaiser, Richard: "Grenzsteine mit Vergangenheit", Südkurier vom 17.7.1999

7) Fuchs, Bettina: "Steinener Zeuge aus alter Zeit", Südkurier vom 17.7.2001

8) Kaiser, Richard: "Kunststoffmarken ersetzen Granitsteine" Badische Zeitung vom 3.4.1993

 

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