Neue Waffenkammer bei der Historischen Einungsmeister-Stube in Dogern

von Konrad Lüthy, Murg

Ein wesentliches Element der Einungsverfassung der ehemaligen Grafschaft Hauenstein war das eigene Militär, der sogenannte "Landfahnen". Er wurde zum eigenen Schutz eingerichtet, zu dem die Männer vom 16. bis 60. Lebensjahr rekrutiert wurden; er diente aber auch in den kaiserlichen Truppen der Habsburger, und zwar mit Erfolg, wie aus einigen Schlachtberichten hervorgeht.

Es war deshalb folgerichtig, dass die Historische Einungsmeister-Versammlung nach der Historischen Einungsmeister-Stube auch eine Waffenkammer eingerichtet hat, in der viele Waffen gezeigt werden, mit denen die Männer des Landfahnens über Jahrhunderte gekämpft haben, die aber auch allgemein als Waffen in Gebrauch waren.

Die Idee der Waffenkammer hatte Redmann Heinrich Dold von der Historischen Einungsmeister-Versammlung, der auch den Hauptteil der Eigenarbeit verrichtete. Unterstützt wurde er von Prof. Dr. Gustav Oberholzer, München, der mit seinen wichtigen Hinweisen über Art der Waffen und deren Beschaffung wesentlich zum Gelingen dieses Projekts beitrug. Dank der Bereitschaft der Eigentümer, der Eheleute Hanspeter und Renate Albiez vom Gasthof "Hirschen" in Dogern, konnte der Raum direkt über dem Museum " Historische Einungsmeister-Stube" ausgebaut und eingerichtet werden.

Die ausgestellten Waffen sind teilweise Originale, darunter einige wertvolle Dauerleihgaben, teilweise handelt es sich um Kopien.

Bis zur Erfindung des Schießpulvers im 14. Jahrhundert sprach man nur von sogenannten "Blank-Waffen", danach lösten die Feuerwaffen die Blank-Waffen immer mehr ab. Als Blankwaffen bezeichnet man Spieße, Speere, Lanzen, Hellebarden, Schwerter, Säbel, Degen, Dolche, Sax- und Hauswehren, Dolche, Hirschfänger und Faschinenmesser, sowie Bajonette.

Waffenkammer der Einungsmeisterstube DogernIn der neuen Waffenkammer sind sowohl Spieße, Speere und Flügellanzen, wie auch Hellebarden, Helmbarten, Streitäxte, Knebelspieße und ein sogenannter Morgenstern zu besichtigen. Außerdem liegen auf dem Tisch der Wachstube ein Tüllen-Bajonett, Krähenfüsse, die vor allem bei der Schlacht gegen die Armagnaken 1444 in Schönenbuchen/Wiesental kampfentscheidend waren, ein Morgenstern (eine Keule mit spitzen Dornen) und ein Grenadier-Säbel. Weitere Blank-Waffen sind ein Anderthalbhänder-Schwert, Säbel, Degen, Haus- und Bauernwehre, Hirschfänger und Faschinenmesser in Vitrinen ausgestellt.

Diese Waffen mussten die Landfahnen-Männer selbst besorgen. Die Mannschaften waren deshalb mit den verschiedensten Waffen ausgerüstet, was eine geordnete Kampfführung sehr erschwerte. Dieses Manko ersetzten die Männer aber mit ihrem großen Kampfgeist und dem mehrfach gepriesenen Mut. Über die unterschiedlichen Ausrüstungen geben Musterungs-Protokolle, aber auch ein Bericht von 1634 Auskunft, nach dem der Landfahnen auf dem Dinkelberg in Stellung ging, um gegen die Belagerung von Rheinfelden vorzugehen. Es heißt dort, dass die Bauern schlecht bewaffnet sind und "mit Under- und Oberwehr nitgenugsam versehen, sondern mit Straw-, Hew- und Mistgabeln, auch mit Briglen, Schleglen und Benglen " aufgezogen sind (Unter- und Oberwehr = Rüstungsteile; Straw = Stroh, Hew = Heu, Briglen = Prügel, Schleglen und Benglen = Bengel und Holz-Stöcke).

Waffenkammer der Einungsmeisterstube Dogern 2Zum eigenen Schutz trugen die Soldaten Rüstungen, die ebenfalls unterschiedlich waren; dazu zählten Lederwams, Kettenhemden, Ringkragen oder Achselkragen, Brustpanzer, Bauch- und Beinrüstungen; dazu gehörte auch als Kopfschutz der Eisenhut, die Sturmhaube oder Schützenhaube, die alle auch in der Waffenkammer zu sehen sind. Sogenannte Haken-Büchsen, oder auch Arkebusen genannt, waren die ersten Handfeuerwaffen; sie bestanden aus einem geschmiedeten eisernen Rohr, in das von vorn zuerst das Schwarzpulver und dann eine Bleikugel eingegeben wurde. Durch ein kleines Loch (Pfanne genannt) am hinteren Teil des Rohres wurde mit einer brennenden Lunte das Schwarzpulver entzündet, das dann die Kugel aus dem Rohr trieb. Mit dem Haken, der an einer Mauer oder sonstigen festen Unterlagen befestigt wurde, hat man den Rückstoß abgefangen. Erst viel später wurde hierfür ein Kolben entwickelt. Weitere Handfeuerwaffen waren Musketen und Steinschloss-Flinten. Da diese schweren Handfeuerwaffen äußerst schwierig zu bedienen waren (es waren immer 2 Mann erforderlich), wurden sie auf eine Gabel gelegt. Ein Riemen um die Achsel, an der die Patronentaschen, die Lunten und die Bleikugeln hingen, auch "Zwölf-Apostel" genannt, machten die Schützen sehr unbeweglich. Im Museum ist sowohl ein Landfahnen-Soldat mit Hellebarde in der Uniform des 18.Jahrhunderts, als auch ein Musketier um 1620 mit Rüstung, Steinschloss-Gewehr auf der Gabel und den "Zwölf Aposteln" dargestellt. In einer als Wachstube eingerichteten Ecke sitzen zwei Wachsoldaten in Teilrüstungen. Eine Haken-Büchse und weitere Steinschlossgewehre in Vitrinen ergänzen die Sammlung der Handfeuerwaffen.

Waffenkammer der Einungsmeisterstube Dogern 3 Ein Böller, der hauptsächlich als Lärmfeuer-Instrument verwendet wurde, mit dem man benachbarte Orte mit Wachtürmen, sogenannte Hochwachten, über herannahende Gefahren alarmierte, sowie große Steinkugeln, die mit Schleudern oder Katapulten gegen Belagerungen eingesetzt wurden, gehören auch zum Inventar der Waffenkammer.

 Einige Abbildungen zeigen wie beispielsweise die Langspieße im Kampf verwendet wurden, wie ein Musketier seine Muskete auf einer Gabel abfeuert oder der Landfahnen sich an der Schlacht von Sempach 1386 beteiligt hatte. Eine Farbtafel zeigt die Schlacht gegen die Armagnaken 1444 in Schönenbuchen/Wiesental, einer Fotografie eines rund 8 Meter breiten Gemäldes in der Schönenbucher Kapelle bei Schönau/Schwarzwald. 

Als Blickfang und zugleich als Abrundung der Waffenkammer steht in einer Ecke der Stammtisch der ehemaligen Löwenbrauerei von Waldshut; um den Tisch Waffenkammer der Einungsmeisterstube Dogern 4 stehen die Original-Einungsmeister-Stühle und über den Stühlen im oberen Feld einer von Gero Eggemann gestifteten Täfelung die Familienwappen des Redmanns, des Bauernstatthalters und der Einungsmeister. Über allen wachen zwei mehrere hundert Jahre alte Hirschgeweihe, die früher im Greifenegg-Schlösschen in Waldshut hingen.

In einem kleinen Nebenraum ist eine Kleiderkammer untergebracht, in der u.a. die Uniformen des Landfahnens aufbewahrt werden.

Die Waffenkammer und die Historische Einungsmeister-Stube kann bei Voranmeldung bei Heinrich Dold, Gewerbestraße 4, 79804 Dogern, Tel. 07751/2323, besichtigt werden.

Quellen:
Jakob Ebner aus GLA Karlsruhe "Grafschaft Hauenstein, Konv. VII/64, bearbeitet von Alfred Joos,
Paul Eisenbeis: Die Hauensteinischen Einungen in Jubiläumsschrift: "Grafschaft Hauenstein" 1996
Prof. Dr. Gustav Oberholzer: Die Bewaffnung des Hauensteiner Landfahnens.
Bilder: Matthias Lüthy, Murg